Erdölförderung | dpa

Importe massiv verteuert Rohstoffpreise steigen ungebremst

Stand: 28.05.2021 11:21 Uhr

Erdöl und andere Rohstoffe sind nach dem Corona-Einbruch deutlich teurer geworden, die Importpreise steigen so stark wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Was bedeutet das für die Inflation?

Nach Deutschland importierte Güter haben sich auch im April stark verteuert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren die Importpreise im April 2021 um 10,3 Prozent höher als im April 2020. Einen derart kräftigen Anstieg im Jahresvergleich hatte es zuletzt im Dezember 2010 gegeben. Im März waren die Importpreise gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent gestiegen, im Februar lediglich um 1,4 Prozent.

Wichtigster Preistreiber im April waren die Energieeinfuhren. Sie haben sich im Vergleich zum April 2020 mehr als verdoppelt (plus 101,3 Prozent). Wegen der Corona-Pandemie waren die Preise für Öl und Gas im April letzten Jahres stark eingebrochen. Den größten Einfluss auf den Anstieg der Importpreise hatten Erdöl mit einem Plus von 198 Prozent, die Preise für Mineralölerzeugnisse kletterten um 76,6 Prozent und Erdgas verteuerte sich um 57,6 Prozent. Außerdem sind die Preise für importierten elektrischen Strom um gut 200 Prozent gestiegen. Ohne Energie wären die Importpreise im April 2021 nur um 4,8 Prozent höher gewesen als im gleichen Vorjahresmonat.

Verbraucherpreise ziehen an

Allerdings haben sich auch andere Rohstoffe, allen voran Eisenerze (plus 76,8 Prozent) und Kupfer (plus 58,2 Prozent) unverhältnismäßig verteuert, während sich die Importe von Investitionsgütern wie Smartphones, Notebooks oder Autos leicht verbilligt oder kaum verändert haben.

Experten gehen davon aus, dass die gestiegenen Rohstoffpreise den Inflationsdruck erhöhen. So ist die Teuerungsrate in Frankreich im Mai um 1,8 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Das ist die höchste Rate seit Ende 2018. In Deutschland war der Verbraucherpreisindex im April zum Vorjahresmonat um 2 Prozent gestiegen. In den USA sprang die Inflationsrate im April sogar auf 4,2 Prozent.

Tariflöhne steigen langsam

Zwar erwarten die Zentralbanken in den USA und Europa ein weiteres Anziehen der Inflation über die Zielmarke von zwei Prozent hinaus, doch sei diese Entwicklung vorübergehender Natur. Dabei komme es entscheidend auf die Entwicklung der Löhne an. Die sind für die Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland in den ersten drei Monaten des Jahres nur gering gestiegen.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten sie von Januar bis März um 1,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu und entwickelten sich damit gleichauf mit den Verbraucherpreisen. Ein kleineres Plus gab es seit Beginn der Statistik im Jahr 2010 noch nicht. Im gesamten Corona-Jahr 2020 waren die Tarifverdienste noch um 2,0 Prozent gestiegen, 2019 sogar um 3,2 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2021 um 12:00 Uhr.