Industrieanlage

"Positiver Impuls" Industrieaufträge ziehen stark an

Stand: 06.01.2022 12:27 Uhr

Die deutsche Industrie hat sich deutlich vom zuvor erlittenen Auftragseinbruch erholt. Für das positive Abschneiden sorgte allein das anziehende Auslandgeschäft. Ökonomen geben noch keine Entwarnung.

Die deutsche Industrie hat im November wieder deutlich mehr Aufträge erhalten. Im Vergleich zum Vormonat sind die Bestellungen um 3,7 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit erholten sich die Aufträge nach den schwachen Vormonaten; im Oktober hatte es noch einen Rückgang von 5,8 Prozent gegeben. Für Analysten kam die Stärke des Anstiegs überraschend: Sie hatten im Schnitt nur einen Zuwachs um 2,3 Prozent erwartet.

Dabei ist allein die deutlich gestiegene Nachfrage aus dem Ausland verantwortlich für die guten Zahlen: Die Aufträge von dort stiegen um 8,0 Prozent zum Vormonat. Besonders deutlich fiel das Plus mit 13,1 Prozent bei Bestellungen aus der Eurozone aus. Dagegen seien die Bestellungen aus dem Inland um 2,5 Prozent gefallen, hieß es weiter.

Starker Zuwachs bei Flugzeugen und Schiffen

Den größten Zuwachs beim Auftragseingang im November meldete die Behörde bei den Bestellungen von Flugzeugen, Schiffen oder Zügen. In diesem Bereich gab es einen Zuwachs um 32 Prozent durch umfangreiche Großaufträge. In der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen stieg der Auftragseingang um sieben Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem er im Oktober um 4,7 Prozent gesunken war.

Mit einer durchgreifenden Verbesserung der Auftragslage sei vorerst aber nicht zu rechnen, so Experten. "Der Anstieg ist ein Reflex auf den äußerst schwachen Vormonat, er gleicht den dortigen Rückgang aber nicht aus", erklärt der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger.

Noch keine Entwarnung

Auch Verbände und Ökonomen geben noch keine Entwarnung. "Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie steigende Energiepreise drücken das Geschäft", sagt der Konjunkturexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Jupp Zenzen. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt dies, sieht die Entwicklung der Industrieaufträge aber dennoch als "positiven Impuls" für die konjunkturellen Aussichten.

Die Industrie hat derzeit eigentlich genügend Aufträge, um die Produktion auf Hochtouren laufen zu lassen. Allerdings fehlen wichtige Vorprodukte wie beispielsweise Mikrochips, die in zahlreichen Gegenständen - von Autos bis Haushaltsgeräten - verbaut werden.

Lieferengpässe hemmen Aufschwung

Ende des vergangenen Jahres hatte sich der Materialmangel noch einmal verschärft: 81,9 Prozent der Firmen klagten über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen, so viele wie noch nie. Da die Probleme noch eine Weile anhalten dürften, wird der konjunkturelle Aufschwung in diesem Jahr wohl kleiner ausfallen als bislang angenommen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft etwa senkte seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes 2022 von 5,1 auf 4,0 Prozent.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Januar 2022 um 10:30 Uhr und 12:20 Uhr in den Nachrichten.