Flaggen von China und Europa stehen nebeneinander. | AP

Europäischer Markt China fährt Investitionen deutlich zurück

Stand: 16.06.2021 12:53 Uhr

China hat 2020 so wenig in den europäischen Markt investiert wie seit zehn Jahren nicht mehr. Besonders betroffen war Großbritannien. Schuld ist nicht nur die Corona-Pandemie.

China hat seine Direktinvestitionen auf dem europäischen Markt im vergangenen Jahr deutlich reduziert. Laut einem gemeinsamen Bericht der amerikanischen Rhodium Group und Merics in Berlin betrugen die Direktinvestitionen der Volksrepublik in der EU und Großbritannien 2020 rund 6,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 45 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit zehn Jahren.

Herbes Minus für Großbritannien

Nach Großbritannien flossen im vergangenen Jahr sogar 77 Prozent weniger chinesische Direktinvestitionen. Trotzdem bleibt das Vereinigte Königreich eines der drei wichtigsten Zielländer für Chinas Investitionen in Europa - neben Frankreich und Deutschland an der Spitze. Die drei wichtigsten Bereiche für chinesische Investoren waren Infrastruktur, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Elektronik. Polen, durch eine große Akquisition befördert, war im vergangenen Jahr ein neuer wichtiger Hauptempfänger.

Schärfere Kontrollen bei chinesischen Ankäufen

Viele chinesische Ankäufe werden von den EU-Mitgliedsländern allerdings mittlerweile schärfer geprüft als in der Vergangenheit. Mehrere geplante Übernahmen kamen nicht zustande. In Deutschland etwa stoppte das Bundeswirtschaftsministerium den geplanten Verkauf des Radar-Spezialisten IMST aus Nordrhein-Westfalen an ein chinesisches Unternehmen mit Verbindungen zum Militär. Mehrere EU-Staaten, darunter Italien, Frankreich, Polen und Ungarn, hatten im vergangenen Jahr ihre Prüfmechanismen für Direktinvestitionen aus Drittländern verschärft.

Auch im laufenden Jahr gingen die Investitionen weiter zurück, heißt es in dem Bericht. Gründe seien die Pandemie, hohe Hürden für Kapitalabflüsse aus China sowie stärkere Kontrollen in der EU.

Sanktionsstreit verschärft Spannungen

Zudem dürften die angespannten Beziehungen zwischen China und der EU eine Rolle spielen. So liegt das im Dezember vereinbarte Investitionsschutzabkommen zwischen der EU und der Volksrepublik derzeit auf Eis und eine Ratifizierung durch das Europaparlament scheint in immer weitere Ferne zu rücken.

Ein weiterer Streitpunkt bleiben die Menschenrechtsverletzungen in China: Im März hatte die EU erstmals seit 30 Jahren wieder Sanktionen gegen chinesische Politiker und eine Organisation verhängt. Die EU wirft China vor, durch die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang gegen Menschenrechte zu verstoßen. Infolge der europäischen Strafmaßnahmen reagierte auch China kurz darauf mit Sanktionen gegen europäische Einrichtungen und mehrere EU-Politiker.

Mit Informationen von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 16. Juni 2021 um 09:48 Uhr.