Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Wegen Materialmangels Industrieproduktion ausgebremst

Stand: 07.07.2021 14:22 Uhr

Engpässe bei Vorprodukten haben die Produktion in Deutschland auch im Mai gebremst. Während Ökonomen mit einem Anstieg gerechnet hatten, gab es einen Rückgang - zum vierten Mal in diesem Jahr.

Industrie, Bau und Energieversorger haben im Mai zusammen 0,3 Prozent weniger hergestellt als im Vormonat. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium heute mit. Dies war bereits der vierte Rückgang in diesem Jahr. Ökonomen hatten hingegen einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet. Ausschlaggebend für den Rückgang ist vor allem die Industrieproduktion. Sie schrumpfte im Mai um 0,5 Prozent zum Vormonat. Beim Bau gab es dagegen einen Anstieg um 1,3 Prozent; die Energieerzeugung sank um 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Einschränkungen, lag die Produktion um 5,0 Prozent niedriger.

Das Ministerium begründete den Rückgang mit den Versorgungsengpässen bei Halbleitern im Autosektor. Der Branchenverband VDA senkte wegen der Produktionsprobleme durch den Chip-Mangel seine Prognose für den Pkw-Absatz in Deutschland. Man rechne nur noch mit drei Prozent Wachstum auf drei Millionen Fahrzeuge, sagte VDA-Chefin Hildegard Müller. Zuvor hatte die Branche plus acht Prozent angepeilt. "Der Ausblick für die Industriekonjunktur insgesamt bleibt aber positiv", erklärte das Wirtschaftsministerium. Denn die Nachfrage sei hoch und das Geschäftsklima habe sich verbessert.

Kein Beinbruch oder Grund zur Sorge?

Fachleute beurteilen die Lage unterschiedlich. Während Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der LBBW, den Rückgang zwar nicht erfreulich findet, aber angesichts der Lieferengpässe in einigen Bereichen auch nicht dramatisch, bereitet anderen Experten der anhaltende Materialmangel Sorgen. "Können Waren nicht geliefert werden, verzichtet so manches Unternehmen auf eine Bestellung", sagt Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Aber auch wegen der Lieferengpässe gestiegene Preise dürften die Bestellungen schmälern. "Weniger Aufträge bedeuten weniger Produktion in Zukunft", warnte Gitzel. "Aus diesem Blickwinkel wird der Mangel für die Konjunkturentwicklung zu einer ernstzunehmenden Gefahr."

Für einen Schuss vor den Bug der Optimisten hatte gestern auch das Statistische Bundesamt gesorgt. Danach sind die Aufträge der deutschen Industrie im Mai so stark eingebrochen wie seit dem ersten Lockdown 2020 nicht mehr. Danach gingen bei den Betrieben 3,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juni 2021 um 13:38 Uhr.