Arbeiter in Schutzanzügen bereiten sich im Rahmen der Corona-Kontrollen auf ihren Einsatz in einem abgesperrten Viertel vor. | picture alliance/dpa/AP

Strikte Corona-Politik Bleibt China eine Gefahr für die Konjunktur?

Stand: 30.11.2022 10:57 Uhr

Der harte Null-Covid-Kurs der Regierung in Peking gefährdet nicht nur die chinesische Wirtschaft, sondern auch die globale Konjunktur. Doch es gibt erste Hoffnungsschimmer.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Die strikte Corona-Politik Pekings bremst die chinesische Wirtschaft weiter massiv aus. Das zeigen auch die offiziellen Einkaufsmanagerindizes, die im November abermals schlechter ausfielen als erwartet. Das Stimmungsbarometer für die Industrie fiel von 49,2 Punkten im Vormonat auf nur noch 48 Punkte und damit auf den schwächsten Wert seit April.

Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Dienstleistungsbarometer aus: Hier wurden nur noch 46,7 Punkte erzielt nach 48,7 im Vormonat. "Möglicherweise nicht ganz unerwartet setzte Covid dem Dienstleistungssektor noch stärker zu", erklärte Tommy Wu, Devisenexperte der Commerzbank. Der Gesamtindex fiel von 49,0 Zählern auf 47,1. Werte unter der 50er-Marke deuten auf einen Rückgang der Wachstumsdynamik in China hin.

IWF fordert Peking zum Handeln auf

Erst gestern Abend hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor Risiken für die chinesische Konjunktur gewarnt. Möglicherweise müsse der Fonds seine Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum nach unten korrigieren, erklärte IWF-Chefin Kristalina Georgieva in Berlin. Die Regierung in Peking habe Spielraum, um die Wirtschaft zu fördern und sich damit dem Abwärtsdruck zu widersetzen.

In einer Pressekonferenz hatten chinesische Gesundheitsbeamte gestern erklärt, das Tempo bei Impfungen für ältere Menschen zu erhöhen. "Dies wurde als Andeutung betrachtet, dass die Behörden in Sachen Null-Covid-Politik flexibler werden und ein weiterer Schritt in Richtung Wiederöffnung erfolgt ist", so Commerzbank-Experte Wu. Eine direkte Antwort auf die jüngsten Proteste blieben die Gesundheitsbehörden allerdings schuldig.

Risiken für die weltweite Konjunktur

Auch an den Märkten bleibt die Null-Covid-Politik der chinesischen Regierung ein zentrales Thema. "Die Anleger sind angespannt", betont IG-Analyst Christian Henke. "Weitere Lockdowns würden die Wirtschaft im Reich der Mitte und somit auch die weltweite Konjunktur hart treffen. Die seit dem Jahr 2020 bestehenden Lieferkettenprobleme könnten nicht gelöst werden."

Erst Anfang der Woche hatte der Volkswagen-Konzern angekündigt, seine Produktion in China wegen der dortigen Corona-Maßnahmen einzuschränken. Derweil könnten die Unruhen beim Apple-Zulieferer Foxconn laut Insiderberichten zu einem Produktionsausfall von fast sechs Millionen iPhones in diesem Jahr führen.

Die entscheidende Frage für die Märkte ist nun, ob Peking seine strikte Null-Covid-Politik lockern wird. Experten sind diesbezüglich allenfalls verhalten optimistisch: "Der Wiedereröffnungsprozess in China wird angesichts der hohen Covid-19-Ausbruchszahlen, die wir derzeit haben, wahrscheinlich einer 'Zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück'-Situation ähneln", sagte etwa Alvin Tan, Währungsstratege bei RBC Capital Markets.

Anleger blicken auf China

Immerhin: Trotz des jüngsten Anstiegs der Corona-Neuinfektionen auf Rekordwert hat China sein Vorgehen nicht weiter verschärft. Die chinesischen Gesundheitsbehörden kündigten sogar an, bei der Umsetzung der Anti-Covid-Beschränkungen künftig "flexibler" vorzugehen, ohne dies jedoch näher zu konkretisieren.

An den Börsen hatten sich zuletzt Hoffnungen auf langsame Öffnungsschritte gemehrt. Wie es in China weitergeht, dürfte in den kommenden Wochen - jenseits der Sitzungen der Notenbanken EZB und Fed - das weitere Geschehen nicht nur an den asiatischen Märkten maßgeblich mitbestimmen.