Golden-Gate-Bridge und die San Francisco Bay Area | picture alliance / dpa

Urlaub bei teurem Dollar Teuer, teurer, Kalifornien

Stand: 24.07.2022 10:19 Uhr

Ein Dollar ist fast genauso viel wert wie ein Euro. Wie wirkt sich das aus, wenn eine deutsche Familie in Kalifornien, dem teuersten aller US-Bundesstaaten, Urlaub macht?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio San Francisco

Die elfjährige Karoline ist vor allem von den steilen Straßen von San Francisco und der Cable Car fasziniert - einer Straßenbahn, die von Stahlseilen gezogen wird. "Wir sind mit einem Cable Car gefahren. Das war sehr cool, weil man ging immer bergauf, dann wieder gerade, dann bergauf und dann plötzlich runter", erzählt sie begeistert. Und ihre neunjährige Schwester Laura meint: "Ich finde es hier schön, weil es so viel Natur gibt."

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

"Da fällt man schon mal tot um"

Eigentlich wollte Familie Schmidt schon von vor zwei Jahren den Westen der USA besuchen. Doch die Pandemie hat die Urlaubspläne damals zunichte gemacht. Jetzt muss die vierköpfige Familie aus Berlin feststellen, dass vieles in den USA deutlich teurer ist als in der Heimat.

"Wir haben die meisten Eintrittskarten für Sachen wie Aquarium oder auch Universal Studios vorher gebucht", erzählt Richard Schmidt. "Da fällt man schon mal tot um, wenn man die Preise sieht." Normale Tickets für vier Leute hätten 450 Dollar gekostet, sogenannte Express-Tickets sogar fast eintausend Dollar. "Ich würde sagen, das ist ein stolzer Eintrittspreis, bei dem man nicht zweimal nachdenken darf."

Besonders überrascht war Ehefrau Anna von den Preisen in San Francisco. Dort habe die Familie nahe der Touristenmeile Fisherman's Wharf Kaffee, Milchschokolade und ein paar Croissants gekauft - für umgerechnet mehr als 90 Euro. Das sei der wahrscheinlich teuerste Kaffee gewesen, den sie jemals gekauft hätten, erzählt Anna.

Mehrwertsteuer und Trinkgeld kommen oben drauf

Was viele Touristen nicht wissen: Alle Preise werden in den USA ohne Mehrwertsteuer angezeigt. Die beträgt je nach Stadt oder Bezirk nochmals gut 20 Prozent. Hinzu kommt das Trinkgeld, auf das gerade Angestellte in der Gastronomie angewiesen sind. Zwischen 15 und 20 Prozent sollte man hier nochmals draufschlagen.

"Als wir in Stanford waren, haben wir in einem Café zwei Drinks für die Kids gekauft, einen Kaffee für meine Frau und ein Stück Kuchen für mich. Das waren dann 36 Dollar, das entspricht ungefähr 36 Euro", sagt Richard Schmidt und stellt ernüchtert fest: "Da kriegt man ja schon fast ein Mittagessen für die halbe Familie oder ganze Familie in Deutschland für."

500 Dollar für eine Nacht im Hotel

Aber nicht nur der Euro hat deutlich an Wert verloren. In den großen kalifornischen Metropolen wie San Francisco und Los Angeles sind wegen der großen Inlandsnachfrage und Personalengpässen auch die Hotelzimmer deutlich teurer geworden. Jetzt - in der Hochsaison - bezahlt man für ein Standardzimmer 500 Dollar pro Nacht.

Anna Schmidt hat allerdings Alternativen gefunden: "Ich habe verschiedene Glamping-Plätze ausfindig gemacht, wo man zum Teil eben auch nicht so teuer - also nicht so zu Hotelpreisen - unterkommen kann." Und wenn man früh genug buche, finde man auch romantische Unterkünfte wie Blockhütten oder Zelte für recht günstiges Geld, die man sich leisten könne.

Die Landschaft entschädigt für vieles

Positiv überrascht waren die Schmidts von den Benzinpreisen. Obwohl sich die Kalifornier seit Wochen über Rekordpreise aufregen, ist Tanken - verglichen mit Deutschland - hier immer noch vergleichsweise günstig. Umgerechnet rund 1,50 Euro bezahlt man hier für den Liter Normalbenzin. Alle anderen Preise seien zwar irre, meint Schmidt - trotzdem würde er sich wieder für einen Kalifornien-Urlaub entscheiden:

"Die Weite des Landes ist immer wieder beeindruckend und überraschend", schwärmt er. "Und als wir in den Park gefahren sind, waren wir so geflasht, dass sich alleine deswegen die Reise schon gelohnt hat. Diese Art von steilen Bergen, tiefen Tälern, klaren Flüssen - das haben wir in Europa noch nirgends so gesehen."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 12. Juli 2022 um 16:38 Uhr.