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Pläne für den Herbst Warum Porsche an die Börse soll

Stand: 06.09.2022 14:58 Uhr

Einer der größten Börsengänge der jüngsten Zeit rückt näher. In wenigen Wochen soll die VW-Tochter Porsche als eigene Aktie handelbar sein. Wohin fließen die Milliardenerlöse? Welche Rolle spielen die Gründerfamilien? Die Details im Überblick.

Der Börsengang der Porsche AG, der ab Ende September geplant ist, reiht sich in die größten Börsengänge der vergangenen Jahre in Europa ein. Der geschätzte Emissionserlös liegt bei mehr als zehn Milliarden Euro. Die Einnahmen sollen vor allem in wichtige Investitionen fließen. Was sind die Hintergründe der Pläne?

Wer steht hinter dem Börsengang?

Konzernmutter ist der Autokonzern Volkswagen, dem die Porsche AG derzeit noch zu 100 Prozent gehört. Im VW-Portfolio mit Marken wie Audi, Seat, Skoda oder den Luxusautos von Bentley spielt Porsche als Ertragsbringer eine wichtige Rolle. Hinter Volkswagen wiederum steht die Porsche SE, die Holding der Familien Porsche und Piëch, als Miteigner.

Porsche SE hält eine Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien an Volkswagen und kommt insgesamt auf eine Beteiligung von knapp 32 Prozent. Das Land Niedersachsen ist mit 11,8 Prozent zweitgrößter VW-Anteilseigner. Zudem hält das Emirat Katar 10,5 Prozent an dem Autobauer.

Wie ist die besondere Konzernstruktur entstanden?

Porsche und Volkswagen verbindet eine jahrzehntelange gemeinsame Geschichte der beiden Gründerfamilien Porsche und Piëch. Der 1875 geborene Ferdinand Porsche konstruierte für die Nationalsozialisten das Auto, auf dem Volkswagen nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Erfolg aufbaute: den VW-Käfer.

2005 stieg Porsche bei VW ein und wurde größter Aktionär vor Niedersachsen. Der ursprüngliche Grund lag darin, eine feindliche Übernahme von VW zu erschweren. Nach einem weiteren Anstieg der Porsche-Beteiligung an VW in den Folgejahren wurde das Beteiligungsgeschäft von Porsche in eine eigene Gesellschaft, die Porsche Vermögensverwaltung AG, ausgegliedert. Aus ihr entstand dann die Porsche Automobil Holding SE (kurz Porsche SE).

In den Folgejahren scheiterte Porsche mit dem Versuch, den VW-Konzern komplett zu übernehmen. Die Familien Porsche und Piëch einigten sich schließlich darauf, einen integrierten Autokonzern zu bilden. Volkswagen übernahm Teile der Porsche AG, mit dem operativen Geschäft des Autoherstellers. 2012 wurde der Sportwagenbauer dann komplett an VW verkauft. Die Porsche Holding, die in der Hand der Familien Porsche und Piëch liegt, wurde als VW-Mehrheitseigner das Dach des Gebildes, das Porsche und Volkswagen wieder vereinte.

Warum kommt die Porsche AG an die Börse?

Die Porsche AG-Mutter VW will mit dem Erlöse des Börsengangs notwendige Investitionen der kommenden Jahre schultern. Mit den erhofften Einnahmen aus der Platzierung von Vorzugsaktien plant Volkswagen sein Ziel zu erreichen, sich als führender Anbieter von E-Autos, Digitalisierung und vernetzten Diensten zu etablieren. Dazu gehören vor allem massive Investitionen ins Batteriegeschäft. Dafür suchen die Wolfsburger aktuell nach Partnern.

Gleichzeitig wollen aber auch die Familien Porsche und Piëch durch die Umstrukturierung der Anteile und den Börsengang der AG wieder mehr direkten Zugriff auf den Autobauer Porsche erhalten. Geplant ist, dass ihre Familienholding Porsche SE künftig 25 Prozent plus eine Stammaktie am Sportwagenbauer hält. Damit hätte sie eine Sperrminorität und könnte wichtige Entscheidungen für das Unternehmen direkt blockieren - und nicht nur wie heute ihren Einfluss indirekt über die Beteiligung am VW-Konzern wahrnehmen.

Wann ist die Erstemission geplant?

