Förderanlage auf dem Khurais-Ölfeld | dpa

Nur geringe Zusatzförderung Preise steigen nach OPEC-Entscheidung

Stand: 05.10.2021 14:39 Uhr

Trotz der rasant gestiegenen Ölpreise wollen die wichtigsten Förderländer in Zukunft nur wenig Öl fördern. Diese Entscheidung lässt sie Preise schon jetzt weiter steigen. Denn ein Ende der hohen Nachfrage ist nicht in Sicht.

Von Mark Ehren, tagesschau.de

Das Ölexportkartell OPEC+ hat die Märkte mit seiner Entscheidung zu den weiteren Fördermengen noch stärker in Unruhe versetzt. Die Gruppe, zu der neben den OPEC-Mitgliedern wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) weitere wichtige Förderländer wie Russland gehören, hatte gestern nur die frühere Entscheidung bestätigt, die Förderung im November um 400.000 Barrel pro Tag anzuheben.

Der Verzicht auf eine deutlich höhere Rohölförderung trieb den Preis für die Nordsee-Sorte Brent um mehr als drei Prozent auf 82 Dollar nach oben. Das war der höchste Stand seit drei Jahren.

Um Ausreden nicht verlegen

"Wir haben Angst vor der vierten Corona-Welle, niemand will große Schritte unternehmen", betonte ein Brancheninsider, den die Nachrichtenagentur Reuters zitierte. "Wir werden die Situation beobachten, wie wir wissen, sinkt die Nachfrage normalerweise im vierten Quartal", begründete der stellvertretende russische Premierminister Alexander Nowak die Entscheidung der OPEC+.

Deutlicher Nachfrageanstieg erwartet

Dabei gibt es derzeit keine Hinweise auf eine sinkende Nachfrage. Laut dem neuesten Bericht der EIA (Energy Information Administration), dem Amt für Energiestatistik im US- Energieministerium, ist vom dritten auf das vierte Quartal mit einem Anstieg der weltweiten Nachfrage von 98,6 auf 99,8 Millionen Barrel pro Tag zu rechnen. Bis zum Ende des kommenden Jahres soll die weltweite Nachfrage um weitere rund 2,4 Millionen Barrel pro Tag steigen. Demgegenüber steht die bisher beschlossene Anhebung der Fördermenge um 0,4 Millionen Barrel pro Tag. Der Wunsch vieler Marktteilnehmer nach einer größeren Anhebung der Produktion wurde damit nicht erfüllt.

"Der Ölmarkt hätte solche Mehrmengen problemlos aufnehmen können, ohne dass die Ölpreise dadurch großartig abgerutscht wären", hieß es vom Öltechnikunternehmen Tecson in einem Marktkommentar. "Damit ist vermutlich der Weg frei für Ölpreise bis 100 Dollar je Barrel." Eine derart drastische Prognose hatte es auch bereits im Frühsommer gegeben.

Gaspreise treiben die Ölpreise

Die Experten verweisen zur Begründung auch auf die stark gestiegenen Preise für Erdgas. "Sie sind mittlerweile sechsmal so teuer wie im langjährigen Mittel. Wer kann, ersetzt den Energieträger durch Öl. Dadurch wird ein Teil der Gasknappheit auf den Ölmarkt übertragen und sorgt dort für Preisauftrieb."

Fraglich ist, ob die neue Gaspipeline Nord Stream 2 der Knappheit schnell abhelfen kann. Der deutsche Energiekonzern Uniper als einer der wichtigsten Finanziers des Milliardenprojekts erwartet nicht, dass die Bundesnetzagentur der umstrittenen Gaspipeline eine rasche Betriebsgenehmigung erteilen wird. "Die Zertifizierung der Pipeline, nach alledem, was ich weiß, wird auf jeden Fall so spät sein, dass diese Pipeline uns in diesem Winter nicht mehr hilft", hatte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach in der vergangenen Woche gesagt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2021 um 09:00 Uhr in der Börse Live.