Offen-Schilf hängt vor einem Geschäft | dpa

Regierung stoppt Ruhetage Wirtschaft erleichtert nach Kehrtwende

Stand: 24.03.2021 13:46 Uhr

Erst protestierten die Wirtschaftsverbände heftig gegen die geplanten Ruhetage am Gründonnerstag und Karsamstag. Nun loben sie umso mehr die Rücknahme dieser Pläne .

Mehrere Wirtschaftsverbände haben die Rücknahme der geplanten Ruhetage am Gründonnerstag und Karsamstag begrüßt. "Das ist eine richtige Entscheidung", erklärte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). "Dass die Bundeskanzlerin sie so rasch und bei Übernahme persönlich voller Verantwortung getroffen hat, verdient großen Respekt."

Anerkennung für Entscheidung und Eingeständnis

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger lobte die Rücknahme der geplanten Osterruhe ebenfalls. "Die mutige Entscheidung der Bundeskanzlerin beweist Führungsstärke", sagte er. Für das Management der Corona-Krise gebe es keine Blaupause. "Umso mehr habe ich Respekt dafür, dass die Kanzlerin den Beschluss zurückgenommen hat."

Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger | REUTERS

Arbeitgeber-Präsident Dulger sprach von einer mutigen Entscheidung der Kanzlerin. Bild: REUTERS

Ähnlich äußerte sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung. "Einen Fehler einzuräumen, zeugt von Größe", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller, die zu Beginn von Angela Merkels Kanzlerschaft als Staatsministerin im Kanzleramt unter ihr gearbeitet hatte. Das Land müsse jetzt zusammenstehen und nach Lösungen, nicht nach Fehlern bei anderen suchen, so Müller. "Unser gemeinsames Ziel bleibt die Eindämmung der Pandemie."

Merkel: Zu viele Fragen kurzfristig nicht lösbar

Bundeskanzlerin Merkel hatte in einer Pressekonferenz am Mittag erklärt, die Idee der Ruhetage sei mit bester Absicht entworfen worden. Sie "war aber in der Kürze der Zeit nicht gut genug umsetzbar, wenn sie überhaupt jemals so umsetzbar ist, dass Aufwand und Nutzen in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis stehen", sagte die Regierungschefin.

Das Vorhaben habe "viel zu viele Fragen" aufgeworfen, die "in der Kürze der Zeit" nicht hätten beantwortet werden können, so Merkel. Als Beispiele nannte sie die Lohnfortzahlung durch ausgefallenen Arbeitsstunden und die Lage in den Geschäften und Betrieben.

Wirtschaft hatte Ruhetage-Pläne massiv kritisiert

Nachdem Bund und Länder in der Nacht von Montag auf Dienstag zunächst die Pläne für zusätzliche "Ruhetage" am Gründonnerstag und Karsamstag verkündet hatten, waren die Wirtschaftsverbände dagegen Sturm gelaufen. Sie rügten diverse offene Fragen und kritisierten neben den Kosten auch die großen Probleme bei der Umsetzung. Auch vor dem Hintergrund dieser massiver Proteste war es am Vormittag überraschend zu erneuten Beratungen von Bund und Ländern gekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2021 um 14.00 Uhr sowie die tagesthemen am 24. März 2021 um 22:35 Uhr.