Zahlreiche leere Sitzplätze sind auf einer Tribüne zu sehen. | dpa

Urteil zu Vorverkaufsgebühren Niederlage für Tickethändler CTS Eventim

Stand: 09.06.2021 17:24 Uhr

Dürfen Tickethändler Vorverkaufsgebühren für Corona-bedingt abgesagte Konzerte behalten? Das Landgericht München hat eine Klausel für unwirksam erklärt, die eine Rückerstattung ausschließt. Einen generellen Anspruch gebe es jedoch nicht.

Mehrere CTS-Eventim-Kunden sind verärgert. Sie hatten bei dem Tickethändler frühzeitig ein Konzert gebucht, das dann wegen Corona abgesagt wurde. Trotzdem behielt CTS Eventim die Vorverkaufsgebühr ein. Nun wollen sie die Gebühr zurück. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zog deshalb vor Gericht und verklagte das Unternehmen.

Mit Erfolg: Die Verbraucherschützer bekamen vor dem Landgericht München I teilweise Recht. Die Richter erklärten eine Klausel für unwirksam, in der das Unternehmen eine Erstattung der Vorverkaufsgebühr bei Absage oder Verlegung der Events ausgeschlossen hatte. Ein entsprechender Satz in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sei rechtswidrig.

Es kommt auf die Verträge an

Nach Meinung des Gerichts müsse der Tickethändler das Risiko einer Veranstaltung alleine tragen und dürfe nicht Kosten auf die Kunden abwälzen, wenn das Event nicht stattfinde. Schließlich kassiere der Händler ja auch eine Kommission, wenn eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne gehe, argumentieren die Richter. Zudem sei die Höhe der Vorverkaufsgebühr in den Ticketpreisen vielfach nicht ersichtlich, monierte das Gericht. Dies sei intransparent.

Das noch nicht rechtskräftige Urteil bedeutet jedoch nicht, dass nun alle Kunden Anspruch auf eine Rückerstattung der Vorverkaufsgebühren für das wegen Corona abgesagte Konzert haben. Das hänge von der jeweiligen Ausgestaltung der Verträge ab. Nur bei einer Handelsvertretung wäre CTS Eventim für die Rückerstattung zuständig. Eventim vermittelt Veranstaltungstickets entweder über eine Handelsvertretung oder über einen Veranstalter mittels einer Kommission. Im letzteren Fall wäre der Konzertveranstalter für die Rückerstattung verantwortlich.

"Wir gehen davon aus, dass in einer Vielzahl der Fälle Eventim zu Unrecht Geldbeträge einbehalten hat", so Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Nun könnten Betroffene, die sich im Streit mit dem Konzern befänden, diesen zur Zahlung auffordern und dabei auf das Urteil verweisen.

CTS Eventim leidet unter Konzertflaute

Der Streit um die Vorverkaufsgebühr zeigt, wie angespannt die Lage in der Konzertveranstaltungsbranche ist. Der größte deutsche Tickethändler CTS Eventim leidet unter den ausgefallenen Konzerten und Events. Im ersten Quartal dieses Jahres brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 90 Prozent ein. Das Bremer Unternehmen rutschte in die roten Zahlen. Die Zahl der Mitarbeiter einschließlich Aushilfen sank um knapp ein Drittel.

Trotzdem gibt Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg die Hoffnung auf einen baldigen Neustart nicht auf. Er setze auf die "Sehnsucht der Menschen nach dem gemeinsamen Erleben von Kultur". Je mehr Menschen geimpft würden, desto größer sei die Chance von Konzerten.