Mann liegt auf einer Sonnenliege eines Hotels auf Mallorca | AFP

Preise in Reiseländern Was den Urlaub im Sommer teuer macht

Stand: 09.07.2022 15:35 Uhr

Teurere Flüge und Mietwagen, hohe Hotel- und Restaurantpreise: Die Inflation verteuert vieles in beliebten Urlaubsländern wie in Italien, Spanien und der Türkei. Doch was kostet besonders viel, und wo können Touristen sparen? Ein Überblick.

  • Türkei: Historisch hohe Flugpreise
  • Italien: Unterkünfte stark verteuert
  • Spanien: Preistreiber zumindest teilweise umgehen

Türkei: Historisch hohe Flugpreise

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Sonne, Strand und Meer, Gastfreundschaft und Schnäppchen - das sind die Markenzeichen des Urlaubsziels Türkei. Das bleibt alles in allem auch so. Nur muss man erstmal ins Land reinkommen, bevor man sparen kann. Denn Flüge seien in diesem Jahr deutlich teurer geworden, erklärt der Chef des Reiseveranstalters Ben Tour, Deniz Ugur. Das mache sich vor allem in der Hochsaison bemerkbar: "400 Euro für hin und zurück ist realistisch, momentan sowieso", sagt Ugur. "Wer so spät bucht, der wird das kaum günstiger finden."

Karin Senz ARD-Studio Istanbul


Viele Faktoren treiben die Preise

Im Gegenteil, an manchen Tagen könnten die Preise für Hin- und Rückflug auf bis zu 800 Euro steigen, erwartet der Türkeireisen-Experte. Die Gründe: Zum einen müssen Fluglinien durch den Russland-Ukraine-Krieg mehr für Kerosin bezahlen. Und zum anderen geht es schlicht nach Angebot und Nachfrage, so Ugur. Zwar könnten die Preise auch kurzfristig noch einmal sinken - etwa dann, wenn die Preisrechner feststellten, dass ein Flug schlecht ausgelastet sei. "Das macht der aber nicht, wenn er beispielsweise bereits 60 bis 70 Prozent erreicht hat", so Ugur, und konstatiert: "Durch die hohe Nachfrage und den Kerosinzuschlag haben wir historisch hohe Preise."

Im Land angekommen, bekommen auch Urlauber die immense Inflation von zuletzt fast 80 Prozent zu spüren. Unabhängige Experten sehen sie sogar bei rund 160 Prozent. Das macht sich zum Beispiel beim Mietwagen bemerkbar oder im Taxi. Allerdings: Ausländische Urlauber etwa aus Deutschland bekommen das nicht so stark zu spüren, denn die türkische Währung hat extrem an Wert verloren. Vor einem Jahr haben sie noch zehn Lira für einen Euro bekommen, dieses Jahr ist es fast doppelt so viel. Früher konnten sie für sehr kleines Geld lecker und üppig Essen gehen. Das ist etwas teurer geworden.

Richtig teuer wird es allerdings beim Alkohol, warnt Yüksel Yilmaz, Chef von Caria Pan, einem Veranstalter für Outdoorreisen: "Da sollte man die Finger davon lassen, ansonsten verbrennt man sich bei Alkoholpreisen." Ein Bier koste im Supermarkt inzwischen 30 Lira, das sind umgerechnet knapp zwei Euro. Und das habe nicht nur mit der Inflation zu tun, erklärt Yilmaz seinen Kunden, sondern auch mit der hohen Steuer auf Alkoholika. "In den Restaurants sind die Bierpreise sehr unterschiedlich." Sie lägen zwischen drei und sechs Euro, "am Flughafen bis zu acht Euro."

Abseits der Touristenzentren locken Schnäppchen

Yilmaz ist mit seinen Gästen in der Regel abseits der großen Bettenburg-Zentren wie Antalya unterwegs, zum Beispiel im Osten der Türkei. Da ist es oft noch etwas günstiger. Ähnliches berichtet der Reiseveranstalter Deniz Ugur: "Man profitiert umso mehr man nicht in touristischen Regionen reist, weil dann natürlich eher die Marktpreise regional gelten. Je mehr man dann in touristische Zentren geht, desto mehr wird dann in Euro kalkuliert. Aber ich sage mal, man kann schon günstig essen - definitiv, und auch günstig Kleider einkaufen."

Die Schnäppchen, die viele Türkei-Urlauber schätzen, gibt es also noch. Man muss nur vielleicht ein bisschen länger suchen. Auch insgesamt ist die Türkei im Vergleich zu anderen Mittelmeer-Urlaubsländern günstiger, sagt Ugur, der beispielsweise auch Griechenland und Spanien-Urlaub anbietet. Und Yüksel Yilmaz lobt: "Ich war jetzt vor Kurzem mal in Belek in so einem Fünf-Sterne-Hotel und habe mir angeschaut, was die da anbieten. Für die Preise, was die da anbieten - das ist gewaltig."

