Mobilfunk-Antennen | dpa

Noch viele weiße Flecken Schließen von Funklöchern dauert länger

Stand: 23.11.2022 08:27 Uhr

Bis Ende 2022 wollten Deutsche Telekom, O2 und Vodafone in 500 "weißen Flecken" neue Funkstationen bauen und damit dort endlich Empfang ermöglichen. Sie dürften dieses Ziel deutlich verfehlen.

Deutschlands Mobilfunk-Netzbetreiber sind beim Schließen von sogenannten "weißen Flecken" spät dran. Weiße Flecken sind Gebiete, in denen weder 4G/LTE- noch 5G-Funksignale empfangen werden. Eigentlich hatten sich Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland in der Frequenzauktion von 2019 dazu verpflichtet, bis Ende 2022 in 500 bisherigen weißen Flecken neue Funkstationen zu bauen. Die Firmen wollten sich gegenseitig Zugang verschaffen, sie sind für je ein Drittel der weißen Flecken zuständig.

Viel zu wenige neue Funkstationen

Doch voraussichtlich wird keiner der drei etablierten Betreiber diese Ausbauauflage erfüllen. Das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur an ihren Beirat hervor, welcher der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und als Diskussionsgrundlage für die Beiratssitzung am kommenden Montag dienen soll. Danach ist Telefonica Deutschland (O2) erst bei 45 neuen Funkstationen, die Deutsche Telekom bei 28 und Vodafone bei zwölf.

Weiße Flecken sind gar keine Funklöcher?

Streng genommen sind weiße Flecken nach Definition der Bundesbehörde gar keine Funklöcher, weil dort zumindest 2G-Telefoniesignale zu empfangen sind. Im datengetriebenen Internetzeitalter dürften viele Bundesbürger weiße Flecken aber wie ein Funkloch empfinden.

Echte Funklöcher gab es nach Angaben auf der Webseite breitband-monitor.de im Oktober auf gerade einmal 0,32 Prozent der Fläche Deutschlands - dort ist nicht mal 2G zu empfangen. Weiße Flecken gab es dagegen auf 2,94 Prozent der Fläche. Hinzu kommt noch eine Fläche von 18,6 Prozent mit "grauen Flecken", wo nur einer oder zwei der drei Netzbetreiber funken.

Schnellerer Downloadspeed für alle

Neben der Vorgabe für die weißen Flecken enthalten die Auktionsauflagen von 2019 die Verpflichtung, bis Ende 2022 in jedem Bundesland mindestens 98 Prozent der Haushalte mit einem Downloadspeed von mindestens 100 Megabit pro Sekunde abzudecken. "Telekom hat die Auflage bislang in zwölf Bundesländern, Telefonica in fünf und Vodafone in 13 Bundesländern erfüllt", schreiben die Vertreter der Behörde und beziehen sich dabei auf Meldungen der Firmen, die bis Anfang November in Bonn eingingen.

Die Firmen äußerten sich dennoch zuversichtlich, diese Vorgabe der Netzagentur bis zum Jahresende zu erfüllen. Bei den weißen Flecken sieht das allerdings anders aus - hier dürften Telefonica Deutschland, Vodafone und die Telekom die Latte reißen.

Bußgelder oder Ermahnungen?

In dem Schreiben der Bundesnetzagentur fordert die Behörde die Netzbetreiber nun auf, für jeden verzögerten Standort eine detaillierte Dokumentation vorzulegen. "Dies soll eine Prüfung dahingehend ermöglichen, ob die Verzögerungen durch den jeweiligen Mobilfunknetzbetreiber oder Dritte zu vertreten sind."

Die Behörde verwies zudem auf die Möglichkeit von Bußgeldern. Ob sie dieses scharfe Schwert aber wirklich zücken würde, ist fraglich: Selbst bei den deutlichen Verfehlungen von O2 nach der Auktion von 2015 beließ es die Behörde bei Ermahnungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2022 um 06:00 Uhr.