Verbraucherin will Schuhe online kaufen

Bezahlen im Internet Die Tücken von "Buy now, pay later"

Stand: 27.06.2022 16:08 Uhr

PayPal, Klarna oder Ratepay ermöglichen Online-Shopping auf Pump. Junge Frauen nutzen diese Möglichkeit besonders gerne, wie eine Umfrage zeigt. Wer Bezahlfristen verpasst, kämpft schnell mit größeren Problemen.

Von Ursula Mayer, HR

Hosen, Schuhe und Röcke bestellt Talia Bitgin hauptsächlich im Internet. Doch bezahlen will sie das alles nicht sofort. "Ich möchte die Ware zu Hause erst einmal anprobieren und sehen, ob sie mir überhaupt passt", sagt die Psychologie-Studentin aus Frankfurt. "Dann bezahle ich nur das, was ich behalte, alles andere nicht."

"Buy now, pay later" - übersetzt: Kaufe jetzt und zahle später. Diese Bezahloption nutzt Talia Bitgin bei Online-Shops regelmäßig. Oft stecken dahinter Zahlungsdienstleister wie PayPal, Klarna, Ratepay, Afterpay oder Unzer. Sie ermöglichen Verbrauchern, die Ware zum Beispiel 30 Tage später zu zahlen. Das kann also letztlich ein Kauf auf Rechnung sein, ohne Zusatzkosten.

Teils hohe Zinsen bei Ratenzahlung

Eine weitere Option, die Verbrauchern oft auch angeboten wird: Sie zahlen in Raten. Dabei können allerdings Zinsen anfallen. Wie das Internetportal Finanztip ermittelt hat, wird dabei im Extremfall ein Jahreszinssatz von bis zu 15 Prozent fällig.

Trotzdem bezahlt auch die 24 Jahre alte Emmi Fürst aus Neu-Isenburg auf diese Weise oft und gerne, weil es für sie sehr bequem ist. Die Bezahlfristen hält sie dabei in der Regel ein. "Allerdings ist es mir auch schon mal passiert, dass ich mit dem Bezahlen zwei, drei Tage zu spät dran war", so Fürst. Beschwert habe sich deshalb aber noch niemand. Glück für Emmi Fürst.

Gerade unter Jüngeren sei diese Art des Bezahlens klar im Trend, heißt es bei der Wiesbadener Wirtschaftsauskunftei Schufa. Wie eine repräsentative Umfrage unter 16- bis 25-Jährigen zeigt, haben 44 Prozent der Teilnehmenden die Kaufoption bereits genutzt. Insbesondere junge Frauen und Mädchen greifen darauf zurück. "Denn 'Buy now, pay later' gilt im Internet als vermeintlich sichere und bequeme Bezahloption", erklärt Schufa-Vorstandsmitglied Ole Schröder.

Oft ein Einstieg in die Schuldenfalle?

Mit nur einem Klick können Verbraucher bezahlen. Möglich machen das zum Beispiel Apps, in denen alle fürs Bezahlen wichtigen Daten bereits hinterlegt sind. Ein Problem sind der Umfrage zufolge allerdings die Bezahlfristen. Die haben 40 Prozent der Befragten schon mindestens einmal vergessen und deshalb eine Mahnung erhalten.

Oft fehle es einfach am nötigen Geld, meint Schufa-Vorstandsmitglied Schröder. "Aber auch viele kleine Kredite belasten das Haushaltsbudget, so kann sich das Ganze schnell zu einer Schuldenfalle entwickeln." Den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Problem durchaus bewusst - auch das geht aus der Umfrage hervor.

Schulden vor sich herzuschieben, ist teuer

Für Moath Saed bleibt "Buy now, pay later" trotz allem der einzige Ausweg. Denn das Geld reicht bei dem zahnmedizinischen Studenten aus Marburg vorne und hinten nicht. "Die Schulden, die ich diesen Monat gemacht habe, zahle ich nächsten Monat, dann bin ich wieder pleite, dann schiebe ich die Schulden auf den nächsten Monat, das ist ein Teufelskreis", sagt der 22-Jährige und lacht dabei verlegen.

Das kann der Frankfurter Schuldnerberater Matthias Klusmann bestätigen. Wer seine Schulden vor sich herschiebe, zahle dafür in vielen Fällen immer mehr Zinsen und Gebühren. Richtig teuer werde es, wenn sich nach ein, zwei Mahnungen ein Inkasso-Büro einschalte.

Negativer Schufa-Eintrag droht

Denn neben den eigentlichen Inkasso-Kosten stellt dieses Büro laut Klusmann oft weitere Gebühren in Rechnung. Etwa, weil man beim Einwohnermeldeamt abgefragt hat, ob Verbraucher weiter dort wohnen, wo sie zum Zeitpunkt des Kaufes gewohnt haben.

"Dann entstehen Kosten, die in keiner Relation mehr zum eigentlichen Kaufpreis stehen", sagt der Experte von der Adjulex Schuldnerberatung in Frankfurt. Außerdem drohe Betroffenen unter Umständen ein negativer Eintrag bei der Schufa, der auch alle anderen Finanzgeschäfte deutlich schwieriger machen könne.

Über dieses Thema berichtete SWR1 am 26. Juni 2022 um 08:30 Uhr.