Eine Friseurin schneidet einer Kundin die Haare. | dpa

Umfrage unter Firmen Preiserhöhungen wegen des Mindestlohns?

Stand: 09.09.2022 16:40 Uhr

Zum 1. Oktober wird der gesetzliche Mindestlohn erhöht. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts plant fast 60 Prozent der betroffenen Firmen Preiserhöhungen - was die Inflation anheizen dürfte.

Die erneute Anhebung des Mindestlohns in Deutschland zum 1. Oktober dürfte nach Einschätzung des Münchener ifo-Instituts "die ohnehin schon große Inflation weiter antreiben". Knapp ein Drittel der 6900 befragten Firmen beschäftige einen Teil der Mitarbeiter für weniger als 12 Euro pro Stunde, teilten die Konjunkturforscher heute mit. 58 Prozent dieser Unternehmen planen demnach "als Reaktion, ihre Preise hochzusetzen".

Zweistellige Inflationsrate droht

Der Mindestlohn in Deutschland stieg zuletzt im Juli von 9,82 auf 10,45 Euro je Stunde. Zum 1. Oktober wird er nun gesetzlich zum 1. Oktober auf 12 Euro erhöht. Davon profitieren mehr als sechs Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Bei den betroffenen Unternehmen sind laut ifo-Institut "Preiserhöhungen die am häufigsten genannte Folge".

Schon jetzt liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 7,9 Prozent. Ökonomen zufolge könnte sie wegen der hohen Energiepreise in den kommenden Monaten zweistellig werden. Die Bundesbank etwa korrigierte ihre Schätzungen zur weiteren Entwicklung der Verbraucherpreise jüngst auf zehn Prozent. Neben dem Ende des Entlastungspakets im September sorge auch die Anhebung des Mindestlohns für zusätzlichen Kostendruck, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Notenbank.

Die Hälfte der betroffenen Betriebe rechnet laut ifo mit weniger Gewinn, ein Viertel mit weniger Nachfrage. Jeweils 18 Prozent erwägen demnach, im Gegenzug die Arbeitszeit der Beschäftigten zu verringern oder Sonderzahlungen zu kürzen. Nur 13 Prozent der betroffenen Unternehmen planten, deshalb Stellen abzubauen, sagte ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link.

Unterschiede je nach Branche und Region

Allerdings wollen die Firmen ihre Investitionen sowie Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen der Umfrage zufolge eher zurückschrauben als ausbauen. "Die große Mehrheit der betroffenen Unternehmen plant demnach nicht, die teurer gewordenen Arbeitskräfte durch Kapital zu ersetzen oder in das Wissen der Beschäftigten zu investieren, um deren Produktivität zu steigern", so Link.

Im Schnitt über alle Firmen hinweg erhalten ab Oktober gut sechs Prozent der Beschäftigten einen höheren Mindestlohn. Je nach Region und Branche gibt es jedoch große Unterschiede. So beschäftigen laut ifo in Westdeutschland 29 Prozent der befragten Firmen einen Teil ihrer Mitarbeiter zu weniger als 12 Euro pro Stunde. In Ostdeutschland sind es 40 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juni 2022 um 12:00 Uhr.