Teilnehmer des BRICS-Gipfeltreffens sitzen auf einer Bühne.
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Gipfel in Johannesburg Kommt eine BRICS-Leitwährung?

Stand: 22.08.2023 16:34 Uhr

Die BRICS-Staaten handeln in großem Umfang mit Dollar - doch sie wollen unabhängiger werden. Im Gespräch ist eine eigene Währung. Könnte es dazu kommen?

Von Sebastian Schreiber, ARD-Finanzredaktion

Wie realistisch ist eine eigene BRICS-Währung?

Der Weg hin zu einer eigenen Währung ist weit. Ökonomen betonen: Selbst, wenn sich die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) tatsächlich darauf verständigen, dürfte es sehr lange dauern, diese Währung auch einzuführen.

Die Implementierung des Euro hat gezeigt, wie komplex es ist, unterschiedliche Währungsräume zusammenzufassen. Alle Länder bringen ihre eigenen, individuellen Erwartungen und Probleme mit.

Nicht nur die Entfernungen, auch die Unterschiede zwischen den BRICS-Staaten scheinen noch größer als in der Eurozone. Die Idee einer eigenen Währung ist bislang noch vage. So ist etwa unklar, was mit den bisherigen Landeswährungen geschehen soll.

Beobachter erwarten nicht, dass auf dem derzeitigen Gipfeltreffen in Johannesburg konkrete Pläne vorgelegt werden. Zumindest eine eigene Entwicklungsbank - die New Development Bank - kann der BRICS-Verbund aber schon vorweisen. Sie könnte sich theoretisch um die Ausarbeitung und Einführung einer eigenen Währung kümmern.

Staatenverbund BRICS berät in Johannesburg über Erweiterung der Gruppe

Richard Klug, ARD Johannesburg, tagesschau, 22.08.2023 20:00 Uhr

Würde eine BRICS-Währung den Dollar schwächen?

Die Einführung allein würde wohl nicht ausreichen, um den Dollar nachhaltig zu schwächen. Entscheidend wäre nach Ansicht von Analysten, ob die neue Währung tatsächlich in einem großen Umfang genutzt wird und sie sich als stabil erweist.

Wirtschaftskraft bringen die BRICS-Staaten in hohem Maße mit: die fünf Staaten machen derzeit etwa ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung aus. Auch die Erweiterung der Allianz, etwa im Format "BRICS plus", wird diskutiert.

Wächst die Allianz, kann auch die wirtschaftliche Kraft nochmal zulegen - möglicherweise wird es dann aber noch komplexer, die Pläne einer neuen Währung tatsächlich umzusetzen.

Eine Bedrohung für den Dollar als Weltleitwährung sieht US-Finanzministerin Janet Yellen derzeit allerdings nicht. In absehbarer Zukunft gebe es keine Alternative zur US-Währung, so Yellen.

Was wären die Folgen für den Goldpreis?

Eine gewichtige goldgedeckte Währung könnte die Nachfrage nach Gold tatsächlich erhöhen, schließlich müssten sich Zentralbanken mit Gold eindecken. Das könnte auch den Goldpreis nach oben treiben.

Das Edelmetall dürfte in einem ersten Schritt wieder stärker in den Fokus als Absicherung rücken. Das erinnert an die Zeiten des Goldstandards, in denen es stabile Wechselkurse von nationalen Währungen in Gold gab. Dieses System ist vor vielen Jahrzehnten ausgelaufen.

Seither schwankt der Goldpreis je nach Währung und ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig - ein Prinzip, das sich auch durch eine goldgedeckte BRICS-Währung wohl nicht ändern würde.

Welche Rolle spielt Russland bei den Überlegungen?

Die Zugehörigkeit Russlands ist für die andere Mitglieder der BRICS-Allianz eine heikle Angelegenheit. Eine gemeinsame Währung wäre ein Zeichen an den Westen, das den Schulterschluss mit dem Land signalisiert, das in der Ukraine einen Krieg begonnen hat. Für Russland wäre dieser Schritt ein Erfolg: Vor allem Moskau hat ein Interesse daran, die Abhängigkeit zum Dollar zu reduzieren.

Auf der anderen Seite sind die BRICS-Staaten auch weiter am Handel mit westlichen Staaten interessiert - einem Handel, der bislang in großen Teilen in Dollar abgewickelt wird. Wächst die BRICS-Allianz, könnte das langfristig dazu beitragen, diese wirtschaftliche Abhängigkeit zu reduzieren und sich tatsächlich mehr und mehr vom Dollar zu emanzipieren.

Sebastian Schreiber, ARD Frankfurt, tagesschau, 22.08.2023 13:24 Uhr