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Mehr Frauen in Leitungspositionen EU-Geschlechterquote für Aufsichtsräte kommt

Stand: 14.03.2022 15:13 Uhr

In der EU ist der Weg für verbindliche Geschlechterquoten für Leitungspositionen in börsennotierten Unternehmen frei. Für Deutschland besteht allerdings kein Umsetzungsbedarf, da es schon eine Quotenregelung gibt.  

Die EU-Länder wollen eine Geschlechterquote in großen, börsennotierten Unternehmen. Danach müssen börsennotierte Firmen Maßnahmen treffen, um 40 Prozent der Aufsichtsratsposten oder 33 Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsposten an das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht zu vergeben. Der Plan sieht eine Frist bis Ende 2027 vor. Damit eine EU-Regelung wirksam werden kann, muss noch in Verhandlungen mit dem EU-Parlament eine Einigung auf die konkrete Ausgestaltung gefunden werden.

In Vorständen und Aufsichtsräten sitzen bislang im Schnitt deutlich mehr Männer als Frauen. Sollten mehr Frauen als Männer entsprechende Führungsposten besetzen, gilt die Quote also auch für Männer. Mit der Einigung folgen die EU-Staaten einem Vorschlag der EU-Kommission aus dem Jahr 2012.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) begrüßte das Ergebnis. "Wir erreichen damit einen wichtigen Meilenstein und bringen mehr Frauen in Führung", sagte sie. "Denn wir sehen deutlich: verbindliche Quoten wirken."

Kein Handlungsbedarf in Deutschland

"Mitgliedstaaten, in denen bereits ebenso wirksame Maßnahmen ergriffen wurden, sind von den Regelungen ausgenommen", heißt es. Damit falle für Deutschland kein weiterer Umsetzungsbedarf an. Denn seit 2015 gibt es in Deutschland bereits eine Frauenquote für Aufsichtsräte - 30 Prozent für besonders große Unternehmen. Zudem hatte sich die frühere große Koalition aus Union und SPD im vergangenen Jahr kurz vor der Sommerpause auf eine Quote für Vorstände geeinigt.

Bereits vor zehn Jahren hatte die EU-Kommission versucht, verbindliche Regeln einzuführen. Unter der damaligen EU-Justizkommissarin Viviane Reding gab einen entsprechenden Vorstoß, der jedoch von der Bundesregierung unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgelehnt wurde. Damals waren in Deutschland nur 15,6 Prozent der Aufsichtsräte weiblich. Eine ausreichende Mehrheit unter den EU-Ländern kam nicht zustande.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. März 2022 um 16:10 Uhr.