In einem Schaufenster in der Fußgängerzone hängt ein Schild mit der Aufschrift "geschlossen".  | dpa

Folgen der Corona-Pandemie Die Städte leiden besonders

Stand: 19.04.2021 11:25 Uhr

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betreffen besonders die Städte. Dagegen kommen ländliche Gebiete glimpflicher davon, wie eine Studie des Münchner Ifo-Instituts zeigt.

Städte leiden wirtschaftlich besonders stark unter der Corona-Krise. In ihnen stieg die Arbeitslosigkeit schneller und das Geschäftsklima verschlechterte sich stärker als andernorts, wie eine Untersuchung des Münchner Ifo-Instituts ergibt. So sei die Erwerbslosenquote in den deutschen Großstädten von Januar 2020 bis August 2020 um knapp 1,5 Prozentpunkte gestiegen. In den ländlichen Gebieten ging nahm sie nur um 0,3 bis 0,8 Punkte zu.

Bis zum Ende des Beobachtungszeitraums im Dezember 2020 habe sich die Lage zwar etwas entspannt, "die Städte standen allerdings immer noch klar am schlechtesten da", erläutert der Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, Andreas Peichl, das Ergebnis. Die Forscher haben vier regionale sogenannte Cluster untersucht, die jeweils ähnliche demografische, strukturelle und infektionsbezogene Merkmale aufweisen.

Mehr Dienstleistungen, weniger Industrie

Hauptgrund für die schlechtere Lage der Städte ist die im Vergleich zu ländlichen Regionen unterschiedliche Wirtschaftsstruktur. In den Städten dominieren die Dienstleistungen, der Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie der Tourismus, Branchen, die am meisten von den Einschränkungen der Pandemie betroffen sind. Dagegen ist auf dem Land und in Kleinstädten noch mehr Industrie und verarbeitendes Gewerbe anzutreffen, die sich nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres besonders kräftig erholt haben.

Als Belastung erweist sich auch der hohe Anteil des stationären Einzelhandels - einem Verlierer der Pandemie - an der Wertschöpfung in den Städten. Dagegen sind große Online-Händler wie Amazon die Gewinner, haben ihren Sitz aber eher in der Nähe von Autobahnen auf dem Land. Diese Unterschiede innerhalb der Branchen könnten eine Erklärung für die Beobachtung sein, dass Städte in der Pandemie schlechter gestellt sind, heißt es in der Ifo-Studie.

Schwachstelle Tourismus

Eine weitere Schwachstelle ist die Abhängigkeit vom Tourismus. Während die Städte in normalen Zeiten viele Geschäftsreisende und ausländische Besucher beherbergen, profitiert der Tourismus auf dem Land - zumindest im Sommer 2020 - in erster Linie von inländischen Reisenden. Eine nähere Betrachtung der Hotelunternehmen in den ifo-Unternehmensbefragungen habe dies bestätigt.

Hinzu kommt: Das Infektionsgeschehen sei in der zweiten Welle in den Städten höher gewesen als auf dem Land, betont das ifo-Institut - mit fatalen Folgen. "Das Infektionsgeschehen könnte die Angst vor Ansteckungen erhöht, und somit den Konsumeinbruch verstärkt haben", so die Autoren der Studie.

Wie nachhaltig ist der Effekt?

Ob die Städte auch langfristig Verlierer der Corona-Krise sein werden, sei noch nicht zu beurteilen, schreiben die Autoren der Studie. "Einerseits dürften die Städte von etwaigen Nachholeffekten nach der Krise überdurchschnittlich profitieren, wenn Einzelhandelsgeschäfte öffnen können und sozialer Konsum wieder möglich ist." Andererseits könnten Trends wie Homeoffice und Digitalisierung zentrale Stadtlagen aus Sicht von Unternehmen unattraktiver machen, "so dass sie in günstigere ländliche Gebiete abwandern".

Auch eine potenzielle Insolvenzwelle, etwa in der Gastronomie, könnte die Städte stärker betreffen und folglich unattraktiver machen. Schließlich werde eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland und besonders der Städte nur durch eine nachhaltige Eindämmung der Pandemie zu erreichen sein, erklären die Forscher des ifo.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. April 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.