Eine Hand zählt Geldscheine | dpa

Höchster Stand seit 2011 Inflation steigt auf 2,5 Prozent

Stand: 31.05.2021 16:00 Uhr

Vor allem wegen des Preisschubs bei Öl und Gas ist die Inflationsrate in Deutschland im Mai auf 2,5 Prozent geklettert. So stark war die Teuerung zuletzt vor knapp zehn Jahren. Wie sind die Prognosen für die kommenden Monate?

Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im Mai beschleunigt. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in seiner ersten Schätzung mitteilte. Das ist der höchste Wert seit September 2011. Im April hatte die Inflationsrate noch 2,0 Prozent betragen.

Wichtigster Treiber waren die Energiekosten, die sich im Jahresvergleich um zehn Prozent verteuerten. Tatsächlich haben sich die Einfuhrpreise für Erdöl und Gas im Jahresvergleich mehr als verdoppelt - auch weil sie im vergangenen Frühjahr aufgrund der Pandemie kräftig eingebrochen waren. Hinzu kommt, dass klimaschädliche fossile Brennstoffe seit Jahresbeginn mit 25 Euro pro Tonne CO2 belegt werden, was sie ebenfalls teurer macht. Dagegen stiegen die Preise für Nahrungsmittel im Mai lediglich um 1,5 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen legten um 2,2 Prozent zu. Wohnungsmieten verteuerten sich im Schnitt um 1,3 Prozent.

Bis zu vier Prozent Preisanstieg im Sommer

Es handelt sich um vorläufige Daten - die endgültigen Ergebnisse für Mai 2021 werden Mitte Juni veröffentlicht. Dennoch zeigen sie, wie deutlich die Preise seit Jahresbeginn angezogen sind. Ökonomen wie Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ Trust erwarten, dass die Teuerung noch zunimmt. "Der aktuelle Anstieg kann als Vorbote weiterer Preissteigerungen in den kommenden Monaten gesehen werden", schreibt der ehemalige langjährige Chefökonom der Allianz. Zu erwarten sei, dass neben den Preiserhöhungen bei Waren in den kommenden Monaten auch steigende Dienstleistungspreise das Bild prägen werden. Hoffnungen auf einen Rückgang der Teuerungsrate dürften sich erst erfüllen, wenn die aktuellen weltweiten Angebotsengpässe überwunden seien und die gestiegenen Rohstoffpreise wieder zurückgingen. Anzeichen dafür gebe es derzeit noch nicht.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, geht sogar davon aus, dass die Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte "an die vier Prozent" heranreichen wird. Nicht zuletzt deshalb, weil die Preise dann von der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt wurden und sich dieser Effekt dann umkehre.

Ökonomen sehen keinen langfristigen Trend

Allerdings gehen Ökonomen davon aus, dass der Preisanstieg nur wenige Monate andauern wird, bevor die Rate wieder sinkt. "So sehr das Thema Inflation die Deutschen derzeit beschäftigt, es wird sich nur um eine vorübergehendes Phänomen handeln", so Thomas Gitzel von der VP Bank. "Im kommenden Jahr ist der Spuk vorbei", sagt er. Deutschland, aber auch die Länder der Eurozone insgesamt, hatten längerfristig wahrscheinlich eher mit zu niedrigen als mit zu hohen Teuerungsraten zu kämpfen.

Davon geht auch die Europäische Zentralbank (EZB) aus. Deren Direktorin Isabel Schnabel erwartet in Deutschland einen Preisanstieg über die Marke von drei Prozent. Einen Grund zum Gegensteuern für die Geldpolitik sieht die deutsche Ökonomin aber nicht. Man gehe davon aus, dass es sich um kurzfristige Schwankungen handele, sagte Schnabel kürzlich in einem Interview mit RTL und ntv.

Die Notenbank strebt auf mittlere Sicht einen Preisanstieg von zwei Prozent an, hat dieses Ziel aber in den vergangenen Jahren stets verfehlt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Mai 2021 um 16:00 Uhr.