Industrie Konjunktur | imago images / Lars Berg

Konjunkturprognose Weniger Wachstum im nächsten Jahr

Stand: 14.12.2021 12:27 Uhr

Die verschärfte Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen dämpfen die wirtschaftliche Erholung. Bundesregierung und ifo-Institut warnen vor einem schwierigen Winter und erwarten weniger Wachstum.

Deutschlands Wirtschaft dürfte im laufenden Quartal schrumpfen und sich im kommenden Jahr deutlich langsamer erholen als erhofft. Die Ökonomen des Münchner ifo-Instituts erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 nur noch um 3,7 Prozent steigen wird statt den zuvor prognostizierten 5,1 Prozent. In diesem Jahr erwarteten die ifo-Experten nur ein Plus von 2,5 Prozent.

"Die anhaltenden Lieferengpässe und die vierte Coronawelle bremsen die deutsche Wirtschaft spürbar aus", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Die zunächst erwartete kräftige Erholung für 2022 verschiebt sich weiter nach hinten." Das BIP werde 2023 voraussichtlich um 2,9 zulegen - und damit fast doppelt so stark wie noch im September erwartet.

Rückgang im vierten Quartal

Besonders düster sieht es in diesem Winter aus. Wegen der im Oktober begonnenen Verschärfung der Corona-Pandemie dürfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,5 Prozent zum Vorquartal schrumpfen und zu Beginn des neuen Jahres nur stagnieren, schätzt das Institut.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor einem schwachen vierten Quartal. "Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens haben die konjunkturellen Risiken zuletzt wieder zugenommen", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Im laufenden vierten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung daher "eher schwach ausfallen". Grund dafür sei das Infektionsgeschehen, das die über den Sommer erfolgte Erholung der Dienstleister abermals bremsen dürfte.

Für das Gesamtjahr hatte die Bundesregierung bereits vor einigen Wochen ihre Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent abgesenkt. 2022 soll es zu einem Plus von 4,1 Prozent reichen, 2023 dann 1,6 Prozent.

Damit hinkt Deutschland weiter seinen Partnern hinterher. Die US-Wirtschaft dürfte nach einem Wachstum von 5,5 Prozent in diesem Jahr im kommenden Jahr noch um 4,4 Prozent zulegen. Für den Euroraum erwarten die ifo-Ökonomen in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 5,0 Prozent und im kommenden Jahr von 3,9 Prozent. Auch Chinas Wirtschaft dürfte sich im kommenden Jahr deutlich abkühlen und "nur" noch um 5,1 Prozent wachsen, nach erwarteten 8,1 Prozent im laufenden Jahr.

Aufhellung erst im Sommer

Den deutschen Maschinenbauern machen die globalen Materialengpässe immer mehr zu schaffen. Der Branchenverband VDMA senkte am Dienstag den Ausblick für die Produktion 2021 auf ein Plus von sieben Prozent statt der bislang erwarteten zehn Prozent. 2022 werde die Produktion hingegen wohl um sieben Prozent statt wie bislang geschätzt um fünf Prozent zulegen. Während die Auftragseingänge in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres um 34 Prozent gestiegen seien, hätten die Firmen ihre Produktion nur um 7,2 Prozent und damit schwächer als erhofft erhöhen können. "Wir hätten mehr produzieren können, wären die verschiedenen Lieferengpässe nicht so hartnäckig gewesen", sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen. Es sei damit zu rechnen, dass die Materialengpässe voraussichtlich mindestens bis ins zweite Halbjahr 2022 anhalten.

Auch das ifo-Institut erwartet eine Besserung erst in einem halben Jahr. "Im Sommerhalbjahr 2022 wird mit dem Abebben der Corona-Welle und dem allmählichen Ende der Lieferengpässe eine kräftige Erholung einsetzen", sagte Konjunkturchef Wollmershäuser. Der deutsche BIP-Anstieg dürfte sich dann mit Wachstumsraten von 2,3 Prozent im zweiten und 1,8 Prozent im dritten Quartal 2022 deutlich beschleunigen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.