Kreuzfahrtschiff erreicht einen mexikanischen Hafen | EPA

Kreuzfahrten starten wieder Die Rückkehr der Traumschiffe

Stand: 17.06.2021 15:52 Uhr

Die Kreuzfahrtbranche versucht einen Neustart in kleinen Schritten. Impferfolge und sinkende Infektionszahlen schüren Hoffnungen, aber der Weg aus der Krise dürfte kein leichter sein.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Die Kreuzfahrtbranche gehörte gemeinsam mit dem gesamten Tourismussektor zu den größten Pandemieverlierern. Das gesamte Geschäft kam zeitweise zum Erliegen. Die zuletzt europaweit gesunkenen 7-Tage-Inzidenzwerte und die Impfkampagne, deren Fortschritte immer spürbarer werden, wecken sowohl in der Branche als auch bei den Kreuzfahrtinteressierten die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart im Jahr 2021.  

Ausgeschlossen ist es nicht. Erst gestern hat zum ersten Mal seit sieben Monaten in Hamburg wieder ein Kreuzfahrtschiff mit Gästen abgelegt. Heute Morgen ging erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor Palma in Mallorca ein Kreuzfahrtschiff vor Anker, die "Mein Schiff 2" der deutschen Reederei TUI Cruises. Es soll das erste von mehr als 20 sein, die bis Ende August diesen Hafen ansteuern.

"Zeit wurde genutzt"

"Die Chancen für einen echten Neuanfang für die Kreuzfahrtbranche stehen aufgrund der Maßnahmen, die ergriffen wurden, sehr gut", stellt Helge Grammerstorf, National Director des Verbands Cruise Lines International Association Deutschland (Clia), gegenüber tagesschau.de fest. Die Anbieter hätten die Zeit genutzt, um die Sicherheitsmaßnahmen gegen Corona, auszubauen, die Schiffe für den anlaufenden Betrieb bereitzuhalten und die Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu verstärken.

Allerdings dürfte die Erinnerung an die Ereignisse während des Beginns der Pandemie im vergangenen Jahr bei vielen noch frisch sein. Hunderte Urlauber saßen zum Teil wochenlang an Bord fest, Häfen verweigerten das Einlaufen - die teils dramatischen Bilder lassen sich nicht so leicht vergessen.

"Sicherer als im Supermarkt"

Deshalb bleibt der Schutz vor Corona auf den Kreuzfahrtschiffen das bestimmende Thema. Der Gesundheitsschutz auf den Schiffen sei gewährleistet, ist sich Grammerstorf sicher. Einzelne Corona-Fälle könne man nicht vollständig ausschließen. Aber sowohl Mitarbeiter als auch Passagiere würden getestet, bevor sie an Bord gingen, während der Fahrt und auch am Ende der Reise.

"Im Prinzip ist es auf dem Schiff sicherer als beim Einkauf im Supermarkt, da die Schiffe nach außen hin vollkommen abgeschottet sind“, sagt der Clia-Direktor. Das gilt auch für Landgänge, die in geschlossenen Gruppen stattfinden, die nicht verlassen werden dürfen. "Für den sehr seltenen Fall, dass eine Person während der Reise positiv getestet werden sollte, ist vorgesehen, dass alle betroffenen Personen und deren Kontakte zum Schutz aller anderen von Bord genommen werden", erzählt Grammerstorf.

Auch die Werften leiden

Die Branche ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Allein in Deutschland ist das Geschäft mit der Hochseekreuzfahrt milliardenschwer. Nach den Daten des Verbands erwirtschaftete der Bereich mit rund 48.000 Mitarbeitern im Jahr 2019 etwa 6,6 Milliarden Euro. Vor allem aber steht sie für 80 Prozent der Aufträge deutscher Werften.

Auch die deutschen Schiffbauer wurden deshalb von der Krise hart getroffen. Denn viele Werften haben sich auf den Bau und die Wartung von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert. Auch Arbeitsplätze wurden abgebaut, sowohl bei den Werften als auch bei den Kreuzfahrtanbietern.

"Angebote werden angenommen"

Clia-Angaben zufolge sind nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen aus dem September 2020 rund 28.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, also mehr als die Hälfte. Kehrt die Branche zurück zu einem einigermaßen normalen und planbaren Geschäftsverlauf, werden wohl viele wieder zurückkehren. Kein Wunder also, wenn die Hoffnung auf den Neustart immer drängender wird.   

Laut Grammerstorf nehmen die Kunden die Angebote hervorragend an, es gebe eine große Nachfrage nach Kreuzfahrten: "Es hat sich ein Nachfragedruck aufgebaut, während nicht gefahren werden konnte. Auch die Vorbuchungen für 2022 sind sehr erfreulich."

Eine genauere Prognose sei derzeit aber noch nicht möglich, da sich die Länder erst nach und nach öffneten und daher viele Abfahrten kurzfristig angesetzt würden.

 

Hohe Kosten, kaum Einnahmen

Profitabel wird das Geschäft zunächst kaum sein. Keinen oder bestenfalls geringen Einnahmen stehen hohe laufende Kosten gegenüber. Schließlich können die Schiffe nicht einfach vollkommen stillgelegt werden, wenn sie in Häfen oder auf Reede liegen. Ein Teil der Besatzung muss an Bord bleiben, die Schiffe müssen funktionstüchtig gehalten werden, was regelmäßige und intensive Pflege erfordert.

Hinzu kommt, dass die riesigen Passagierkapazitäten der Schiffe trotz beginnender Reisetätigkeit wegen der coronabedingten Abstandsregeln nicht ausgelastet werden können. Höhere Kosten, auch wegen der vielfältigen Schutzmaßnahmen, stehen also geringere Einnahmen gegenüber, die man mit höheren Preisen auffangen müsste.     

"Im Moment geht es vor allem darum zu zeigen, dass Kreuzfahrten auch unter Corona-Bedingungen sicher stattfinden können", unterstreicht Grammerstorf. Dass es also zumindest zunächst eher ein Verlustgeschäft sein dürfte, müssen die Kreuzfahrtanbieter in Kauf nehmen.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 am 20. März 2021 um 10:00 Uhr.