Ölpumpen

Strategische Reserve Deutsche Erdölvorräte auf Tiefstand

Stand: 28.03.2022 10:51 Uhr

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg hat die Bundesregierung Öl aus der strategischen Reserve freigegeben. Schon vor Russlands Angriff auf das Land waren die deutschen Vorräte auf dem niedrigsten Stand seit 2015.

Für 90 Tage soll die strategische Ölreserve im Krisenfall die Versorgung Deutschlands gewährleisten. Bereits vor dem Ukraine-Krieg hatte sie den niedrigsten Stand seit 2015 erreicht. Am 31. Januar 2022 seien 22,6 Millionen Tonnen Rohöl, Kraft- und Heizstoffe eingelagert gewesen, teilte der Hamburger Senat als Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bürgerschaftsfraktion mit. Am 31. März 2021 hatten die Vorräte noch 23,3 Millionen Tonnen Rohöläquivalente betragen.

Der bis dahin niedrigste Stand war am 31. März 2018 mit 22,7 Millionen Tonnen erreicht worden, der höchste im März 2016, als 23,6 Millionen Tonnen Rohöl, Kraft- und Heizstoffe in Tanks und Kavernen lagerten.

Ölreserven freigegeben

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg und um den Preisdruck am Ölmarkt zu senken hatte die Bundesregierung vor drei Wochen einen Teil der nationalen Ölreserve freigegeben. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) sollten die 31 Mitgliedsländer der Agentur 60 Millionen Barrel Rohöl freigeben. Deutschland wollte sich entsprechend seinem Anteil am Erdölverbrauch der IEA-Länder von 5,4 Prozent mit 434.000 Tonnen Öl beteiligen.

Der Erdölbevorratungsverband, der in Hamburg sitzt und die deutsche strategische Ölreserve verwaltet, hält nach eigenen Angaben jederzeit so viel Erdöl und Erdölerzeugnisse vor, wie in den drei Vorjahren im Schnitt innerhalb von 90 Tagen netto importiert wurden.

Schwankender Ölpreis

In den vergangenen vier Wochen legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent unter großen Schwankungen um fast 20 Prozent zu. Russland ist einer der größten Erdölförderer der Welt, sodass Marktakteure fürchten, dass bei einem Ausfall russischer Lieferungen Engpässe auf dem Weltmarkt eintreten könnten. Dieses Risiko und die Spekulation um mögliche Versorgungsschwiergkeiten hat die Ölnotierungen insgesamt nach oben getrieben.

Während sich die USA und Großbritannien von russischem Rohöl lösen wollen, ist die EU wegen der hohen Abhängigkeit von russischen Energieimporten diesen Schritt bisher nicht gegangen, auch wenn zuletzt ein Ölembargo diskutiert wurde.  

Aktuell gibt der Ölpreis, der regelmäßig durch vielfältige ökonomische und politische Erwägungen beeinflusst wird, deutlich nach. Fachleute nennen dafür zwei mögliche Gründe: So hat China die Finanzmetropole Shanghai wegen eines Corona-Ausbruchs in einen Teil-Lockdown geschickt. Marktakteure rechnen deshalb mit einer schwachen Konjunkturentwicklung und sinkender chinesischer Ölnachfrage.

Darüber hinaus haben jemenitische Huthi-Rebellen eine mehrtägige Feuerpause gegenüber Saudi-Arabien angekündigt. In den vergangenen Tagen hatten Angriffe auf saudische Ölanlagen immer wieder Sorgen hinsichtlich der ohnehin angespannten Erdölversorgung hervorgerufen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. März 2022 um 09:00 Uhr.