Eine exklusive Küche steht in einem Ausstellungsraum | dpa

Materialmangel in der Möbelindustrie Schöner Wohnen wird zur Geduldsprobe

Stand: 18.07.2021 16:13 Uhr

Materialmangel, eine erhöhte Kundennachfrage und Lieferverzögerungen: Der angespannte Weltmarkt stellt auch die Möbelindustrie vor zusätzliche Herausforderungen.

Von Aylin Dülger, tagesschau.de

Von Beginn der Pandemie an ist das Zuhause für die Menschen wichtiger geworden. Zum einen verbringen sie dort mehr Zeit, zum anderen wollen sie auch mehr Funktionalitäten darin vereinen. Dafür verpassen sie ihrem Wohn- und Arbeitsplatz ein neues "Make-Over". Seit dem Sommer verzeichnet beispielsweise der Möbelkonzern IKEA eine hohe Nachfrage in fast allen Segmenten. Das hat zur Folge, dass stark nachgefragte Produkte in zahlreichen Einrichtungshäusern nicht oder nur in geringen Stückzahlen verfügbar sind. Ähnliche Probleme herrschen in der gesamten Möbelindustrie.

"Neben den Kapazitäten der Hersteller sind aber auch die Pandemie selbst und die Kapazitäten der Transportbranche limitierende Faktoren, die wir nur zum Teil beeinflussen können", so IKEA. Das stelle das Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen, die es in Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten zu bewältigen versuche.

Effekt der ersten Corona-Welle

Weltweit leiden die Industriebranchen noch immer unter der ersten Corona-Welle im Frühjahr vergangenen Jahres. Einige Werkstoffkonzerne, die üblicherweise eine vollkontinuierliche Produktion haben, mussten über eine längere Zeit ihre Produktion anhalten. In der Möbelindustrie fehlt es vor allem an Material, wie Holz, Glas, Kunststoff und Verpackungsmaterialien.

"Die Branchen haben gedacht, dass der Nachfragemangel aus der Möbelindustrie länger anhält. Dann ist die Nachfrage im Spätfrühjahr wieder relativ schnell angesprungen und über den Sommer ziemlich kontinuierlich oben geblieben", so Jan Kurth, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Möbelindustrie sowie der Möbelverbände NRW. Die leeren Lager des vergangenen Jahres führen heute immer noch zu Materialengpässen.

Insbesondere die Frage, wann welche Menge des Materials geliefert wird, sei schwieriger zu beantworten. Die Betriebe stehen vor hohen Anforderungen an Flexibilität und Logistik. Die größte Herausforderung sei es, auf schwankende Mengen zu reagieren, so Kurth.

Hohe Nachfrage auch nach diesem Sommer

Nach dem Sommerurlaub würden wieder mehr Möbel nachgefragt, sagt Kurth: "Weil die Menschen dann mehr zu Hause sind und sich die kürzeren Tage und die längeren Abendstunden gemütlich machen, wird die Nachfrage wieder steigen. Wenn dann die Knappheiten immer noch da sind, dann könnte uns das Thema weiterverfolgen."

Generell seien die Produkte aber grundsätzlich verfügbar. Eine etwas längere Lieferzeit sollte die gesamte Entscheidung nicht beeinflussen, so Kurth. Der VDM-Geschäftsführer sieht aber Licht am Ende des Tunnels. Sein Verband gehe davon aus, dass sich die Lage Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres wieder beruhigen könnte.

Über dieses Thema berichtete BR24 / B5 aktuell am 24. März 2021 um 06:38 Uhr.