Wegen des Russland-Ukraine-Kriegs hatte die türkische Reisebranche Angst, dass nach Corona die nächste schwache Saison auf sie zukommt. Denn Urlauber aus den beiden Ländern waren zusammen mit denen aus Deutschland in den vergangenen Jahren am stärksten vertreten. Russen kommen nach wie vor und Deutsche wieder deutlich mehr als in den Pandemie-Jahren, heißt es aus den Touristenzentren. Bis Oktober ist man gut gebucht, so Ugur.

 

Badegäste an einem Strand in Italien | REUTERS

Strandurlaub in Italien ist trotz diverser Zusatzkosten auch in diesem Sommer sehr beliebt. Bild: REUTERS

Italien: Unterkünfte stark verteuert

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Seit Anfang des Monats sind die Schilder "Saldi", also Schlussverkauf, überall in Italien zu sehen. "In Anbetracht der Kosten und der Preise, die überall gestiegen sind - Gas, Strom und so weiter - haben wir auf den Ausverkauf gewartet, um ein paar Einkäufe zu machen", sagt eine Passantin. Bei acht Prozent lag die Inflation im Juni, es war der höchste Wert seit 1986. Besonders die Strompreise sind in die Höhe geschnellt. Die Folgen dieser Entwicklung spürten auch die Hotels in Apulien, erzählt der Präsident des dortigen Hotelverbandes Federalberghi, Francesco Caizzi. "Ich möchte daran erinnern, dass sich die Energiekosten für uns vervierfacht haben", sagt er. "Ein Hotel, das gestern 100.000 Euro in der Saison für den Strom bezahlt hat, wird heute nun 400.000 Euro bezahlen. Natürlich wird sich das auf die Kosten für den Aufenthalt auswirken."

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Familienurlaub um ein Viertel verteuert

So bezahlt eine Familie mit zwei Kindern für eine Woche im Hotel am Meer durchschnittlich fast ein Viertel mehr als vor einem Jahr - das hat die Verbraucherschutzvereinigung Federconsumatori herausgefunden. Noch stärker sind die Preise in den Städten gestiegen, etwas weniger in den Bergen. Alle haben während der Corona-Pandemie extrem wenig Geschäft gemacht. Die kleinen "Bed and Breakfast"-Betriebe traf es hart. Deshalb hätten sie in den Kulturstädten, so der Verband Altroconsumo, die Preise besonders stark erhöht.

Doch es gibt in Italien Regionen, in denen der Urlaub günstiger kommt. Davon ist Gianluca Di Ascenzo überzeugt, der Präsident des Verbraucherverbandes Codacons. "Ganz sicher findet man in Süditalien noch Urlaubsorte, wo man weniger ausgibt, weil das Leben im Allgemeinen im Süden etwas weniger kostet", sagt er. Und natürlich gebe es auch berühmte, luxuriösere Urlaubsorte - "die werden die Krise nicht merken".

Viele Kostenfaktoren verteuern den Urlaub

Gerade der Urlaub am Stand ist beliebt, bei den Italienerinnen und Italienern genauso wie bei den Touristen. In dieser Saison müssen alle tiefer in die Tasche greifen. Wer sich einen Sonnenschirm und zwei Liegen mieten will, sollte sich auf Preissteigerungen zwischen vier und zehn Prozent einstellen. Am Wochenende werden rund 30 Euro für einen Tag fällig, in der höheren Kategorie können es schon mal 100 Euro sein.

Auch Essen und Getränke kosten mehr, ob nun direkt am Strand oder am Abend in der Pizzeria. Oder auch ein kühles Eis - denn die rund 39.000 Eisdielen im Land müssen selbst mehr Geld für Energie, Milch, Zucker und Eier ausgeben.

Sparen mit der Bahn

Vor allem aber schlagen die Ausgaben für die Verkehrsmittel zu Buche, ob nun für den Flug, die Fähre oder die Fahrt mit dem eigenen Auto. Und das, obwohl die italienische Regierung bereits seit März die Verbrauchssteuern auf Benzin und Diesel gesenkt hat. "Wir haben ausgerechnet, dass ein zehntägiger Urlaub im Vergleich zum vorigen Jahr zehn bis 15 Prozent mehr kostet. Das bedeutet pro Person 200 Euro mehr", sagt Di Ascenzo vom Verbraucherverband Codacons.

