Debitkarten verschiedener Anbieter liegen auf- und nebeneinander | picture alliance/dpa/PA Wire

Probleme beim Bezahlen Wenn die Kreditkarte gar keine ist

Stand: 28.08.2021 08:03 Uhr

Mit Kreditkarte zu zahlen, ist vor allem in Hotels und bei Mietwagenfirmen üblich. Probleme gibt es, wenn die vermeintliche Kreditkarte gar keine ist. Genau das ist bei Millionen Deutschen der Fall.

Von Naïma Kunze, HR

Gerade erst im Urlaub gelandet, jetzt nur noch schnell den Mietwagen abholen, bevor es ins Hotel geht. Doch dann das: Die Mietwagenfirma akzeptiert die Karte nicht. Der Grund: Die vermeintliche Kreditkarte ist gar keine.

Was klingt wie die Horrorvorstellung eines jeden Urlaubers, kann für Millionen Deutsche schnell Realität werden. Denn in ihren Portemonnaies stecken massenweise Bankkarten, die zwar aussehen wie eine Kreditkarte, in Wirklichkeit aber sogenannte Debitkarten sind.

"Die haben die Debitkarte nicht akzeptiert"

Student Noah aus Gießen hat es selbst erlebt. Auch er wollte einen Mietwagen buchen. Hierfür waren 2000 Euro Kaution fällig. "Die haben die Debitkarte nicht akzeptiert. Es geht darum, dass man irgendwie diese 2000 Euro hinterlegt, und anscheinend funktioniert das nur bei einer Kreditkarte", sagt er.

Das Problem: Eigentlich dachte Noah, dass seine Karte mit den silbernen Zahlen genau das sei: eine Kreditkarte. Bei einer Online-Bank hatte er ein Konto eröffnet. Zu seiner normalen Girokarte gab es die Visa-Karte kostenlos dazu. "Das wird irgendwo im Kleingedruckten gestanden haben. Ich glaube, es wird ein bisschen als Kreditkarte vermarktet oder als Visa-Card, ohne irgendwie darauf aufmerksam zu machen, dass es eine Kreditkarte light ist", so der Student.

Unterschied zwischen Kreditkarten und Debitkarten

Von außen betrachtet sehen sich die Karten zum Verwechseln ähnlich: Wie bei einer Kreditkarte hat auch die Debitkarte eine Hochprägung, die kleinen silbernen Ziffern. Lediglich der kleine Aufdruck "Debit" macht äußerlich den Unterschied. Auf einer echten Kreditkarte müsste das Wörtchen "Credit" stehen.

Debitkarten seien im Grunde vergleichbar mit den in Deutschland verbreiteten Girokarten, sagt Peter Tillmann. Er ist Professor für monetäre Ökonomik an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Zwar sei der optische Unterschied vermeintlich klein. Umso größer sei er aber, wenn es um den Belastungszeitpunkt gehe. "Der zentrale Unterschied besteht im Zeitpunkt, zu dem ihr Konto belastet wird. Bei der Debitkarte wird Ihr Girokonto unmittelbar nach der Transaktion belastet", erläutert Tillmann. "Bei der Kreditkarte bekommen Sie von der Bank einen Kredit eingeräumt und bekommen dann am Monatsende eine Sammelabrechnung über alle Transaktionen, die Sie getätigt haben."

Kreditkarten oft Standard bei Buchungen

In einigen Branchen sind Kreditkarten weiter der verlangte Standard, wie etwa in vielen Hotels oder eben bei Mietwagenfirmen. "Die Unternehmen wollen diesen Kreditrahmen als zusätzliche Sicherheit haben, denen reicht die Debitkarte alleine nicht", sagt Tillmann. So könne es zu Schwierigkeiten im Urlaub kommen. Er rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich rechtzeitig darüber zu informieren, welche Bankkarten im eigenen Portemonnaie stecken oder vor dem Urlaub zu checken, welche Karten von den jeweiligen Unternehmen akzeptiert werden.

Abgesehen von den Schwierigkeiten, die mit einer Debitkarte entstehen können, verweist Tillmann auch auf deren Vorteile. So hätten Kunden jederzeit eine vollständige Ausgabenkontrolle, da eben das Konto sofort belastet wird. "Außerdem ist die Debitkarte häufig bereits in den Kontoführungsgebühren enthalten. Sie ist also preiswerter, weil sie eben nicht noch die Kreditkarte dazu kaufen müssen." Zudem komme die Debitkarte auch für die Kundinnen und Kunden in Frage, deren Bonität nicht für eine normale Kreditkarte ausreichen würde.

Eine Frau tippt an einem Laptop Daten ihrer Kreditkarte ein | dpa

Beim Online-Shopping werden Debitkarten meist akzeptiert und sind damit eine Alternative zur Kreditkarte. Bild: dpa

Akzeptanz für Debit- und Girokarten unterschiedlich

An vielen Kassen im deutschen Einzelhandel werden Girokarten besser akzeptiert als Debitkarten der Anbieter Mastercard und Visa. Online hingegen funktionieren die Debitkarten häufiger als Zahlungsart und bieten damit die Alternative zur klassischen Kreditkarte.

Im Gegensatz zur Girokarte sollte es mit den Debitkarten auch im Ausland meist nicht zu Problemen kommen, so Tillmann. "Die Debitkarten, die von deutschen Kreditinstituten ausgegeben werden, können Sie normalerweise auch im Ausland verwenden. Denn die Banken kooperieren in großen Netzwerken mit internationalen Partnern, sodass die Karte dann auch international einzusetzen ist."

Debitkarte als das Modell der Zukunft?

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der ausgegebenen Debitkarten in Deutschland genauso wie der Wert der damit vorgenommenen Zahlungen. 2010 waren laut Bundesbank in Deutschland etwa 102,4 Millionen Debitkarten im Umlauf, 2020 waren es bereits 118,3 Millionen.

Trotz der steigenden Anzahl erwartet Tillmann nicht, dass Kreditkarten weichen müssen und Debitkarten das Modell der Zukunft werden. Vielmehr glaubt er, dass die Debitkarte ein zusätzliches Angebot liefert. "Es wird einfach eine größere Vielfalt an Zahlmöglichkeiten geben, genauso wie es eben auch eine größere Vielzahl an Kunden gibt, beispielsweise diejenigen mit einer geringeren Bonität. Die können auch dann die Debitkarte verwenden."

Über dieses Thema berichtete der HR in der Sendung MEX am 25. August 2021 um 20:15 Uhr.