Ein Flughafenmitarbeiter steht vor einem Flugzeug der Lufthansa. | dpa

Bezahlung von Bodenpersonal Lufthansa und ver.di einigen sich auf Lohnerhöhung

Stand: 05.08.2022 14:08 Uhr

Die Gewerkschaft ver.di hat sich mit der Lufthansa und mit Condor auf Lohnerhöhungen für Beschäftigte der Airlines geeinigt. Das teilten die Parteien mit. Damit sind weitere Streiks vorerst vom Tisch.

Die etwa 20.000 Boden-Beschäftigten der Lufthansa können mit mehr Geld rechnen. Die Airline und die Gewerkschaft ver.di einigten sich gestern Abend auf eine Tariferhöhung. Es seien spürbare Gehaltssteigerungen vereinbart worden, die überproportional für die unteren Vergütungsgruppen seien, teilte die Lufthansa mit.

Die Einigung sieht nach zwei Jahren Verzicht aufgrund der Corona-Krise eine Lohnerhöhung in drei Schritten vor: Die Beschäftigten erhalten zunächst einen Festbetrag in Höhe von 200 Euro monatlich rückwirkend ab dem 1. Juli 2022. Ab dem 1. Januar 2023 gibt es weitere 2,5 Prozent, mindestens aber 125 Euro monatlich mehr, und ab 1. Juli 2023 nochmals 2,5 Prozent. Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 18 Monate und endet am 31. Dezember 2023. Das Ergebnis allerdings steht unter dem Vorbehalt einer Mitgliederbefragung.

Auch die rund 3000 Beschäftigten des Konkurrenten Condor am Boden und in der Kabine bekommen mehr Geld. Wie ver.di heute mitteilte, steigen die Gehälter inflationsabhängig vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024 um mindestens sieben Prozent. Sollte die Inflation 2023 darüber liegen, sei eine Lohnerhöhung um bis zu neun Prozent möglich.

Parteien zeigen sich zufrieden

Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin mit der Lufthansa, Christine Behle, zeigte sich zufrieden über den Abschluss für Europas größte Fluggesellschaft: "Das ist ein gutes Ergebnis, denn es beinhaltet einen Inflationsausgleich und zusätzlich eine Reallohnerhöhung." Als besonders positiv hob sie zudem hervor, dass die Erhöhungen nicht ergebnisorientiert erfolgen, wie es die Lufthansa ursprünglich geplant hatte.

Michael Niggemann, Personalvorstand der Lufthansa sagte: "Es war uns wichtig, die unteren und mittleren Einkommensgruppen überproportional zu berücksichtigen."

Ähnlich positiv fielen die Reaktionen auf die Einigung zwischen ver.di und der Condor aus: "Dieses Ergebnis konnte in der Friedenspflicht und außerhalb der Tarifrunde mit einer guten finanziellen Verbesserung für die Beschäftigten erreicht werden", erklärte Vize-Verhandlungsleiter Dennis Dacke.

Keine weiteren Streiks

Damit sind weitere Streiks der Beschäftigten am Check-In oder bei der Abfertigung von Flugzeugen vorerst vom Tisch. Ein eintägiger Ausstand hatte in der vergangenen Woche mehr als 1000 Flugstreichungen an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München ausgelöst. Und das mitten in der Hauptsaison, die Reisenden wegen Störungen des Flughafenbetriebes aufgrund von Personalmangel in Europa ohnehin schon viel Geduld abverlangt.

Die Lufthansa kostete der Ausstand rund 35 Millionen Euro, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen erklärte. Für den Fall einer Nicht-Einigung hatte ver.di-Verhandlungsführerin Behle bereits mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zur Hauptreisezeit gedroht.

Konzern rechnet mit sattem Gewinn

Zudem wurde bekannt, dass die Lufthansa trotz anhaltender Probleme offenbar in die Gewinnzone zurückkehrt. Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Carsten Spohr, verkündete den ersten operativen Jahresgewinn seit Ausbruch der Corona-Krise. Der in der Pandemie vom Staat gerettete Konzern rechnet für das laufende Jahr mit einem Gewinn (bereinigtes Ebit) von mehr als einer halben Milliarde Euro. Für 2021 hatte Lufthansa bei dieser Kennzahl einen Verlust von mehr als 2,3 Milliarden Euro bilanziert.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. August 2022 um 22:15 Uhr.