Doch Urlauber können auch sparen und umsteigen, beispielsweise auf die Bahn. Die sei nicht nur billiger. "Wir haben berechnet, dass die Preise um etwa neun Prozent gesunken sind. Es gibt Angebote, Vereinbarungen bei den Preisen, sodass der Schienenverkehr nachhaltiger ist als der Straßenverkehr", so Di Ascenzo. "Außerdem gibt es immer mehr Orte, die man mit besonderen, mit historischen Zügen erreichen kann, wo also schon die Fahrt ein wunderbarer Urlaub ist."

Gäste eines Restaurants in Barcelona essen Paella und trinken Sangria | AFP

Die Kosten für Restaurantbesuche unterscheiden sich innerhalb Spaniens stark. Bild: AFP

Spanien: Preistreiber zumindest teilweise umgehen

 Von Celine Schäfer, ARD-Studio Madrid

Alles ist teurer geworden - das spüren in diesem Jahr nicht nur die Spanier selbst, sondern auch viele Touristen aus dem Ausland. Eine Woche Spanienurlaub im August ist eineinhalb Mal so teuer wie noch vor zwei Jahren. Schuld sind die hohe Nachfrage nach zwei Jahren Corona-Pandemie und die steigende Inflation als Auswirkung des Ukraine-Kriegs.

Das bekämen auch die Hotelinhaber auf Mallorca zu spüren, sagt Maria Frontera vom Hotelverband. "Die Kosten sind total explodiert. Und wir wissen auch, dass die deutschen Touristen unter dem Preisanstieg leiden". sagt Frontera. "Die Inflation in Spanien ist zweistellig, höher als in den Nachbarländern. Das macht die Situation noch komplizierter."

Regierung dämpft Preisanstieg

Die Regierung versucht auch in Spanien gegenzusteuern - mit einem Tankrabatt zum Beispiel, der aber erst an der Kasse abgezogen wird. 20 Cent pro Liter, auch für Touristen. Man sollte deshalb auf dem Kassenzettel kontrollieren, ob man den Rabatt auch wirklich bekommen hat.

Die Hotelpreise sind um mindestens 15 Prozent gestiegen. Auf der Baleareninsel können dieses Jahr sogar einfache Unterkünfte zu besonders begehrten Terminen mehrere Hundert Euro die Nacht kosten.

Urlaubsziel nach Kostenfaktoren aussuchen

Eva und ihre Familie haben einen Lösung gefunden: Wenn die Übernachtungen schon teuer sind, dann in eine Gegend fahren, wo das Drumherum noch relativ preiswert ist. "Wir fahren in der zweiten Augustwoche nach Cádiz. Die Restaurants dort sind nicht teuer", sagt Eva. Teuer seien die Unterkünfte.

Cádiz zählt mit Mallorca und Barcelona zwar zu den teuersten Urlaubszielen in Spanien, was Übernachtungen angeht - aber bei der Verpflegung ist es aber relativ günstig. Abendessen für zwei im Zentrum der Stadt kostet im Schnitt 24 Euro, ein Kaffee um die 1,60 Euro.

Raquel arbeitet in einem Reisebüro. Sie hat den Überblick über die Preise. “Die Flugtickets und die Hotelpreise sind gestiegen. Auch die Transportkosten insgesamt sind gestiegen wegen der Treibstoffpreise und Energiekosten. Die Nachfrage ist gestiegen und so auch die Preise." Sprit und Mietwagen sind das teuerste am Urlaub. Im Durchschnitt kostet die Mittelklasse für eine Woche 422 Euro.

Suche nach Sparmöglichkeiten

Wie kann man sonst noch Geld sparen, wenn alles teurer wird? Das sei schwierig, aber nicht unmöglich, findet Raquel. Sie sitzt an ihrem Computer im Reisebüro und scheint gut beschäftigt zu sein. "Die Leute sollten früh buchen, nicht erst Last Minute. Das ist die beste Art, um die günstigsten Preise zu finden." Mit "früh buchen" meint sie: mindestens zwei Monate im Voraus. Außerdem empfiehlt sie, in den Portalen nach flexiblen Terminen zu suchen. Bei der Suche nach Unterkünften ist Downsizing angesagt: Eher Camping statt Hotel und eher drei statt vier Sterne. Die günstigsten Reiseziele sind Gran Canaria, Santa Cruz auf Teneriffa und Sevilla.

Trotz der Preise möchten die Deutschen aber ganz offensichtlich auch dieses Jahr nicht auf ihren Sangría in Spanien verzichten. Allein im April 2022 reisten mehr als sechs Millionen Touristen nach Spanien. Die meisten aus Deutschland.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06 Juli 2022 um 22:00 Uhr.