Ein Autofahrer betankt ein Auto mit dem Kraftstoff Diesel an einer Tankstelle. | dpa

Spritpreis-Explosion Benzin und Diesel verteuern sich weiter

Stand: 10.03.2022 15:32 Uhr

Die Spritpreise in Deutschland steigen immer weiter. Insbesondere bei Diesel geht es in großen Schritten nach oben. Das alarmiert nicht nur Verbraucher. Die Transport- und Logistikbranche befürchtet eine Pleitewelle.

Die Spritpreise kennen kein Halten mehr. Innerhalb eines Tages legte der Diesel-Preis um weitere 11,8 Cent zu, wie der ADAC mitteilte. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete der Kraftstoff 2,268 Euro pro Liter. Erst am Montag hatte Diesel erstmals die Grenze von zwei Euro durchbrochen.

Super E10 und Diesel weiter auf dem Vormarsch

Auch die Sorte Super E10 verzeichnete erneut einen Anstieg, der allerdings im Vergleich zu Diesel etwas milder ausfiel: Zur Wochenmitte kostete der Kraftstoff 2,174 Euro pro Liter, das waren 7,1 Cent mehr als einen Tag zuvor. Zum Vergleich: Vor dem russischen Angriff hatte E10 noch bei 1,750 Euro je Liter gelegen, Diesel bei 1,663 Euro.

Am Donnerstag setzten sich die Preissteigerungen an den Tankstellen zunächst fort - wenn auch mit gebremster Dynamik. Zum Mittag lag Diesel laut ADAC etwa sieben Cent über den Vergleichszeitpunkten des Vortags. Bei Super E10 waren es zwei Cent.

Extreme Zeiten am Ölmarkt

Hintergrund der rasanten Spritpreissteigerungen ist die Preisexplosion am Ölmarkt. Zu Wochenbeginn hatten die Ölpreise den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Gestern verzeichneten die Ölpreise jedoch einen scharfen Einbruch, nachdem Hoffnungen auf eine vorsichtige Annäherung zwischen Russland und der Ukraine aufgekommen waren.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rauschte um fast 30 Dollar in die Tiefe. Das entsprach dem stärksten Tagesrückgang seit fast zwei Jahren, wie Commerzbank-Rohstoff-Experte Carsten Fritsch unterstreicht.

Ölpreise wieder auf dem Vormarsch

Doch schon heute geht es am Ölmarkt wieder kräftig aufwärts, nachdem das mit Spannung erwartete erste Treffen der Außenminister von Russland und der Ukraine keine wesentlichen Fortschritte gebracht hatte.

Das Fass Brent wurde am Mittag mit 116,87 Dollar gehandelt. Das waren 5,73 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 4,51 Dollar auf 113,21 Dollar.

Transportbranche warnt vor Pleitewelle

Die stark gestiegenen Spritpreise haben auch die Logistikbranche alarmiert. Die finanzielle Belastungsgrenze vieler Transportunternehmen sei erreicht, warnte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). "Es droht schlicht und ergreifend eine Insolvenzwelle im deutschen Transportlogistikgewerbe", sagte Engelhardt in Frankfurt.

Dann wäre auch die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft in Gefahr. Höhere Spritpreise würden sich über kurz oder lang auch in Alltagsprodukten im Supermarkt niederschlagen. Bereits gestern hatte sich die Logistik- und Busbranche für die befristete Einführung eines verbilligten Gewerbediesels ausgesprochen.

100.000 ukrainische Lkw-Fahrer weniger?

Der Logistikbranche in Europa droht zudem wegen des Ukraine-Kriegs der Ausfall von mehr als 100.000 ukrainischen Lkw-Fahrern, fürchtet der BGL. Sie könnten wegen Einberufungsbefehlen zur ukrainischen Armee nicht mehr zur Verfügung stehen und bei polnischen und litauischen Transportfirmen ausfallen. Bei mindestens sieben Prozent der in Deutschland eingesetzten Lkw hätten 2021 ukrainische Fahrer hinterm Steuer gesessen, sagte Engelhardt.

Taxi-Unternehmen fordern höhere Tarife

Bereits zur Wochenmitte hatte die Taxibranche Alarm geschlagen. "Unsere Situation ist seit Ausbruch der Corona-Krise extrem angespannt. Und wir sind noch längst nicht wieder auf dem Stand von vor der Pandemie. Jetzt kommen zur Anhebung des Mindestlohns auch noch die exorbitanten Spritpreise", beschrieb der Geschäftsführer des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen, Michael Oppermann, den Druck.

Die Taxi-Unternehmen sind an behördlich vorab festgelegte Tarife gebunden. "Wenn die Kosten steigen, müssen auch die Tarife zügig steigen", forderte Oppermann. Normalerweise dauere eine Tarifanpassung aber ein Jahr, das passe mit dem Tempo der Zapfsäulen nicht überein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. März 2022 um 16:35 Uhr.