Der Börsengang ist für Ende September oder Anfang Oktober geplant. Spätestens zum Jahresende soll der Gang aufs Parkett dann abgeschlossen sein. Die genauen Daten und Modalitäten hängen laut den Beteiligten aber von der Gesamtlage auf dem Finanzmarkt ab.

Wie läuft der Börsengang konkret ab?

Bereits im Vorfeld der Ankündigungen wurden die Aktien der Porsche AG jeweils zur Hälfte in stimmrechtslose Vorzugsaktien und in stimmberechtigte Stammaktien aufgespalten. Nachdem nun der VW-Aufsichtsrat grünes Licht für den Börsengang der Sportwagentochter Porsche AG gab, sollen bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien am Aktienmarkt platziert werden. Das entspricht 12,5 Prozent des Grundkapitals der Porsche AG, da die Vorzugsaktien die Hälfte aller Aktien der Porsche AG ausmachen.

VW-Großaktionär Porsche SE will zugleich 25 Prozent plus eine Aktie der stimmberechtigten Stammaktien der Porsche AG kaufen. Volkswagen würde nach dem Börsengang dann noch 75 Prozent minus eine Aktie an der Porsche AG halten. Außerdem soll der VW-Großeigner Katar Interesse daran haben, mit knapp fünf Prozent der Vorzugspapiere ein Ankeraktionär bei der börsennotierten Porsche AG zu werden.

Im Fall eines erfolgreichen Börsengangs will Volkswagen die Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember einladen, um über eine Sonderdividende in Höhe von 49 Prozent der Gesamterlöse aus der Platzierung der Vorzugsaktien und dem Verkauf der Stammaktien an die Aktionäre abzustimmen. Die Sonderausschüttung solle voraussichtlich Anfang kommenden Jahres fließen.

Welchen Umfang hat der Börsengang?

Laut Finanzkreisen peilen VW und Porsche eine Bewertung von 60 bis 80 Milliarden Euro an. Der Verkauf der Vorzugsaktien an der Börse würde damit zur Emission 7,5 bis zehn Milliarden Euro in die Kasse von VW spülen.

Welche Kritik gibt es?

Die verschachtelte Beteiligungsstruktur bei Porsche SE, Volkswagen und der Porsche AG sorgt zumindest zeitweise für personelle Doppelzuständigkeiten und mögliche Interessenkonflikte. Marktbeobachter hatten schon zuvor Kritik an einer Vermischung von Verantwortlichkeiten in der jetzt angepeilten neuen Konstruktion geäußert.

So wird Oliver Blume auch nach dem Börsengang zumindest vorläufig Porsche-Chef und Volkswagen-Konzernchef in Personalunion. Auch der frühere VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, der als Vertrauter der Familien Porsche und Piëch gilt, hätte als Aufsichtsratschef des Konzerns und Vorstandschef der Porsche-Holding eine Doppelrolle. Volkswagen hatte dazu bereits erklärt, man habe angemessene Regeln für eine solide "Corporate Governance" getroffen.

Was sind die Folgen für die Beschäftigen bei Porsche?

Der Betriebsrat von Volkswagen befürwortet nach eigener Aussage den Fahrplan für einen Börsengang der Porsche AG. Weil die erwarteten Einnahmen nicht zuletzt in den weiteren Umbau in Richtung E-Mobilität und Digitalisierung fließen sollen, trage der Schritt zur Zukunftsfähigkeit der Standorte bei, hieß es aus der Belegschaftsvertretung in Wolfsburg. Positiv bewertet der Betriebsrat, der mit seiner Chefin Daniela Cavallo im VW-Aufsichtsrat vertreten ist, zudem die geplante Sonderdividende für die Aktionäre sowie den vereinbarten Bonus von 2000 Euro für jeden Beschäftigten im Haustarif und bei der VW Sachsen GmbH.

Wie reagiert der Finanzmarkt auf die Börsenpläne?

Marktbeobachterm zufolge könnte der Milliarden-Börsengang einen Schub geben für weitere große Transaktionen im krisengeschüttelten Jahr 2022 und darüber hinaus. Die Aktien von Volkswagen und des Großaktionärs Porsche SE, die beide im DAX notieren, verbuchten am Tag nach der Bekanntgabe der Börsenpläne für die Sportwagentochter Porsche AG deutliche Gewinne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2022 um 12:00 Uhr.