Gabelstapler steht zwischen Regalen bei einem Logistikunternehmen | dpa

Folgen der Lieferengpässe Viel Mangel, wenig Ware

Stand: 14.11.2021 16:44 Uhr

Leere Regale, hohe Preise, fehlende Teile: Lieferengpässe machen vielen Menschen derzeit das Leben schwer. Einige Firmen fürchten um ihre Existenz. Aber auch kleinere Probleme prägen teils den ganzen Alltag.

Von Christin Jordan, SWR

Eigener Führerschein, eigenes Auto - trotzdem muss sich Finn Schmid aus Döttesfeld im Westerwald morgens von seinem Vater zur Arbeit fahren lassen. Denn der Wagen des Auszubildenden steht seit fast vier Monaten in der Werkstatt. Der Turbolader ist defekt. "Das Autohaus sagte: Ja, der Turbo, der ist kaputt, der wird neu bestellt, der ist in zweieinhalb Wochen da", berichtet Schmid. "Nach diesen zweieinhalb Wochen war er eben nicht da. Und jetzt ist er halt auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar, und wir warten immer noch." Dabei ist gerade in der Provinz ein Auto unerlässlich - nicht nur, um zur Arbeit zu kommen, sondern auch in der Freizeit. Auch da muss Schmids Vater jetzt Fahrdienst spielen, so wie früher.

Christin Jordan

Lieferprobleme machen Firmen zu schaffen

Was für Privatleute ein Ärgernis ist, macht vielen Branchen ernsthaft zu schaffen. Die weltweiten Lieferengpässe stellen beispielsweise manche Handwerker vor riesige Herausforderungen. Holz etwa war schon vor Corona knapp und teuer, dazu kommen inzwischen extrem lange Lieferzeiten. Dachdecker Matthias Lichtmes aus Kell am See konnte früher Bauholz auf Abruf ordern. Heute muss er bis zu drei Monate im Voraus planen. Die Folge: Er musste im Frühjahr mehrere Großprojekte absagen, weil ihm Bauholz fehlte.

Planung, Ungewissheit und Existenzsorgen machen ihm zu schaffen. Ob er noch so ein Jahr überstehen kann? "Wenn ich das Glück habe, wieder so viele Bauten kurzfristig dazu zu kriegen. Dann ja. Aber wenn dann wirklich Bauten auf lange Sicht wegbrechen, und man kann das nicht mehr füllen, dann funktioniert das nicht mehr", sagt Lichtmes.

Auch im Baumarkt von Nadine Milz im pfälzischen Rülzheim ist Holz Mangelware - vom Besenstiel bis zur Spanplatte. Nachschub kommt auch hier in der Regel verzögert. "Wer für kommendes Jahr größere Heimwerkerprojekte plant, braucht Geduld oder muss jetzt schon ordern." Ohne Garantie, dass die bestellte Ware dann auch rechtzeitig ankommt.

Unterbrochene Lieferketten bremsen Produktion

Materialknappheit ist das eine, die unterbrochenen Lieferketten sind das andere Problem. "Das betrifft alle Logistikdienstleistungen, von Containern über die Transportmittel bis hin zu fehlenden Lkw-Fahrern", erzählt Ulrich Dähne. Sein Unternehmen stellt Präzisionsmesswerkzeuge her, ist damit einer der Weltmarktführer. Um 50 Prozent sind seine Auftragseingänge in die Höhe geschnellt, schon jetzt kommen Bestellungen für das zweite Halbjahr 2022.

Produzieren kann er aber nur 20 bis 30 Prozent zusätzlich. Zu "Mondpreisen" kaufe er derzeit Aluminium und Magnesium, um die Kundenwünsche zu erfüllen. "Wir stehen mit beiden Füßen auf dem Gaspedal", sagt er. Was den Geschäftsführer eigentlich freuen müsste, bereitet ihm auch Kopfzerbrechen. Denn irgendwann flache die Nachfrage wieder ab. Dann wird er möglicherweise auf vollen Lagern sitzen. "Es ist der Ritt auf der Rasierklinge. Ein moderates Wachstum wäre uns lieber."

"Ich will endlich mein Auto vom Hof holen"

Auf eine Normalisierung der Verhältnisse hoffen sie alle: der Handwerker, die Einzelhändlerin, der Unternehmer. Und der Azubi aus dem Westerwald: Während er mit einer Mischung aus Sehnsucht und Ärger auf dem Hof des Autohauses steht und auf sein Auto zeigt, sagt er: "Ich will endlich mein Auto vom Hof des Händlers holen und damit wegfahren."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2021 um 09:37 Uhr.