Fließband in der Autoindustrie | dpa

Konjunkturhoffnungen steigen ZEW signalisiert großen Optimismus

Stand: 11.05.2021 13:16 Uhr

So gut war die Stimmung unter Finanzmarktexperten zuletzt im Jahr 2000: Die Hoffnung auf eine gebremste dritte Corona-Welle sorgt für großen Optimismus. Der ZEW-Index steigt rasant an.

Finanzmarktakteure, Analysten und Anleger blicken nach aktuellen Daten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) so optimistisch in die Zukunft wie zuletzt im Februar 2000. Das ZEW-Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Mai um 13,7 Punkte auf 84,4 Zähler.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 72,0 Zähler gerechnet. Im April gab es noch einen Rückgang nach zuvor vier Anstiegen.

"Das Bremsen der dritten Covid-19-Welle hat die Finanzmarktexperten noch optimistischer werden lassen", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die Expertinnen und Experten rechnen mit einem deutlichen Wirtschaftsaufschwung in den nächsten sechs Monaten." Auch der Konjunkturausblick für das Eurogebiet und die USA habe sich erheblich verbessert.

"Aufschwung wird vorankommen"

Die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage wird aber weiter deutlich negativer betrachtet als die Erwartungen. Der entsprechende Indikator stieg um 8,7 Punkte auf minus 40,1 Punkte. Fachleute hatten lediglich einen Anstieg auf minus 41,6 Punkte prognostiziert.

"Die Stimmung unter den befragten Finanzmarktakteuren hat sich verbessert", kommentiert Patrick Boldt, Volkswirt bei der Helaba. Besonders der Saldo der Konjunkturerwartungen spreche für die Hoffnungen auf Besserung im Verlauf der kommenden Monate.

"Die Impferfolge und die zu erwartende Erholung im Dienstleistungssektor überwiegen die Nachschubprobleme bei Materialien in der Industrie", unterstreicht Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. Der Aufschwung werde dank zu erwartender Öffnungen des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Freizeitsektors in den kommenden Monaten vorankommen, meint Gitzel.

Beachtliches Wachstum im Gesamtjahr

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im ersten Quartal wegen der Corona-Beschränkungen um 1,7 Prozent gefallen. Ab dem Frühjahr wird Europas größter Volkswirtschaft eine Erholung zugetraut, da wegen sinkender Neuinfektionen Lockerungen in Aussicht stehen und sich die Auftragsbücher der exportabhängigen Industrie gefüllt haben.

Im Gesamtjahr könnte es nach Prognose der Bundesregierung zu einem Wachstum von 3,5 Prozent reichen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist deutlich pessimistischer als die Regierung. Die Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Anstieg des BIP um 3,1 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Mai 2021 um 16:00 Uhr.