Exposimeter | Michael Böhm/br

Radon im Boden Besser nur in geringen Dosen

Stand: 20.02.2021 13:01 Uhr

Einige schwören auf Radon-Kuren bei Gelenkschmerzen. Doch zu viel von dem radioaktiven Edelgas erhöht die Krebsgefahr. In Bayern gibt es jetzt ein Pilotprojekt zu Radon-Belastung am Arbeitsplatz.

Von Anne Axmann, br, und Steffi Clodius, tagesschau.de

Der Landkreis Wunsiedel ist seit Mitte Februar sogenanntes Radon-Vorsorgegebiet: Das bayerische Umweltministerium geht davon aus, dass in mehr als zehn Prozent der Gebäude erhöhte Radon-Werte vorliegen. Der Referenzwert, ausgegeben vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Dieses natürlich vorkommende radioaktive Edelgas kann über undichte Fugen und Risse aus Boden und Luft in Gebäude gelangen. In geschlossenen Räumen kann deshalb die Gefahr für Lungenkrebs oder andere Lungenkrankheiten steigen.

Länder müssen Vorsorgegebiete ausweisen

Seit Anfang des Jahres ist es Pflicht, Radon-Werte zu messen. Das Strahlenschutzgesetz hat alle Bundesländer dazu verpflichtet, bis Ende 2020 Radon-Vorsorgegebiete auszuweisen. In diesen Gebieten ist laut BfS davon auszugehen, "dass die über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in der Luft in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen" den Referenzwert überschreitet.

Für Neubauten, die in diesen Gebieten entstehen, gelten zusätzliche bauliche Anforderungen. Befinden sich in Keller oder Erdgeschoss der Gebäude Arbeitsräume oder -plätze, muss hier regelmäßig die Radon-Konzentration in der Luft gemessen werden. Wo in Deutschland Radon im Erdboden auftritt, ist regional sehr unterschiedlich. Radon ist ein Zerfallsprodukt der radioaktiven Elemente Uran und Radium und strahlt selbst leicht. Je nach lokaler Geologie und Luftdurchlässigkeit des Erdbodens tritt es stark oder auch in nur sehr geringen Mengen auf.

Radon als Heilmittel

Doch Radon ist nicht per se schädlich, sondern wird auch als Heilmittel eingesetzt. So bietet das Kurzentrum in Weißenstadt, mitten im Wunsiedler Vorsorgegebiet gelegen, Radon-Kuren an: Im Eingangsbereich plätschert ein Radon-Trinkbrunnen, im Radon-Becken glitzert das Wasser türkisfarben und daneben befindet sich ein Radon-Inhalationsraum.

"Radon hat einen Einfluss auf das Immunsystem, auf die Immunzellen. Man hat empirisch festgestellt - seit mehr als hundert Jahren -, dass Radon Schmerzen und Entzündungen lindert", meint Josef Teuber, Facharzt für physikalische Medizin in Weißenstadt.

Die Dosis macht es. Das Edelgas kommt natürlich im Boden vor. Tritt es aus dem Boden aus und konzentriert sich in der Atemluft, kann es gefährlich werden, denn Radioaktivität schädigt das Erbgut. Mögliche Folge: Krebs. Echte Gefahr besteht aber nur, wenn man dauerhaft einer sehr hohen Radon-Dosis ausgesetzt ist.

Trinkwasserbrunnen | Michael Böhm/br

In Weißenstadt wird Radon gering dosiert als Heilmittel eingesetzt. Bild: Michael Böhm/br

Erhöhter Arbeitsschutz überall im Vorsorgegebiet

Im Kurzentrum von Weißenstadt, wo Radon bewusst als Heilmittel zum Einsatz kommt, wird deshalb bereits seit vielen Jahren die Radonkonzentration in der Luft genau gemessen - auch zum Schutz der Mitarbeiter. Dies geschieht mit kleinen schwarzen Geräten, den sogenannten Exposimetern. "Innen ist eine Folie, eine Art Kernspurdetektor. Die Mitarbeiter hier tragen es während der Arbeitszeit - es registriert, wie lange man wo gewesen ist, und man kann dann am Jahresende hochrechnen, wie hoch die Belastung gewesen ist", erklärt Geophyiker Günther Just.

Das kleine schwarze Exposimeter ist die einfachste Version, Kostenpunkt: 30 Euro. Etwas professionellere Geräte kosten etwa 500 Euro. Gemäß neuer Strahlenschutzverordnung müssen nun im Landkreis Wunsiedel alle Unternehmen, die Arbeitsplätze in Erdgeschoss oder Keller haben, Messungen vornehmen. Es ist ein Pilotprojekt des Landesamtes für Umwelt. Auch im Landratsamt wird nun ein Jahr lang die Radonbelastung gemessen, so Wunsiedels Landrat Peter Berek. Sollten die Werte zu hoch sein, gilt es Maßnahmen zu ergreifen: von Lüften über das Abdichten von Fugen bis hin zu größeren baulichen Veränderungen.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 18. Februar 2021 um 12:56 Uhr.