Eine Luftaufnahme mit einer Drohne zeigt Behälter für Rohöl auf dem Gelände einer Raffinerie in Schwedt (Brandenburg). | dpa

PCK-Raffinerie Woher das Rohöl künftig kommen soll

Stand: 16.09.2022 13:41 Uhr

Die Raffinerie in Schwedt soll künftig kein russisches Öl mehr verarbeiten - und kommt unter Kontrolle des Bundes. Was heißt das für die Ölversorgung in Deutschland? Und woher soll das Rohöl für den wichtigen Standort kommen?

Der Weg vom Rohöl bis zum Kraftstoff an der Zapfsäule ist lang. Ohne Raffinerien - wie der im brandenburgischen Schwedt - säßen die Tankstellen schnell auf dem Trockenen. Bislang kommt das Öl für die PCK-Raffinerie in der Uckermark aus Russland, über die sogenannte "Druschba"-Pipeline. Die Raffinerie in Schwedt liegt mehrheitlich in der Hand der deutschen Tochter des russischen Staatskonzerns Rosneft.

Anteil des russischen Öls schon stark gesunken

Jetzt mischt sich aber die Bundesregierung ein. Sie hat Rosneft Deutschland unter staatliche Kontrolle gestellt, heißt konkret: unter eine Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur. Im April schon ist das im Fall der Gapzrom-Tochter Germania passiert. "Ganz wichtig ist die Funktionsfähigkeit dieser Einheiten aufrecht zu erhalten. Sei es in der Gasversorgung, Gasspeicherung - oder bei der Aufbereitung von Mineralöl", sagt der Energieanalyst Thomas Deser von Union Investment. "Hier muss einfach die Funktionsfähigkeit aufrechterhalten werden, auch bei finanziellen Engpässen oder bei Unwilligkeit der bisherigen Eigentümer."

Davon betroffen sind auch Raffinerien in Karlsruhe und dem bayrischen Vohburg, an denen Rosneft Deutschland ebenfalls beteiligt ist. Zum Jahreswechsel greift der Importstopp von Öl aus Russland, auf den sich die Staaten der Europäischen Union schon Ende Mai geeinigt hatten. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hat Deutschland den Anteil russischen Öls bereits stark reduziert - von ehemals 35 auf 12 Prozent. Die Raffinerie in Schwedt hängt von diesem verbleibenden Teil ab.

Per Schiff via Rostock und Danzig

Dass Rosneft freiwillig auf Öl aus anderen Ländern zurückgreift, ist kaum vorstellbar - daher nun also der Eingriff des Staates. Es müsse eine Ersatzbeschaffung her, "um die Weitergabe der Produkte in den Markt, also an die Tankstellen, sicherzustellen“, so Deser.

Diese Ersatzbeschaffung ist allerdings kein Selbstläufer. Diskutiert wird, das Öl für Schwedt künftig per Schiff anzuliefern - die Ostseehäfen in Rostock und dem polnischen Danzig können dabei eine Rolle spielen. Bereits im August hatte ein Tanker mit US-Rohöl für Schwedt Rostock erreicht. Die Hansestadt ist über eine Pipeline mit der Raffinerie verbunden. Lieferungen etwa aus Kasachstan könnten via Danzig und über Rohrleitungen weiter nach Schwedt transportiert werden.

Fraglich bleibt, ob die Mengen ausreichen, um die Raffinerie auszulasten. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte zuletzt auf eine Auslastung von mindestens 75 Prozent gehofft - durch Öllieferungen über Rostock und Danzig.
Offenbar machte Polen zur Bedingung, dass der russische Rosneft-Konzern keinen Einfluss mehr auf die Raffinerie in Schwedt hat.

Öl aus der Nordsee und der Golfregion

Eine ähnliche Auslastung mit Hilfe der Ostseeterminals soll den Plänen zufolge die Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt erreichen, die vom französischen Energiekonzern Total Energies betrieben wird. Auch Leuna war über die "Druschba"-Pipeline in der Vergangenheit vor allem mit Rohöl aus Russland versorgt worden. Bei der Umstellung auf andere Lieferanten ist man dort schon weiter als in Schwedt: Nach Angaben des Unternehmens kam bereits im vergangenen Monat rund die Hälfte des verarbeiteten Öls nicht aus Russland - sondern aus der Nordsee oder aus dem Persischen Golf.

Analysten schließen allerdings weiterhin nicht aus, dass es regional zu Kraftstoffengpässen kommen könnte. Der Preis für Benzin und Diesel dürfte aber eher vom globalen Markt abhängen und weniger von der Umstellung einer Raffinerie. Zuletzt litt der Ölmarkt unter der weltweit schwächelnden Konjunktur. Der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent ist in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Während ein Barrel Öl im März noch mehr als 120 Dollar kostete, liegt der Preis nun bei etwa 90 Dollar.

Mit Informationen von Sebastian Schreiber, ARD-Börsenstudio.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. September 2022 um 13:20 Uhr.