Druckbögen mit neuen 200-Euro-Scheinen | dpa

Statistisches Bundesamt Inflation bleibt im Juni hoch

Stand: 29.06.2021 15:27 Uhr

Die Inflationsrate fällt im Juni leicht zurück, gleichwohl bleibt das Niveau hoch. Für eine Entwarnung ist es auch zu früh, da Ökonomen in der zweiten Jahreshälfte vorübergehend sogar noch deutlicher steigende Preise erwarten.   

Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Juni etwas verlangsamt. Die Verbraucherpreise lagen vorläufigen Daten zufolge um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gegenüber dem Mai 2021 liegt das Plus bei 0,4 Prozent. Im Vormonat war die Inflation mit 2,5 Prozent noch auf den höchsten Stand seit September 2011 geklettert.

Die aktuellen Daten liegen im Rahmen der Erwartungen: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten für Juni mit einem Rückgang auf 2,3 Prozent gerechnet.

Energiepreise befeuern Inflation

Angeheizt wird die Inflation weiterhin vor allem vom Anstieg der Energiepreise, die gegenüber Juni 2020 um 9,4 Prozent zulegten. Hintergrund ist die globale Konjunkturerholung, die die Nachfrage nach Rohöl steigen lässt und so den Preis nach oben treibt.

Zudem ist seit Anfang 2021 in Deutschland eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Die Preise für Nahrungsmittel kletterten um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die Mieten stiegen um 1,3 Prozent.  

Leicht oberhalb der Zielzone

Experten gehen aber davon aus, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder steigt und in der zweiten Jahreshälfte drei oder vier Prozent erreicht. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2020 von der vorübergehend gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt wurden und sich dieser Effekt dann umkehre.

"Es ist nur eine kleine Atempause im Aufstieg zum Inflationsgipfel", sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. "Ab dem kommenden Monat schlägt bei der Berechnung der Inflation der Effekt der Mehrwertsteuererhöhung voll durch."

Ähnlich sieht es DZ-Bank-Chefökonom Michael Holstein: "Bereits im Juli könnte die Drei-Prozent-Marke geknackt werden." Die Finanzmärkte beobachten die in vielen Regionen gestiegene Inflation sehr genau. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht einen Preisanstieg von knapp unter zwei Prozent als mittelfristig ideal für die Wirtschaft im Euroraum.

Weidmann will Sorgen dämpfen

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann versuchte unlängst, die Furcht vor einer mittelfristig überschießenden Inflation zu dämpfen. Er nehme die Sorgen ernst, doch die Inflationsgefahren sollten in der Diskussion nicht überzogen werden, meint der Ökonom.

Die Bundesbank hält vorübergehend zwar Teuerungsraten um vier Prozent für möglich - gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI, den die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Geldpolitik heranzieht. Aber Weidmann schränkt ein: "Für eine hartnäckig überhöhte Inflationsrate wären Zweitrundeneffekte entscheidend, in Form eines deutlich kräftigeren Lohnwachstums oder spürbar gestiegener Inflationserwartungen. Dies zeichnet sich jedoch derzeit nicht ab."

Deshalb erwarteten die Volkswirte der Bundesbank für die nächsten Jahre wieder Teuerungsraten unter zwei Prozent in Deutschland.