Eine Anlage des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen. | dpa

Probleme mit Russland-Geschäft Unsichere Zeiten für BASF

Stand: 29.04.2022 12:20 Uhr

Die Chemiebranche fürchtet die weiteren Folgen des Ukraine-Kriegs besonders, denn ein komplettes Energieembargo gegen Russland steht weiter im Raum. BASF leidet schon jetzt stark unter den Auswirkungen.

Von Jan Plate, ARD-Börsenstudio

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hält trotz der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs an seinen geplanten Jahreszielen fest. Allerdings bleibe das Marktumfeld von außergewöhnlich hoher Unsicherheit geprägt, so der Konzern. BASF trägt nämlich schwer an seiner Russland-Bürde.

Der Versuchung erlegen

Vor acht Jahren hatte Russland die Krim annektiert. Wegen der Spannungen mit der Ukraine hatte der Chemiekonzern damals den geplanten Verkauf von deutschen Gasspeichern an die russische Gazprom abgesagt. Aber am Ende erlagen die Manager doch der Verlockung: Deutsche Gasspeicher - darunter auch der größte natürliche Erdgasspeicher Europas im niedersächsischen Rehden - gingen an Gazprom.

Als Teil des Deals bekam die BASF-Tochter Wintershall Dea Förderrechte für Erdgas in Sibirien. Das damalige Bundeswirtschaftsministerium sah "keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland". Eine Unterbrechung russischer Erdgaslieferungen wurde für unwahrscheinlich gehalten.

Schlechter als der DAX

Mit dem aktuellen Angriff Russlands auf die Ukraine zeigt sich, wie sehr die Politik und die betroffenen Unternehmen falsch lagen. Wladimir Putin wurde eklatant unterschätzt - mit weitreichenden Folgen auch für BASF. Denn der geplante Börsengang von Wintershall Dea rückt damit in weite Ferne.

Unter normalen Bedingungen hätten dabei Experten zufolge rund zehn Milliarden Euro reinkommen können. Nicht nur deswegen hat die BASF-Aktie seit Anfang des Jahres fast 20 Prozent verloren. Sie schneidet somit deutlich schlechter ab als der deutsche Aktienindex DAX. In den vergangenen fünf Jahren ging es um fast 45 Prozent runter.

Tochterunternehmen in der Zwickmühle

Bei der Tochter Wintershall Dea zeigte sich gerade erst mit den Zahlen für das erste Quartal 2022: Es schlagen Abschreibungen auf das Russland-Geschäft in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Das liegt auch am Engagement bei der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 und beschert tiefrote Zahlen.

Neue Projekte in Russland sollen nicht begonnen werden, ist zu hören. Allerdings will das Unternehmen aus dem hessischen Kassel seine Beteiligungen an bestehenden Projekten in Russland aufrechterhalten. Bei einem Rückzug würden Milliardenwerte an den russischen Staat fallen, so Wintershall Dea.

Und wie sieht es für die Mutter BASF aus? Einige Spezialchemie-Sparten zeigen Schwächen, doch grundsätzlich läuft es soweit gut. Der Umsatz stieg im ersten Quartal dank höherer Preise um 19 Prozent. Die Ziele für dieses Jahr hat der DAX-Konzern bestätigt. Für 2022 rechnet das Unternehmen weiter mit einem Rückgang beim Umsatz auf 74 Milliarden bis 77 Milliarden Euro, nach einem Umsatz von fast 79 Milliarden im vergangenen Jahr.

Warnungen aus der Konzernzentrale

Doch alles steht und fällt mit dem weiteren Fortgang des Krieges und den politischen Reaktionen darauf. Erst recht, wenn die Politik - in Berlin und in Brüssel - nicht nur ein Ölembargo, sondern ein vollständiges Energieembargo gegen Russland beschließt.

BASF gehört zu den lautesten Mahnern mit Blick auf die Risiken eines solchen Embargos - auch mit Verweis darauf, dass fast die gesamte Industrie von der Chemie, von Grundstoffen abhängig sei. Das könnte die deutsche Volkswirtschaft in die schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs bringen - so Konzernchef Brudermüller.

Wegen des Kriegs will BASF den größten Teil seiner Geschäfte in Russland und Belarus bis Anfang Juli 2022 einstellen. Doch die Russland-Bürde mit der Tochter Wintershall Dea dürfte erstmal weiter zu schaffen machen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. April 2022 um 06:41 Uhr.