Monsanto-Firmenlogo an einem Bürogebäude in Düsseldorf

Monsanto zieht sieben Anträge für Gen-Anbau zurück Nur MON810 soll in der EU bleiben

Stand: 18.07.2013 11:31 Uhr

Der US-Agrarkonzern Monsanto zieht alle ausstehenden Zulassungsanträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in der Europäischen Union zurück. Grund sei die fehlende kommerzielle Perspektive, sagte der für Europa zuständige Manager Jose Manuel Madero der Nachrichtenagentur Reuters. Die EU-Kommission bestätigte die Ankündigung und teilte mit, sie nehme die Entscheidung des Konzerns "zur Kenntnis".

Anbau soll erneut beantragt werden

"Wir werden die Anträge in den kommenden Monaten zurücknehmen", so Madero. Betroffen seien fünf Anträge für genetisch veränderten Mais, einer für Sojabohnen und einer für Zuckerrüben. Dagegen werde man weiter eine Erneuerung der Zulassung für die Maissorte MON810 anstreben. Sie ist bislang die einzige genetisch veränderte Nutzpflanze, die kommerziell in Europa angebaut wird.

Ende Mai hatte der Konzern bereits mitgeteilt, keine neuen Anträge mehr stellen zu wollen. "Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa", sagte ein Firmensprecher damals der Tageszeitung "taz". Grund sei unter anderem die geringe Nachfrage seitens der Bauern nach dem Saatgut.

Energischer Protest in Deutschland

Gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gibt es vor allem in Deutschland seit Jahren eine breite Protestbewegung. Sie hatte unter anderem dazu beigetragen, dass die Bundesregierung 2009 den Anbau von Monsantos gentechnisch verändertem Mais MON810 in Deutschland untersagte.

Die EU hatte dem MON810-Anbau 1998 für zehn Jahre erlaubt. Wegen der kritischen Haltung mehrerer EU-Länder gibt es bisher aber noch keine Einigung über eine Neuzulassung - der Anbau bleibt jedoch bis zu einer endgültigen Entscheidung möglich. Neben Deutschland haben aber auch eine Reihe von weiteren EU-Ländern den Anbau der Pflanze auf ihrem Gebiet verboten.

Das US-Unternehmen, das seinen deutschen Sitz in Düsseldorf hat, verspricht Milliardenvorteile durch Ertragssteigerungen und deutlich weniger Aufwand für Pflanzenschutz durch die Gentechnik. Umweltschützer befürchten unkalkulierbare Risiken für die Umwelt, wenn genetisch verändertes Saatgut in Umlauf gebracht wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juli 2013 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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moehb 18.07.2013 • 16:39 Uhr

Ein Schritt

Die Genkritiker (wie ich) werden häufig als "Technologiemuffel" oder Fortschrittsgegner abgestempelt. Dabei muss man kein Wissenschaftler sondern nur ein aufgeklärter Bürger sein, um zu erkennen, was für eine perfide Strategie Monsanto seit Jahren (insbesondere in Amerika) fährt. Monsanto hat nur ein einziges Ziel: die Nahrungskette von der Wurzel an zu kontrollieren und uns abhängig machen . Dazu kann ich jedem nur empfehlen die Doku "The World according to Monsanto" zu sehen (ist verfügbar auf YouTube). Auch ARTE hatte kürzliche interessante Berichte gezeigt. . Wie wir sehen: Widerstand zahlt sich eben doch aus! Dennoch gelangen durch die Hintertür jährlich 30 Millionen Tonnen (hauptsächlich) genverändertes Tierfutter in die EU. Der Protest hat also alles andere als einen Grund zur Ruhe. Und ich traue diesem Konzern auch mit ihren angeblich konventioenelle Produkten für Europa nicht über den Weg. Kein Schritt.