Ein Arbeiter reinigt ein Exzenterrad | dpa

Konjunkturprognose angehoben Bundesregierung erwartet mehr Wachstum

Stand: 27.04.2021 14:49 Uhr

Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich angehoben. Angesichts eines starken Exportgeschäfts deutscher Firmen sagt sie nun ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent voraus.

Trotz verstärktem Lockdown und anhaltend hoher Inzidenzraten erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr ein höheres Wirtschaftswachstum als bisher. In seiner am Vormittag vorgestellten Frühjahrsprojektion geht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nun von einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent aus. Im Januar hatte er lediglich 3,0 Prozent veranschlagt.

Für 2022 wird mit einem Anstieg von 3,6 Prozent gerechnet. "Spätestens 2022 werden wir unsere alte Stärke wieder erreicht haben", sagte Altmaier. "Unsere Wirtschaft ist stark, robust und startklar für den Neustart." Im vergangenen Jahr war sie wegen der Corona-Krise um 4,9 Prozent eingebrochen.

Export ist die tragende Säule

Dennoch hinkt Deutschland im Vergleich zu den USA und den meisten europäischen Nachbarn hinterher. So dürfte die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 6,5 Prozent zulegen, Frankreich, Italien und Spanien erwarten jeweils eine Zunahme zwischen fünf und sechs Prozent.

Getragen werden soll die Erholung in Deutschland vor allem von den Exporten. Diese sollen um 9,2 Prozent wachsen angesichts der raschen Belebung wichtiger Absatzmärkte wie den USA und China. Dadurch rechnet das Ministerium mit höheren Investitionen.

"Auch Nachholeffekte spielen eine Rolle, da Investitionen wegen der Krise zurückgestellt wurden", hieß es. Der Bauboom dürfte sich ebenfalls fortsetzen, und zwar "aufgrund des Niedrigzinsumfelds und der hohen Nachfrage nach Wohnraum".

Exporterwartungen auf Zehn-Jahres-Hoch

Die Hoffnungen insbesondere auf die Exportwirtschaft sind begründet. Aktuell sind die deutschen Exporteure so optimistisch wie zuletzt im Januar 2011. Das Barometer für die Exporterwartungen der Industrie kletterte im April um 0,8 auf 24,6 Punkte, wie eine aktuelle Umfrage des Münchner ifo-Instituts ermittelt hat.

"In vielen Ländern zeigt sich die Industrie von der Pandemie kaum beeinträchtigt", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Davon profitiert die Nachfrage nach deutschen Exportgütern deutlich." Vor allem der Aufschwung bei den wichtigsten Exportkunden USA und China sorgt für Auftrieb.

Den ifo-Daten zufolge verbesserten sich die Aussichten über fast alle Industriezweige hinweg. In der Elektroindustrie sind die Erwartungen sehr optimistisch. Auch im Maschinenbau stieg der Indikator auf den höchsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt; die Chemische Industrie sieht sich ebenfalls im Aufwind. "Die einzigen Sorgenkinder sind die Hersteller von Bekleidung und der sonstige Fahrzeugbau", hieß es. "Sie rechnen mit rückläufigen Auslandsumsätzen."

Binnenwirtschaft kommt erst langsam in Schwung

Durch die graduelle Lockerung der Corona-Beschränkungen sollen auch Binnenwirtschaft und private Konsumausgaben allmählich in Schwung kommen. Der Arbeitsmarkt soll sich nach dem schwierigen Jahresauftakt allmählich beleben. Dennoch dürfte es 2021 zu einem Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen um 60.000 kommen. 2022 soll dann ein Beschäftigungsaufbau um 290.000 folgen.

Altmaiers Konjunkturoptimismus wird von Finanzminister Olaf Scholz geteilt. "Gerade erfordert die dritte Corona-Welle von uns allen nochmal eine große Anstrengung", sagte der SPD-Kanzlerkandidat. "Trotzdem ist klar: Es geht langsam aufwärts, und die Hilfspolitik wirkt."

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich die "Wirtschaftsweisen" genannt, ist deutlich pessimistischer als die Regierung. Das Gremium hatte erst vor zwei Wochen seine Prognose nach unten revidiert und rechnet für 2021 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,1 Prozent. Im Herbst waren die Wirtschaftsweisen noch von 3,7 Prozent ausgegangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2021 um 12:00 Uhr.