Eine Zapfpistole steckt an einer Tankstelle in der Tanköffnung eines Fahrzeugs. | dpa

Über zwei Euro je Liter Preisspirale bei Diesel und Benzin

Stand: 08.03.2022 12:52 Uhr

An den Zapfsäulen wird die Tankfüllung für deutsche Autofahrer immer kostspieliger. Heute kostet der Liter E10-Benzin erstmals mehr als zwei Euro. Diesel ist inzwischen sogar teurer als Benzin.

Benzin- und Dieselpreise haben neue Höchststände an den Tankstellen in Deutschland erreicht. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sorgen am Markt weiter für große Nervosität.

Laut ADAC kostete Superbenzin der Sorte E10 im gestrigen Tagesdurchschnitt 2,008 Euro je Liter, bei Diesel waren es 2,032 Euro. Beide Werte haben damit ein weiteres Rekordniveau erreicht. Auf Jahressicht ist der Anstieg bei den Preisen für die Treibstoffe enorm: Im Durchschnitt des Monats März 2021 hatte Diesel noch 1,315 Euro pro Liter gekostet, bei Super E10 waren es 1,454 Euro.

Ölpreise als Treiber

Als Haupttreiber sehen Marktberichterstatter die weiter steigenden Ölpreise, die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auf Mehrjahres-Höchstständen notierten. Gestern war der Preis der für Europa wichtigen Sorte Brent auf bis zu 139 Dollar pro Fass (159 Liter) geklettert. Auslöser dafür waren Äußerungen von US-Außenminister Antony Blinken, der einen Importstopp für russisches Erdöl ins Spiel gebracht hatte.

Eine Reihe weiterer Gründe werden für die aktuellen Preisspitzen angeführt. So sorgt der aktuell starke Dollar gegenüber dem Euro noch für eine zusätzliche Verteuerung der Spritpreise. Schließlich wird Öl in Dollar gehandelt, deutsche Käufer müssen aber in Euro ihre Tankrechnung bezahlen.

Dieselpreis steigt mit Heizöl-Nachfrage

Diesel ist im Normalfall günstiger als Benzin, weil der Kraftstoff steuerlich begünstigt wird. Laut ADAC ist der überproportional gestiegene Dieselpreis auch durch die hohe Nachfrage nach Heizöl zu erklären. Viele Privathaushalte ziehen danach ihre Heizölbestellungen vor, weil sie noch höhere Preise befürchten.

Die steuerliche Differenz bei der Bepreisung liegt laut ADAC bei 20 bis 21 Cent pro Liter. Üblich sei ein Anstieg des Dieselpreises insbesondere im Herbst, wenn sich Verbraucher mit Heizöl eindecken. Auf lange Sicht sei jedoch zu erwarten, dass sich der Benzinpreis wieder über dem Dieselpreis einpendeln werde.

Eine Reihe von Importeuren fahren zudem ihre Importe aus Russland zurück, und Ölkonzerne treten beim Vertrieb derzeit auf die Bremse. Der Ölkonzern Shell hat wegen der angespannten Marktlage den Verkauf von Heizöl, Diesel und anderen Produkten an einige Großkunden in Deutschland vorerst eingeschränkt. Das geht aus einem gestrigen Schreiben von Shell Deutschland hervor, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Um weiterhin vertraglich zugesagte Verpflichtungen erfüllen zu können, schränke man den sogenannten Spotverkauf ein - also den aktuellen Verkauf von Öl, Diesel und anderen Produkten ohne vorherige Vereinbarungen.

Diskussion über Öl-Embargo

Ein Ende der Preisspirale dürfte angesichts der Eskalation der Kämpfe in der Ukraine kurzfristig nicht in Sicht sein. Die Forderungen einiger Politiker nach einem Öl- und Gas-Embargo gegenüber Russland dürften die Notierungen sogar tendenziell weiter befeuern. Russlands Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak warnte von einem Ölpreis von mehr als 300 Dollar je Barrel (159 Liter), sollten die USA und die EU Importe aus Russland verbieten.

Die Bundesregierung lehnt ein solches Embargo ab. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte gestern, Europa habe Energielieferungen bei den Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs bewusst ausgenommen. "Die Versorgung Europas mit Energie für die Wärmeerzeugung, für die Mobilität, die Stromversorgung und für die Industrie kann im Moment nicht anders gesichert werden."

Sollten die Energiepreise weiter steigen, will die Ampel-Regierung laut Scholz weitere Maßnahmen beschließen, um die Belastungen insbesondere für Geringverdiener abzufedern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. März 2022 u.a. um 10:22 Uhr und 11:42 Uhr.