Offene Geldbörse mit einigen Münzen | picture-alliance/ dpa

Wegen hoher Energiepreise Historischer Verlust an Kaufkraft erwartet

Stand: 08.09.2022 12:39 Uhr

Die Experten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft sagen für kommendes Jahr eine Rezession und Rekordinflation in Deutschland voraus. Privaten Haushalten droht ein empfindlicher Verlust an Wohlstand.

Die hohen Energiepreise lassen Deutschland nach der Herbstprognose des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) 2023 in eine Rezession abgleiten. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 0,7 Prozent zurückgehen, teilte das IfW Kiel am Donnerstag mit. Damit korrigierte das Institut seine bisherige Prognose drastisch um 4 Prozentpunkte nach unten. Im Juni hatte es noch ein kräftiges Plus von 3,3 Prozent erwartet.

Rekordinflation voraus

Für das laufende Jahr rechnen die Kieler Forscher beim BIP noch mit einem Plus von 1,4 Prozent, das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als in der Sommerprognose erwartet. Die Inflationsrate dürfte der Prognose zufolge im nächsten Jahr auf ein Rekordhoch von 8,7 Prozent steigen, im laufenden Jahr erwartet das IfW Kiel eine Teuerung von 8,0 Prozent.

Grund dafür sei, dass die Marktpreise für Strom und Gas erst verzögert bei den Verbrauchern ankämen. Erst 2024, wenn die Energiepreise wieder nachgeben, wird sich die Inflation den Konjunkturexperten zufolge beruhigen und auf 3,1 Prozent sinken.

Konsum wird wohl länger schrumpfen

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abwärtssog", fassten die Kieler Ökonomen ihre Prognose zusammen. Die jüngsten Preissprünge bei Strom und Gas dürften zu einem erheblichen Verlust von Kaufkraft in den privaten Haushalte führen.

Die Experten gehen davon aus, dass Kaufkraft im kommenden Jahr um 4,1 Prozent einbricht - und damit so stark wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. Das ließe in der Folge den privaten Konsum bis weit ins kommende Jahr hinein schrumpfen.

"Deutschland wird ärmer"

"Mit den hohen Importpreisen für Energie rollt eine konjunkturelle Lawine auf Deutschland zu", kommentierte Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des IfW Kiel, die neuen Prognosen für Deutschland, Europa und die Weltwirtschaft. Die Energiekrise mache einer sonst zu erwartenden kräftigen Erholung nach der Pandiemie einen Strich durch die Rechnung.

"Die teuren Energieimporte bedeuten, dass Deutschland nun einen weitaus größeren Teil seines erwirtschafteten Einkommens ins Ausland überweisen muss als bislang. Deutschland wird dadurch insgesamt ärmer", so Kooths. Mit seinen Entlastungspaketen könne der Staat die Lasten daher nur umverteilen - "aus der Welt schaffen kann er sie nicht".

Eher geringe Folgen für den Arbeitsmarkt

Die Rezession wird den Ökonomen zufolge auch Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. "Aufgrund des Fachkräftemangels dürften sie jedoch vergleichsweise gering ausfallen." Die Arbeitslosenquote wird demnach von 5,3 Prozent im laufenden Jahr auf 5,6 Prozent 2023 steigen.

Deutlich eingetrübt haben sich derweil auch die Prognosen der Kieler Forscher für die Weltkonjunktur. Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr um 2,9 Prozent und im nächsten Jahr um 2,2 Prozent zulegen. Ein Grund sei auch, dass Chinas Wirtschaft wegen der strikten Null-Covid-Politik des Landes und Problemen im Immobiliensektor schwächelt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. September 2022 um 07:37 Uhr.