Lebensmittel liegen auf dem Band an einer Kasse in einem Supermarkt.  | dpa

Folge der Energiekrise Inflationsrate steigt im August auf 7,9 Prozent

Stand: 30.08.2022 14:21 Uhr

Trotz der Entlastungsmaßnahmen wie dem Tankrabatt hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise wieder beschleunigt. Die Teuerungsrate lag im August nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts bei 7,9 Prozent.

Die Inflation in Deutschland ist schon vor dem Auslaufen von befristeten Entlastungsmaßnahmen wie dem Tankrabatt und dem 9-Euro-Ticket wieder deutlich gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten im August durchschnittlich 7,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zwischen Juli und August legten die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent zu.

Preistreiber Energie

Größter Preistreiber ist seit längerem Energie. Sie verteuerte sich im August mit 35,6 Prozent etwa so stark wie im Juli. Nahrungsmittel kosteten 16,6 Prozent mehr als im August 2021. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die bereits angespannte Lage verschärft. Für Dienstleistungen mussten 2,2 Prozent mehr bezahlt werden.

Im Mai hatten sich Waren und Dienstleistungen mit 7,9 Prozent so stark verteuert wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dann drückten unter anderem der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket die Inflation im Juni auf 7,6 und im Juli auf 7,5 Prozent. Nach dem Auslaufen der beiden Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung Ende August erwarten Fachleute im Herbst Teuerungsraten von rund neun Prozent.

Auch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde, die ab Oktober greift, sowie die anhaltende Euro-Schwäche werden nach Einschätzung von Experten auch in den kommenden Monaten die Preise tendenziell weiter antreiben. Hinzu kommen die neue Gasumlage und die Folgen von Lieferengpässen bei verschiedenen Waren und Vorprodukten, die ebenfalls zu einer höheren Teuerung beitragen. Die Bundesbank rechnet vor dem Hintergrund der genannten Faktoren im Herbst mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um zehn Prozent.

Teuerungsraten wie in Zeiten der Ölkrise

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern muss man in der Zeitreihe bis in den Winter 1973/1974 während der Ölkrise zurückgehen, um ähnlich hohe Werte zu finden.

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sich diese für einen Euro dann weniger leisten können. Viele Haushalte schränken Umfragen zufolge ihren Konsum wegen der Preise bereits ein.

Sozialverbände drängen die Politik deshalb dazu, Menschen mit wenig Geld schnell zu helfen. "Die Menschen brauchen Geld, damit am Ende des Monats der Einkaufskorb nicht leer und die Wohnung nicht kalt bleibt", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Und sie brauchen die Sicherheit, dass ihnen wegen Lieferengpässen oder fehlender Zahlungsmöglichkeiten nicht der Strom oder das Gas abgedreht wird."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2022 um 15:00 Uhr.