Eine Kundin zahlt ihre Einkäufe. | dpa

Inflation und Löhne Nicht alles wird teurer

Stand: 14.09.2021 12:00 Uhr

Steigende Preise verunsichern viele Verbraucher. Blickt man auf die Kaufkraft, sind in den vergangenen Jahren so manche Güter und Dienstleistungen tatsächlich aber deutlich erschwinglicher geworden.

Steigende Verbraucherpreise? Das gilt nicht für alle Warengruppen oder Dienstleistungen. Die aktuell ausgewiesene Inflationsrate, die das Statistische Bundesamt allmonatlich bekannt gibt, klammert einen wichtigen Faktor aus. Tatsächlich sind verschiedene Produkte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sogar deutlich erschwinglicher geworden.

Mehr Kaufkraft

Das gilt vor allem dann, wenn man die Kaufkraft der Bundesbürger zugrunde legt, die in den zurück liegenden Jahren beinahe alljährlich gestiegen ist. Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass sich die Kaufkraft bezogen auf den Stundenlohn in verschiedenen Bereichen des täglichen Konsums sehr unterschiedlich entwickelt hat.

Seit 1960, so das Institut, hat sich der Verdienst pro Stunde mehr als verfünfzehnfacht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat er sich noch einmal verdoppelt. Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Stundenlohn im Jahr 2020 bei 19,38 Euro. Dafür kann man sich derzeit in vielen Fällen deutlich mehr kaufen als vor zehn, zwanzig oder gar 60 Jahren.

Kürzer arbeiten für einen Liter Benzin

Auffällig ist etwa das Verhältnis des Lohnniveaus zum Spritpreis. Für einen Liter Super-Benzin mussten Verbraucher 2020 durchschnittlich vier Minuten arbeiten, vor zehn Jahren 50 Prozent länger. 1960 musste gut eine Viertelstunde für einen Liter Benzin gearbeitet werden.

Auch die Flasche Bier ist im Verhältnis zum Einkommen der Bundesbürger billiger geworden. Im Schnitt kann man derzeit 25 Flaschenbiere mit dem Verdienst aus einer Arbeitsstunde bezahlen. 1990 etwa waren es 19 Flaschen Bier pro Arbeitsstunde. Relativ betrachtet teurer ist in den vergangenen Jahren Marken-Eis geworden, billiger dagegen die Butter, für die nur fünf Minuten pro Packung gearbeitet werden muss - nur halb so lange wie vor zehn Jahren.

Strom teurer, Fernseher billiger

Deutlich teurer geworden ist im Verhältnis zum Lohnniveau etwa die Kilowattstunde Strom: Binnen 20 Jahren hat sich die finanzielle Belastung hier in etwa verdoppelt. Deutlich günstiger geworden sind viele Elektronikprodukte oder Elektrogeräte wie Fernseher oder Smartphones - zum Teil sogar in absoluten Preisen und nicht nur im Verhältnis zum Stundenlohn.

Viele Verbraucher vergleichen allerdings die derzeitigen Preise mit dem Niveau der vergangenen Monate; genau wie das Statistische Bundesamt, das zuletzt im Jahresvergleich einen Anstieg der Verbraucherpreise im August um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ermittelt hat. Der Bereich Energie, also Kraftstoffe wie Heizöl und Benzin, wurde fast 13 Prozent teurer. Allerdings ist dies zum Teil auch auf einen sogenannten "Basiseffekt" zurückzuführen - im Vergleichsmonat 2020 waren die Energiepreise infolge der Corona-Pandemie deutlich gefallen. 

Im Vergleich zu den Vorjahren hat Corona auch dazu geführt, dass dass die Durchschnittslöhne nicht gestiegen sind. Tatsächlich sanken die Brutto-Stundenlöhne im Vorjahresvergleich sogar leicht. In den Vorjahren hatten die Lohnzuwächse stets zwischen drei und vier Prozent jährlich gelegen. Dadurch dürfte sich die "gefühlte" Inflation für Verbraucher weiter verschärft haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2021 um 13:22 Uhr.