Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Prognosen für 2021 Industrie erwartet Aufwärtstrend

Stand: 12.04.2021 15:11 Uhr

Zum Start der Hannover Messe haben die wichtigen Industrieverbände ihre Prognosen für das Geschäft im laufenden Jahr vorgelegt. Sie erwarten eine schrittweise Erholung - unter bestimmten Voraussetzungen.

Die deutsche Industrie rechnet angesichts fortschreitender Impfungen mit einem deutlichen Anziehen der Konjunktur in den kommenden Monaten. Bei der Produktion erwarte er "ein kräftiges Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, bei der Eröffnung der Hannover Messe. Zum Auftakt der coronabedingt digital veranstalteten Industriemesse stellten der BDI, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) ihre Jahresprognosen vor.

Wann kommt der Aufschwung?   

In den vergangenen Monaten galt die deutsche Industrie als ein wichtiges Zugpferd der konjunkturellen Erholung in Deutschland. Deshalb wurden die aktuellen Prognosen der drei großen Industrieverbände auch mit großer Spannung erwartet.

Und obwohl der große Aufschwung wohl noch auf sich warten lassen dürfte, sind die Aussichten der Industrie besser als befürchtet - vorausgesetzt, so die einhellige Einschätzung der Verbände, dass die Lockdown-Maßnahmen nicht weiter verschärft werden müssen. Den Prognosen liegt die Annahme zugrunde, dass die bisherigen Einschränkungen in den kommenden Monaten zurückgefahren werden und das Impfen Erfolge zeitigt.   

"Keine weiteren Auflagen"  

Viele Unternehmen erhielten wieder deutlich mehr Bestellungen, sagte BDI-Präsident Russwurm. Es gebe schon mehr Auftragseingänge als vor der Krise. Voraussetzung für eine Erholung sei ein "weitgehendes Zurückfahren pandemiebedingter Einschränkungen bis zum frühen Herbst" - und dass es keine weiteren Auflagen für das produzierende Gewerbe gebe. Auch müsse Deutschland beim Impfen mit der Hilfe von Haus- und Betriebsärzten flexibler werden und Tempo machen.

Russwurm wies aber auch darauf hin, dass der verlängerte Lockdown in etlichen Bereichen Folgen habe. Die Wirtschaftsleistung dürfte 2021 laut aktualisierter BDI-Prognose um drei Prozent zulegen. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zuerst angenommen.

Prognose erhöht

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat seine Prognose für das Produktionsvolumen 2021 um rund drei Prozentpunkte auf bis zu sieben Prozent erhöht. Mut mache vor allem die gute Nachfrage aus Asien, insbesondere aus China. In den USA kämen Impulse durch das von Präsident Joe Biden aufgelegte Konjunkturprogramm. "Auch die EU erholt sich Schritt für Schritt, wenngleich etwas langsamer", sagte Verbandspräsident Karl Haeusgen.

Er schränkte aber ein, dass Corona die Unternehmen nach wie vor verunsichere und belaste. Hinzu kämen der Strukturwandel der Autobranche und teils Lieferprobleme. "Der Maschinenbau zeigt sich aber auch in dieser schwierigen Phase widerstandsfähig."

Der VDMA-Chef mahnte die Politik, einheitliche Pandemie-Regelungen umzusetzen sowie eine längerfristige Strategie zu entwickeln. "Allerdings braucht es jetzt auch Einigkeit, Klarheit und konkrete politische Pläne für die Zeit danach."

Positive Stimmung in der Elektroindustrie  

Auch für die Elektroindustrie zeigte sich ZVEI-Präsident Gunther Kegel zuversichtlich. "Die Elektroindustrie ist 2021 positiv gestartet", sagte Kegel. Dieses Jahr könne ein Produktionsplus von fünf Prozent gelingen. "Wenn man die eingegangenen Aufträge der ersten drei Monate betrachtet, kann es eventuell noch besser laufen."

Die Kapazitätsauslastung sei mit 82 Prozent im ersten Quartal 2021 fast wieder beim Vorjahresniveau angekommen. Zudem sorgten auch die Auftragseingänge für Optimismus. Allein im Februar habe es einen Zuwachs von 13 Prozent zum Vorjahr gegeben.

Zur Debatte über verpflichtende Corona-Schutzvorgaben in der Industrie sagte Kegel, über 90 Prozent der Firmen seiner Branche testeten schon. "Damit ist ein weiterer verschärfter Lockdown für die Industrie nicht nur nicht notwendig, sondern auch nicht sinnvoll."

Vernetzung und Automatisierung als Thema

Die Messe in Hannover gilt als die größte Industrieschau der Welt. In Online-Präsentationen, Livestreams der Aussteller, zahlreichen Videokonferenzen und einem neuen Vernetzungs-Tool stehen bei den Unternehmen die Themen Technologien zur Vernetzung und Automatisierung in Produktion und Logistik im Vordergrund.

Dabei sollen besonders Beiträge für mehr Energieeffizienz gezeigt werden. Außerdem sind wirtschaftspolitische Runden, Fachvorträge und Podiumsdiskussionen geplant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2021 um 12:00 Uhr.