Eine Frau wird im kenianischen Machakos mit Covishield geimpft (Foto vom 24.03.2021). | picture alliance / ASSOCIATED PR

Institut Pasteur in Dakar Impfstoffproduktion in Afrika für Afrika

Stand: 17.07.2021 16:44 Uhr

Corona wird nur überwunden, wenn weltweit viel und schnell geimpft wird - auch im bevölkerungsreichen Afrika. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei das Institut Pasteur in Senegals Hauptstadt Dakar.

Von Sabine Krebs, ARD-Studio Nairobi

In mehreren afrikanischen Ländern breitet sich das Coronavirus derzeit rasant aus. Einer der Gründe dafür sind fehlende Impfstoffe: Weniger als drei Prozent der Bevölkerung sollen hier bisher geimpft worden sein. Die Vakzine kommen bisher über die Covax-Initiative des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sowie über Spenden. Während in Europa über Impfmüdigkeit diskutiert wird, ist Afrika von einer Impfgerechtigkeit weit entfernt.

Sabine Krebs ARD-Studio Nairobi

Weltweit anerkanntes Institut mit Vorreiterrolle

Und so ruhen große Hoffnungen auf dem Institut Pasteur in Dakar im Senegal und seinem Direktor Amadou Alpha Sall. Der 52-Jährige genießt international hohes Renommee. Sein ambitionierter Plan: von 2022 an vor Ort einen Corona-Impfstoff zu produzieren. Damit könnten viele Menschen in Afrika erreicht und geschützt werden. Das wäre ein großer Meilenstein für den Kontinent, der auch alle anderen Impfstoffe fast komplett importieren muss.

"Dass wir in Afrika für Afrika produzieren können, wäre eigentlich ein Schlüsselfaktor, um diese Epidemie zu beenden", sagt Sall. "Dieses Wissen kann dann auch genutzt werden, um uns auf andere Pandemien vorzubereiten. Um nicht nur über Covid zu sprechen oder über Seuchenkontrolle für künftige Pandemien. Ein solches Projekt ist absolut strategisch entscheidend.“

Am Institut Pasteur arbeiten derzeit rund 300 Mitarbeiter, die meisten von ihnen sind einheimische Wissenschaftler, Virologen und Epidemiologen. Das Haus nimmt in Westafrika eine Schlüsselfunktion ein und ist weltweit anerkannt. So hatte man hier schon ganz früh einen Corona-Schnelltest entwickelt, quasi direkt nach Ausbruch der Pandemie. Der wird inzwischen in mehrere Länder exportiert. Und das Institut Pasteur Dakar hat bereits Erfahrung mit der Impfstoffproduktion. Es stellt unter anderem seit Jahrzehnten Impfstoff gegen Gelbfieber her - als eine von vier Produktionsstätten überhaupt, von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt und zertifiziert.

 Produktion von Antigen-Tests im Institut Pasteur für den Senegal. | picture alliance / photothek

Mit seinen 3000 Mitarbeitenden spielt das Institut Pasteur in Dakar eine wichtige Rolle bei der afrikanischen Impfstoffforschung. Bild: picture alliance / photothek

Damit habe man gute Voraussetzungen, so Institutsdirektor Sall: "Ganz offensichtlich haben wir keinen Zugang für genügend Covid-Impfstoffe für Afrika. Wenn wir den also hier herstellen, wäre der für Afrika dann auch verfügbar." Außerdem, so Sall, habe das Institut seit 80 Jahren Erfahrung mit der Herstellung von Impfstoffen. "Wir können Impfstoffe vom Rohstoff bis zur Auslieferung produzieren." Das Virus mit all seinen Varianten trifft in Afrika auf eine weitgehend ungeimpfte Bevölkerung - 1,3 Milliarden Menschen leben hier. Niemand kann heute verlässlich prognostizieren, wie sich die Corona-Infektionszahlen in den nächsten Wochen entwickeln werden. Der mangelnde Impfschutz birgt außerdem das Risiko, dass immer neue Mutationen des Virus entstehen können.

Unterstützung von Europäischer Union und Deutschland

Neben dem Senegal mit seinem Institut Pasteur arbeiten mehrere afrikanischen Länder daran, eine Impfstoffproduktion aufzubauen. Sogenannte "Impfstoff-Hubs" sind im Gespräch. Unterstützt werden diese durch die EU, die dafür eine Milliarde Euro bereit stellen will, ebenso wie durch die Weltbank und weitere internationale Geldgeber. Eine entsprechende Vereinbarung wurde gerade getroffen. Deutschland unterstützt das Institut Pasteur mit einer Anschubfinanzierung von 20 Millionen Euro. Geplant ist eine komplett neue Impfstoff-Fabrik am Stadtrand von Dakar - auf höchstem technischen Niveau.

Und so hofft Sall, dass sein Haus in einem ersten Schritt Impfstoff abfüllen und im nächsten Jahr dann in Lizenz produzieren kann. "Der Faktor Zeit ist entscheidend für dieses Projekt. Wir müssen jetzt schnell liefern", sagt er. "Deshalb arbeiten wir als Partner mit verschiedenen Unterstützern, darunter auch Deutschland, an einem sehr ambitionierten Programm, um sicherzustellen, dass wir 2022 einen Covid-Impfstoff für Afrika liefern können." Und müssen, meint Amadou Sall, denn die Pandemie kann nur gebrochen werden, wenn alle in der Welt geimpft sind. Sonst wird sie immer wieder ausbrechen - mit immer neuen Varianten.

Über dieses Thema berichtete die ARD-Sendung "Weltspiegel" am 11. Juli 2021 um 19:20 Uhr.