Shenzhen, China | picture alliance / Xinhua News A

Chinas Immobilienmarkt Angst vor einer Kettenreaktion wächst

Stand: 05.10.2021 13:17 Uhr

Die Krise der chinesischen Immobilienunternehmen zieht immer weitere Kreise. Nun gibt es einen weiteren Grund zur Besorgnis: Die Fantasia Holdings Group konnte gestern eine ausstehende Anleihe nicht bedienen.

Am Montag hätte der chinesische Immobilienentwickler Fantasia eine Anleihe von mehr als 200 Millionen Dollar zurückzahlen müssen. Doch wie es in einer Erklärung an der Hongkonger Börse hieß, habe das Unternehmen die Zahlung nicht geleistet. Außerdem teilte der Immobilienverwalter Country Garden Services mit, Fantasia habe einen Kredit in Höhe von über 100 Millionen Dollar, der ebenfalls gestern fällig war, nicht zurückgezahlt.

Kreditwürdigkeit von Fantasia und Sinic herabgestuft

Die Ratingagentur Fitch senkte daraufhin die Bonitätsnote von Fantasia um mehrere Stufen von "B" auf "CCC" herab. Die Agentur warnte, dass aufgrund der unsicheren Finanzlage ein erhebliches Risiko bestehe, dass das Unternehmen kommende Zahlungen für seine Anleihen nicht leisten könne.

Die Fantasia Group ist nicht das einzige Unternehmen der chinesischen Immobilienbranche, das für Schlagzeilen sorgt: Die Ratingagenturen Fitch und S&P Global stuften die Kreditwürdigkeit des Immobilienentwicklers Sinic ebenfalls herunter und warnten vor Zahlungsausfällen. Sinic befinde sich in einer ernsten Liquiditätskrise und die Fähigkeit zur Schuldenbedienung sei fast erschöpft, begründeten die Experten von S&P die Entscheidung. Mitte Oktober muss der Immobilienentwickler Anleihezinsen von etwa 250 Millionen Dollar zahlen.

Zwar haben Fantasia und Sinic einen geringeren Marktanteil als der schwankende Riese Evergrande: Fantasia ist laut dem Finanzinformationsdienst Bloomberg nur auf Platz 60 der Top 200 der chinesischen Immobilienunternehmen im ersten Quartal diesen Jahres gelistet und hat Schulden von etwa 13 Milliarden Dollar zu begleichen. Und die Investoren hatten bereits mit Schwierigkeiten des Immobilienentwicklers gerechnet, denn im vergangenen Monat gehörte das Unternehmen zu den Verlierern im Bloomberg-Index für chinesische Junk-Bonds. Die Citigroup und die Credit Suisse Group nehmen seit September keine Schuldverschreibungen von Fantasia mehr als Sicherheit an.

"Ein Teufelskreis für die Immobilienentwickler"

Dennoch befeuern die Zahlungsschwierigkeiten die Sorgen, dass sich die Turbulenzen auf dem chinesischen Immobilienmarkt verschärfen könnten. Denn Fantasia leidet unter ähnlichen Schwierigkeiten wie Evergrande und andere große Immobilienkonzerne - die gesamte Branche finanziert sich teils über Hochzinsanleihen.

Dagegen hatte die Führung in Peking neue Beschränkungen erlassen, die unter anderem die Kreditaufnahme und Grundstückskäufe erschweren. Ziel der "drei roten Linien" ist es, gegen Spekulationen am Häusermarkt vorzugehen. Deshalb bekommen viele Immobilienfirmen in China derzeit keine Kredite zur Refinanzierung, und auch die Möglichkeit, Kapital durch Immobilienverkäufe zu generieren, ist zuletzt deutlich gesunken. "Es ist ein Teufelskreis für die Immobilienentwickler, die nicht stark genug sind, denn es gibt nicht genügend Liquidität auf dem Markt für alle", warnte Thomas Kwok, Leiter des Aktiengeschäfts beim Brokerhaus Chief Securities.

Pleiten könnten einen Dominoeffekt auslösen

Anleger befürchten nun, die Krise könnte auch auf andere Branchen der chinesische Wirtschaft übergreifen und sich darüber hinaus ausweiten. Investor George Soros warnte in der "Financial Times", dass die Immobilienbranche der "verletzlichste" Sektor Chinas sei. Die Umstände "könnten einen Crash auslösen".

Auch asiatische Analysten warnen seit längerem davor, dass die Insolvenz von Evergrande an der Börse einen Dominoeffekt auslösen könnte. Der hochverschuldete Immobilienkonzern benötigt dringend Kapital; gestern wurde der Handel mit seinen Aktien an der Hongkonger Börse ausgesetzt.

Evergrande versucht sich in seiner Liquiditätskrise mit dem Verkauf von Unternehmensteilen Luft zu verschaffen. Laut einem Bericht der staatlichen Zeitung "Global Times" will Evergrande 51 Prozent seiner Tochter Property Services Group für fünf Milliarden Dollar an den Rivalen Hopson verkaufen. Die offizielle Bestätigung des Deals steht aber weiter aus. Die chinesische Regierung äußerte sich bislang nicht zu den Schwierigkeiten des Immobilienentwicklers. Experten mutmaßen, die Regierung in Peking könnte eine Zerschlagung anordnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.