Kryptowährung Bitcoin mit chinesischer Flagge im Hintergrund | picture alliance / NurPhoto

Boomende Kryptowährung Chinas Antwort auf den Bitcoin

Stand: 23.02.2021 13:47 Uhr

In China werden fast zwei Drittel aller Bitcoins geschürft, die weltweit auf dem Markt sind - noch geduldet vom Staat. Der Handel mit Kryptowährungen ist nicht mehr erlaubt. Die Regierung hat eigene Pläne.

Von Birgit Eger, ARD-Studio Shanghai, zzt. in Köln

China ist der weltweit größte Produzent für Bitcoins. Firmennamen wie Bitmain oder MicroBT kennt hierzulande kaum jemand, sie aber gehören international zu den größten Herstellern von Kryptowährungen. Vor allem zwei Gründe haben China in der Vergangenheit zu einem Eldorado der modernen Bitcoin-Schürfer gemacht: niedrige Energiepreise und günstige Hardware.

Billiger Strom, schnelle Rechner

Rund 65 Prozent der gesamten Bitcoin-Rechenleistung schafften im vergangenen Jahr chinesische Computer. Die stehen vor allem dort, wo Energie besonders günstig ist: Im Norden, in der Inneren Mongolei zum Beispiel. Kohle und Windkraft produzieren dort viel Strom - für wenige Abnehmer. Das gilt auch für die Provinzen Sichuan und Yunnan im Südwesten. Hier liefert vor allem Wasserkraft die billige Energie.

Nicht nur die niedrigen Energiepreise, auch die räumliche Nähe zu den Computerherstellern ist ein weiterer Grund für Firmen in China, Kryptowährung zu schürfen. Denn das Land ist weltweit der wichtigste Hersteller von IT-Geräten, auch von Hochleistungscomputern, die die Rechenaufgaben für das Bitcoin-Schürfen lösen können.

Zentralbank plant eigene Währung

Immer mal wieder wird den chinesischen Bitcoin-Firmen der Strom abgestellt - aber weniger aus Energiemangel als aus politischen Gründen. Der Regierung in Peking ist die Kryptowährung nicht geheuer. Denn viele Chinesen haben in der Vergangenheit das digitale Geld genutzt, um die strengen Kapital-Ausfuhrregeln zu umgehen: Dabei wurden hohe Summen Renminbi in Bitcoin gewechselt und später im Ausland wieder in Dollar und Euro eingetauscht. Deshalb hat die chinesische Regierung den Handel mit Bitcoins inzwischen untersagt.

Stattdessen arbeitet die Zentralbank an einer eigenen digitalen Währung. CBDC, "Central bank digital currencies", heißt die neue Währung und ist keine Kryptowährung im eigentlichen Sinn, denn sie beruht nicht auf der sogenannten Blockchain-Technik, mit der zum Beispiel Bitcoins geschürft werden. Der chinesische Markt sei zu groß für Krypotwährungen, sagte zur Begründung Li Lihui, ehemaliger Präsident der staatlichen Bank of China dem chinesischen Internetportal Sina Finance. Er betonte, die geplante chinesische Digitalwährung sei verlässlicher und sicherer als Bitcoin und Co.

Einblick in die Finanzen

Die chinesische Zentralbank wird das neue Geld ausgeben - und dadurch ohne Umwege Einblick in die Finanzdaten der Kunden erhalten. CBDC ist technisch gesehen eine weitere digitale Bezahlmethode wie "wechatpay" oder "Alipay", die in China jetzt schon überall genutzt werden. Um die neue digitale Währung zu testen, wurden im vergangenen Jahr in vier Städten 200 digitale Yuan (umgerechnet rund 25 Euro) zur freien Verfügung verlost.

Eine abschließende Bewertung des Projekts steht noch aus. Geplant ist, die neue Währung CBDC landesweit bis Ende 2021 einzuführen. Solange wird das Schürfen von Bitcoins weiterhin geduldet. Trotzdem wenden sich die Bitcoin-Produzenten langsam von China ab: In den zentralasiatische Staaten wie Kasachstan ist die Bitcoin-Herstellung noch günstiger.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Februar 2021 um 10:51 Uhr.