Mitarbeiter von thyssenkrupp im Stahlwerk in Duisburg | dpa

DIHK-Umfrage Lieferengpässe bremsen Aufschwung

Stand: 19.08.2021 10:49 Uhr

Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen leidet inzwischen unter Materialengpässen und steigenden Kosten, wie eine DIK-Umfrage zeigt. Das werde voraussichtlich die Konjunkturerholung verlangsamen.   

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) klagen mittlerweile 83 Prozent der deutschen Firmen über Preisanstiege oder Lieferprobleme bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die der DIHK unter fast 3000 Unternehmen aller Branchen und Größen durchgeführt hat.

"Rohstoffmangel und Lieferkettenprobleme treffen die deutsche Wirtschaft in ihrer ganzen Breite", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Die aktuelle Entwicklung kann den wirtschaftlichen Erholungsprozess nach der Krise merklich erschweren." Möglicherweise werde das Vorkrisenniveau beim Bruttoinlandsprodukt daher erst Mitte 2022 erreicht.

"Sehr große Unsicherheiten"

Die Ergebnisse des DIHK zeigen ferner, wie skeptisch die Unternehmen in die Zukunft sehen: Nur knapp jedes fünfte rechnet bis zum Jahreswechsel mit einer Besserung der Lage. 53 Prozent erwarten dies erst 2022. Ein Viertel kann nicht einschätzen, wann es zur Normalisierung kommen werde. "Wir sehen hier aktuell sehr große Unsicherheiten", sagte Treier.

In vielen Industriezweigen sind der Umfrage zufolge nahezu alle Betriebe von den Problemen betroffen. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen aus der Gummi- und Kunststoffindustrie, Metallindustrie und Chemieindustrie berichten davon. In der Fahrzeugindustrie sind es 92 Prozent, in der Elektrotechnik 85 Prozent, im Baugewerbe 94 Prozent. Nur vereinzelt berichten Firmen demnach, dass sie zwar Lieferschwierigkeiten hatten, diese aber nicht mehr aktuell seien.

Verpackungen verzweifelt gesucht

Die Engpässe entstehen demnach, weil Produktions- und Transportkapazitäten fehlen, um eine wachsende Nachfrage zu bedienen. Knapp seien etwa weiterhin Container. Weil weniger Menschen fliegen, gebe es auch weniger Möglichkeiten, Waren im Frachtraum von Passagiermaschinen zu befördern. Gleichzeitig führten Corona-Beschränkungen zu Produktionsausfällen.

Zu spüren bekommen die Firmen die Engpässe und steigenden Preise insbesondere bei direkten Vorprodukten, Stahl, Aluminium, Kupfer und Holz. Verpackungen sind durch alle Branchen hinweg ebenfalls Mangelware, ebenso Elektronikkomponenten. In der Fahrzeugindustrie fehlen massiv Halbleiter. Der Einzelhandel berichtet etwa von Engpässen bei Textilien.

Die Folge sind höhere Einkaufspreise

Als Folge der Lieferengpässe haben derzeit 88 Prozent der Unternehmen mit höheren Einkaufspreisen für ihre Produkte und Dienstleistungen zu kämpfen. "Wenn eine anziehende Nachfrage in vielen Weltregionen auf nicht ausreichende Produktions- und Transportkapazitäten etwa aufgrund von Corona-Beschränkungen trifft, steigen die Preise", sagte Treier. "Das belastet zunehmend die weltweite Konjunktur und die internationalen Geschäfte unserer Unternehmen."

In dieser Woche hatte bereits der Arbeitgeberverband der deutschen Metall- und Elektroindustrie ein ähnliches Szenario präsentiert: "Rund 75 Prozent Unternehmen gaben im Juli an, durch Materialknappheit in der Produktion behindert zu werden", stellte Gesamtmetall-Chefvolkswirt Michael Stahl fest.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2021 um 11:00 Uhr.