Brennendes Kochfeld eines Gasherdes | REUTERS
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Rekordhoch an Energiebörsen Was bedeuten die Gaspreise für Verbraucher?

Stand: 07.10.2021 08:13 Uhr

Der Gaspreis ist so hoch wie nie - allerdings erstmal nur im Großhandel. Für Verbraucher dürften jedoch die Abschlagszahlungen steigen. Fragen und Antworten zum Gaspreisanstieg.

Von Hanna Heim, BR

Beim Blick auf die vielfachen Meldungen über steigende Gaspreise kommen bei so einigen Verbraucherinnen und Verbrauchern Ängste auf:Viele fragen sich, ob sie sich Energie künftig überhaupt noch werden leisten können. Doch zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen dem Einkaufspreis auf dem Energiegroßmarkt und dem Preis, der bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. Der Preis auf dem Weltmarkt ist tatsächlich so hoch wie nie. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Die Verbraucherpreise hingegen steigen zwar steil an, sind aber noch nicht auf dem Hoch von 2008 angelangt.

Wie stark steigen die Verbraucherpreise aktuell?

Tatsächlich waren sie laut dem Vergleichsportal Verivox bis vor einem Jahr mit 5,44 Cent je Kilowattstunde so niedrig wie seit 2005 nicht mehr. Im September 2021 befanden wir uns mit 6,49 Cent auf dem Stand von August 2015.

Für den Oktober gibt das Vergleichsportal einen nochmals gestiegenen Preis von 7,01 Cent bekannt. Bei manchen Energieversorgern bedeutet das schon jetzt eine Anhebung der monatlichen Abschlagszahlung um rund 25 Prozent. Damit ist der Preis tatsächlich auf Rekord-Kurs.

Leonora Holling vom Verband der Energieverbraucher befürchtet, dass bei der derzeitigen Entwicklung der Verbraucherpreis pro Kilowattstunde Gas sogar noch stärker ansteigen könnte als zu seiner Spitzenzeit 2008. Damals war der Preis auf 8,09 Cent je Kilowattstunde geklettert.

Allerdings dürfte jetzt die Preisschwankung nur ein vorübergehendes Phänomen sein. Da sind sich Experten einig - ob in der EU-Kommission oder bei der Verbraucherzentrale.

Greifen die Marktmechanismen?

Doch wie lange und wie stark der Weltmarktpreis noch ansteigen wird, das kann niemand genau sagen. Die gewöhnlichen Marktmechanismen dürften dafür sorgen, dass ab einer gewissen Preishöhe keiner der Versorger mehr bereit ist zu zahlen.

Allerdings geht Detlef Fischer vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft davon aus, dass der Preis auch nicht mehr auf das niedrige Niveau während der Pandemie zurückfallen wird. Das liegt zum einen daran, dass die Wirtschaft wieder läuft und dafür Energie braucht. Zum anderen steigen viele Unternehmen auf Gas um; damit dürfte die Nachfrage konstant auf hohem Niveau bleiben. Das bedeutet, dass auch langfristig die Verbraucherpreise oben bleiben dürften.

Kann die Politik eingreifen?

Vor allem ärmere Haushalte belasten die hohen Energiepreise, das ist allen beteiligten politischen Akteuren bewusst. In der EU-Kommission hat man deshalb die Entscheidung über die Frage, wie die Anstiege abgefedert werden können, an die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder weitergegeben. Die kommen noch im Oktober zum Gipfeltreffen zusammen.

Beim Bund der Energieverbraucher hofft man, dass schneller von staatlicher Seite eingegriffen wird. Beispielsweise könnten - ähnlich wie es Spanien aktuell vorschlägt - die Steuern und Netzentgelte reduziert oder ausgesetzt werden. Allerdings könnten auch die Versorger in die Pflicht genommen werden, zum Beispiel, indem die Bundesnetzagentur von ihnen mehr Transparenz bei der Preisbildung einfordert.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es, man beobachte die Lage am weltweiten Gasmarkt sehr genau, allerdings gebe es aktuell "keine staatliche angeordneten Maßnahmen zu Strom- oder Gaspreisen".

Was tun bei steigender Abschlagszahlung?

Beim Vergleichsportal Verivox geht man davon aus, dass ein Großteil der rund 700 deutschen Versorger zum 1. Januar 2022 seine Abschlagszahlungen anheben wird. Kundinnen und Kunden sind diesen Erhöhungen aber nicht ausgeliefert. Wer noch im Basistarif steckt, kann relativ unkompliziert beim aktuellen Versorgungsunternehmen bleiben, aber in einen günstigeren Tarif wechseln.

Zudem sind die Versorger verpflichtet, die Preisanhebung mit sechs Wochen Vorlauf anzukündigen. In dieser Zeit ist ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter möglich und auch rechtlich abgesichert. Allerdings gilt es zu beachten, dass aktuell alle Versorger mit den hohen Einkaufspreisen zu kämpfen haben. Mit riesigen Einsparpotenzialen ist also auch bei einem Anbieterwechsel nicht zu rechnen.

Beim Bund der Energieverbraucher und bei der Verbraucherzentrale rät man in jedem Fall dazu, die Zeit jetzt zu investieren und sich mit günstigeren Gastarifen zu beschäftigen.

Welche Möglichkeiten zum Energiesparen gibt es?

Ansonsten bleibt nur, zu Hause Energie einzusparen. Dazu gibt es sowohl für Eigentümer als auch für Mieter einige Möglichkeiten. Wer eine Immobilie besitzt, ist naturgemäß für die größeren Anschaffungen zuständig: die richtige Dämmung, die richtige Energiequelle, die richtigen Türen und Fenster.

Im Alltag ist es sinnvoll, die Therme so einzustellen, dass sie möglichst wenig überflüssige Energie verbraucht. Wenn es eine moderne Therme in der für den Haushalt passenden Größe ist, kann es sogar sinnvoll sein, sie dauerhaft durchlaufen zu lassen, statt das Wasser plötzlich und dann sehr stark zu erhitzen. Hier kann eine Energieberatung helfen.

Außerdem lohnt es sich, etwa alle zehn Jahre die Heizungsventilköpfe auszutauschen, damit die Wärmeempfindlichkeit möglichst genau bleibt. Ähnliches gilt für die Dämmung an den Fenstern; auch die darf regelmäßig kontrolliert und nachjustiert werden. Der einfachste Trick von allen: Türen zu. So heizen sich nur die Räume auf, die auch wirklich benutzt werden. Denn jedes Grad, das sinnlos eingeheizt wurde, schlägt sich später auf der Abrechnung mit sechs Prozent Mehrkosten nieder.

Über dieses Thema berichtete der MDR am 06. Oktober 2021 um 19:30 Uhr.