Zahlreiche Geldpakete von 50-Euro-Scheinen

Vorläufige August-Daten Inflation fast auf 28-Jahres-Hoch

Stand: 30.08.2021 15:04 Uhr

Die Inflation in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit Dezember 1993 gestiegen. Vor allem die Energiepreise legen kräftig zu. In den kommenden Monaten dürfte die Inflation weiter steigen.  

Die Inflationsrate in Deutschland wird im August 2021 voraussichtlich plus 3,9 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat betragen. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Daten mit. Einen höheren Wert für die Teuerungsrate wurde zuletzt im Dezember 1993 ermittelt: Damals lag die Inflation bei 4,3 Prozent. Nach Destatis-Angaben haben die Preise von Juli auf August des laufenden Jahres stagniert. Die endgültigen Ergebnisse für den August 2021 wird Destatis am 10. September veröffentlichen.

Angeheizt wird die Teuerung seit Monaten von steigenden Energiepreisen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legten diese den Daten zufolge um 12,6 Prozent zu; die Preise für Nahrungsmittel kletterten um 4,6 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich mit 2,5 Prozent unterdurchschnittlich, ebenso wie Wohnungsmieten mit 1,3 Prozent.

Grund für die hohe Teuerungsrate ist auch ein sogenannter Basiseffekt, weil sich die Rücknahme der temporären Mehrwertsteuersenkung bemerkbar macht. Um den Konsum in der Corona-Krise anzukurbeln, hatte der Bund die Mehrwertsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze, Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teuer.

Droht eine Lohn-Preis-Spirale?

Die Inflation dürfte Experten zufolge weiter zulegen: Bundesbankpräsident Jens Weidmann rechnet beispielsweise damit, dass sich die Teuerungsrate zum Jahresende in Richtung fünf Prozent bewegen könnte. Fachleute schätzen, dass sie erst im Jahr 2022 wieder nachgeben werde. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor.

Ökonomen diskutieren derzeit die Möglichkeit einer Lohn-Preis-Spirale. So wird der wechselseitige Zusammenhang bezeichnet, wenn Lohn- und Preiserhöhungen aufgrund von Anpassungsreaktionen der Gewerkschaften und Unternehmen eine Kettenreaktion auslösen.

Tariflöhne halten nicht Schritt  

Die Verdienstzuwächse der Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland halten aktuell aber nicht Schritt mit der steigenden Inflation. Die Tariflöhne erhöhten sich im zweiten Quartal von April bis Juni um durchschnittlich 1,9 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt heute ebenfalls mitteilte. Werden Sonderzahlungen wie Corona-Boni ausgeklammert, lag das Plus sogar nur bei 1,4 Prozent. Deutlich schneller legten dagegen die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum zu, sie stiegen um 2,4 Prozent.

Dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge dürfte die Teuerungsrate im Gesamtjahr 2021 bei durchschnittlich 2,5 bis 3,0 Prozent liegen, während die Tariflöhne wohl nur um rund zwei Prozent zulegen sollten.

"Daran werden auch die jetzt noch anstehenden Tarifverhandlungen nicht viel ändern, weil die sich daraus ergebenen Lohnsteigerungen nur einen begrenzten Teil der Beschäftigten betreffen und außerdem vor allem im kommenden Jahr wirksam werden dürften", so IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. August 2021 um 14:42 Uhr.