Büroangestellte sehen sich die umstrittene Dokumentation des Herzogs und der Herzogin von Sussex auf Netflix an. | picture alliance / empics

Streaming-Konzern "Harry & Meghan" beflügeln Netflix

Stand: 20.01.2023 10:17 Uhr

Ist das die Wende für Netflix nach einer Phase des Kundenschwunds? Der Streaming-Anbieter konnte zuletzt wieder mehr Nutzer für sich gewinnen. Indes zieht sich Firmen-Mitgründer Hastings von seinem Chefposten zurück.

Das für Netflix insgesamt enttäuschend verlaufene Jahr 2022 konnte der Streaming-Anbieter mit einem erfolgreichen Schlussspurt abschließen. Im vierten Quartal bis Ende Dezember gewann das US-Unternehmen unter dem Strich 7,66 Millionen neue Kunden hinzu. Das ist deutlich mehr als Analysten geschätzt hatten. Sie hatten im Schnitt mit einem Plus von 4,5 Millionen Nutzern gerechnet.

Im ersten Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres hatte der Streamingdienst Nutzer verloren. Erst in der zweiten Hälfte wuchs Netflix wieder. Insgesamt brachte es Netflix zum Jahresende auf 230,75 Millionen Nutzerkonten. Neben "Harry & Meghan" konnte der Videodienst auch mit der Serie "Wednesday" sowie den Filmen "Troll" und "Glass Onion" punkten. "Wednesday" ist die dritterfolgreichste Show in der Geschichte von Netflix.

Optimistische Prognosen

"2022 war ein schwieriges Jahr mit einem holprigen Start, aber einem glänzenderen Abschluss", hieß es im Geschäftsbericht mit Blick auf die schwache erste Jahreshälfte. Netflix hatte zu Beginn der Corona-Pandemie einen regelrechten Kundenansturm erlebt, geriet danach aber in eine Krise mit zwischenzeitlichem Kundenschwund. Die Konkurrenz durch finanzstarke Wettbewerber wie Disney oder Amazon nahm zu. Wegen der hohen Inflation saß das Geld bei Kunden nicht mehr so locker.

Inzwischen läuft es bei Netflix jedoch wieder besser: Der Umsatz stieg im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund zwei Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn brach zwar von 607 Millionen auf 55 Millionen Dollar ein, dafür stellte Netflix für das laufende Vierteljahr einen Anstieg auf 1,3 Milliarden Dollar in Aussicht. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem Zuwachs auf 8,2 Milliarden Dollar.

Firmengründer Reed Hastings tritt zurück  

Firmen-Mitgründer Reed Hastings hält den Zeitpunkt offensichtlich für günstig, Abschied von seinen operativen Aufgaben als Vorstandschef zu nehmen: Nach mehr als zwei Jahrzehnten zieht sich der 62-Jährige aus dem Top-Management zurück. "Ich bin so stolz auf unsere ersten 25 Jahre und blicke voller Freude auf unser nächstes Vierteljahrhundert", erklärte Hastings. Der 62-Jährige fügte hinzu: "Selbst Gründer müssen sich weiterentwickeln."

Hastings bildete bei Netflix seit 2020 eine Vorstands-Doppelspitze mit dem langjährigen Top-Manager Ted Sarandos. Nun tritt Hastings in den Hintergrund, dürfte als geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender aber großen Einfluss behalten.

Die Aktie steigt

Zu seinem Nachfolger als Co-Chef an der Seite von Sarandos beförderte Netflix Greg Peters, der bislang im Vorstand das Tagesgeschäft verantwortete. Er arbeite schon seit 15 Jahren mit Peters und Sarandos zusammen und habe "in den vergangenen zweieinhalb Jahren das Management von Netflix zunehmend an sie delegiert", so Hastings. Er werde die beiden Netflix-Chefs fortan unterstützen und sich für einen guten Kurs der Netflix-Aktie einsetzen, sich zugleich aber stärker wohltätigen Zwecken widmen.

Die Aktien von Netflix reagierten nachbörslich mit einem Plus von über sieben Prozent. In den vergangenen drei Monaten hat der Kurs bereits um knapp 18 Prozent zugelegt. Vor einem Jahr notierte er allerdings noch 38 Prozent höher.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2023 um 08:37 Uhr.