Hinweisschild zu Tankstellen für Diesel- und Benzinfahrzeuge | AFP
Hintergrund

Dieselpreis auf Rekordhoch Warum Öl und Sprit so teuer sind

Stand: 18.10.2021 14:03 Uhr

Die Ölpreise steigen immer weiter. Das macht nicht nur Heizen für viele teurer, sondern hat auch den Dieselpreis auf ein neues Allzeithoch steigen lassen. Warum verteuern sich Rohöl und Kraftstoffe derzeit so stark?

Die Folgen der steigenden Ölpreise zeigen sich immer deutlicher an den Tankstellen in Deutschland. Ein Liter Diesel kostete nach Angaben des ADAC am Sonntag im bundesweiten Durchschnitt 1,555 Euro und damit so viel wie noch nie zuvor. Der bisherige Höchststand von 1,554 Euro pro Liter Diesel stammte vom August 2012.

Auch der Benzinpreis nähert sich seinem Allzeithoch. Für einen Liter der Sorte Super E10 mussten Autofahrer am Sonntag im Bundesdurchschnitt 1,667 Euro zahlen. Das Rekordhoch liegt bei 1,709 Euro pro Liter und wurde am 13. September 2012 erreicht.

Rohölpreise erreichen mehrjährige Höchststände

Seit Monaten zeigt die Tendenz bei den Ölpreisen und in der Folge auch bei den Spritpreisen nach oben. Die Energiepreise sind dabei ein wichtiger Faktor für die aktuell hohe Inflationsrate: Im September des laufenden Jahres lagen die Verbraucherpreise in Deutschland 4,1 Prozent höher als im September 2020. Heizöl verteuerte sich innerhalb dieser zwölf Monate um 76,5 Prozent. Für Kraftstoffe lag die Steigerungsrate nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 28,4 Prozent.

Im laufenden Monat geht diese Entwicklung weiter. Ein Barrel (159 Liter) der Öl-Sorte Brent aus der Nordsee kostete am Morgen 86,04 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt vor drei Jahren. Allein seit Oktober 2020 hat sich der Preis für ein Barrel mehr als verdoppelt. Für ein Fass der amerikanischen Öl-Sorte WTI mussten am frühen Morgen bis zu 83,73 Dollar bezahlt werden. Das war der höchsten Stand seit 2014.

Hohe Nachfrage treibt den Ölpreis in die Höhe

Ein wichtiger Grund für den steigenden Ölpreis ist die hohe Nachfrage, da sich die Wirtschaft nach den Einschränkungen in der Corona-Pandemie wieder erholt. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihrer aktuellen Schätzung davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr um durchschnittlich 5,5 Millionen Barrel pro Tag zulegen wird. Im kommenden Jahr sei mit einer weiteren Zunahme der Nachfrage um 3,3 Millionen Barrel zu rechnen.

Dass der Erdölbedarf steigt, hat auch mit der gestiegenen Nachfrage nach Kohle und Erdgas zu tun. Weil sich deren Weltmarktpreise ebenfalls nach oben entwickeln, wird Öl als Brennstoff in Kraftwerken attraktiver. "Rekordpreise für Kohle und Gas sowie wiederkehrende Ausfälle veranlassen den Stromsektor und energieintensive Industrien, sich dem Öl zuzuwenden, um Lichter brennen zu lassen und den Betrieb am Laufen zu halten", teilte die IEA in ihrem jüngsten Monatsbericht mit.

Fördermengen steigen langsamer als die Nachfrage

Die großen Ölförderländer der Opec+ tragen mit ihrer Angebotspolitik ebenfalls zur Entwicklung bei. Anfang Oktober beschlossen sie, an ihren bereits im Sommer abgestimmten Plänen festzuhalten und die tägliche Ölförderung ab November um 400.000 Barrel pro Tag anzuheben. Allerdings schätzt die Energieagentur IEA, dass mit dieser moderaten Steigerung die weltweite Rohölförderung zwischen Oktober und Dezember immer noch um etwa 700.000 Barrel pro Tag unter der erwarteten Nachfrage bleiben wird. Dieses zu geringe Angebot treibt somit ebenfalls die Preise in die Höhe.

Neben den hohen Ölpreisen beeinflussen weitere Faktoren in diesem Jahr die Spritpreise an den Tankstellen. Seit Jahresbeginn gilt die neue CO2-Abgabe in Höhe von 25 Euro pro Tonne, die den Ausstoß des klimaschädlichen Gases verteuern und damit den Umstieg auf klimafreundlichen Technologien fördern soll. Die CO2-Abgabe führt derzeit an den Tankstellen zu einem Aufschlag von rund sechs bis acht Cent je Liter.

Steuern und Abgaben machen in Deutschland einen wesentlichen Teil des Benzin- und Dieselpreises aus. Bei Diesel sind das auf dem aktuellen Preisniveau etwa 25 Cent Mehrwertsteuer, gut 47 Cent Energiesteuer und die CO2-Abgabe. Bei Superbenzin sind es neben der CO2-Abgabe die Energiesteuer von gut 65 Cent pro Liter und die Mehrwertsteuer - beim aktuellen Preisniveau rund 26 Cent.

Innerhalb Europas unterscheiden sich die Spritpreise sehr stark - aufgrund verschiedener Faktoren wie der erhobenen Steuern und Abgaben. Beim Benzinpreis gehört Deutschland zu den teuersten Ländern - auch wenn vor allem in Dänemark und den Niederlanden nochmals mindestens 25 Cent mehr pro Liter verlangt werden. Dagegen kostet Super E10 zum Beispiel in Österreich oder Tschechien im Schnitt rund 35 Cent pro Liter weniger als in Deutschland. Für Dieselfahrer sind die Preise an deutschen Tankstellen allerdings im Schnitt etwas niedriger als in vielen anderen europäischen Staaten. Zum Vergleich: In der Schweiz kostete der Liter Diesel zuletzt gut 30 Cent und in Italien, Belgien oder Großbritannien noch etwa 20 Cent mehr als in der Bundesrepublik.

Auch der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro spielt als Preisfaktor eine Rolle, weil Rohöl in Dollar gehandelt wird. Derzeit kostet ein Dollar zwischen 0,86 und 0,87 Euro. Anfang Januar mussten für einen Dollar nur gut 0,81 Euro bezahlt werden - das bedeutet, dass der Euro gegenüber dem Dollar in dieser Zeit an Wert verloren hat, was die in Dollar abgerechneten Geschäfte entsprechend verteuert.

Prognose schwierig

Diese wichtigen Faktoren sprechen dafür, dass die Öl- und Spritpreise in den nächsten Monaten weiter steigen werden. Allerdings sind viele Experten auch der Ansicht, dass die Ölförderländer ein Interesse daran haben, die weltweite Konjunkturerholung nicht durch einen zu hohen Ölpreis abzuwürgen. Deswegen gehen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer aktuellen Prognose zwar davon aus, dass der Ölpreis 2022 nochmals anziehen wird, aber im Jahresdurchschnitt nur noch um rund 13 Prozent gegenüber 2021 - nach einer Verteuerung von 59 Prozent im laufenden Jahr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.

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Moderation 18.10.2021 • 21:51 Uhr

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