Menschen mit Einkaufswagen

Konsumverhalten Der Trend geht zum Vorratseinkauf

Stand: 24.08.2021 09:47 Uhr

Die Corona-Pandemie könnte das Einkaufen in Deutschland Marktforschern zufolge dauerhaft verändert haben. Zum spontanen Shoppen im Laden um die Ecke kommt es immer seltener.

Die Deutschen gehen einer neuen Studie zufolge seltener einkaufen, sie haben weniger Spaß dabei und konzentrieren sich auf große Vorratseinkäufe. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung des Marktforschungsinstituts NielsenIQ, für die Daten von 20.000 Haushalten ausgewertet wurden.     

"Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Einkäufe zu reduzieren, das galt im ersten und im zweiten Lockdown und es gilt noch immer", beobachtet Nielsen-Experte Thomas Montiel Castro. Dabei sei die Ansteckungsangst nur ein Faktor - und vielleicht nicht einmal der bedeutendste. Gerade junge Menschen wollten nicht mehr so viel Zeit mit dem Einkaufen verbringen. "Sie haben in Corona gelernt, dass es spannendere Sachen gibt, mit denen sie ihre Freizeit verbringen können."

Der neue Trend: "Big Trolley"

Die Fachleute von NielsenIQ kommen zu dem Ergebnis, dass die Verbraucher insgesamt seltener einkaufen und dann möglichst vieles auf einen Schlag erledigen. Spontane Einkaufstrips zum Bäcker, in den Drogeriemarkt oder um schnell noch ein bisschen Aufschnitt an der Fleischtheke zu holen würden immer seltener, so Montiel Castro.

Der Trend gehe zum großen Vorratseinkauf oder, wie es der Marktforscher nennt, zum "Big Trolley", dem großen Einkaufswagen. "Eine ganze Reihe von Haushalten haben erst in der Pandemie damit begonnen, solche großen Vorratskäufe zu machen. Hier hat sich das Einkaufsverhalten massiv geändert."

Der Marktforscher ist überzeugt, dass diese Trends auch nach dem Ende der Pandemie anhalten werden. Seiner Ansicht nach hängen die Umwälzungen nicht nur mit Corona zusammen: "Noch vor 10 Jahren waren vor allem der Preis und die Sonderangebote entscheidend dafür, wo eingekauft wurde. Aber bei der jüngeren Kundengeneration spielt das keine so große Rolle mehr. Für sie ist es wichtiger geworden, nicht mehr so viel Zeit mit dem Einkaufen zu verbringen."

Supermärkte profitieren

Von dieser Veränderung profitieren derzeit offenbar nicht die großen SB-Warenhäuser oder die Discounter, wo die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher in der Vergangenheit meist ihre Großeinkäufe erledigten, sondern vor allem die klassischen mittelgroßen Supermärkte wie Rewe oder Edeka. Nach einer aktuellen Untersuchung des Marktforschers GfK steigerten die Supermärkte ihre Umsätze im ersten Halbjahr 2021 um 6,3 Prozent, während die Discounter um 1,4 Prozent weniger verkauften. Bei den großen SB-Warenhäusern stagnierte das Geschäft.

"Die klassischen Supermärkte sind attraktiv, weil sie einerseits eine große Auswahl bieten, der Besuch dort aber andererseits nicht so viel Zeit kostet wie im SB-Markt", so Experte Castro. "In den Zeiten des Homeoffice fahren die Leute nicht mehr am Samstag auf die grüne Wiese zum SB-Markt um einzukaufen, sondern sie nutzen häufiger die verlängerte Mittagspause zum Einkauf im Supermarkt um die Ecke. Und sie tun das gerne mitten in der Woche."

Auch E-Commerce wächst stark

Zu den Gewinnern in der Pandemie gehört auch der E-Commerce. Die Konsumgüterumsätze im Internet stiegen 2020 Nielsen zufolge um 34 Prozent. Dennoch spielt der Onlinehandel bei Lebensmitteln, Tierfutter und anderen Konsumgütern in Deutschland weiterhin nicht so eine große Rolle wie in anderen europäischen Ländern.

Während hierzulande der Marktanteil des E-Commerce bei Konsumgütern trotz des Corona-Booms aktuell gerade einmal 1,2 Prozent erreicht, liegt er in Frankreich bei 10,2 und in Großbritannien bei 11,9 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2021 um 08:15 Uhr.