Übersicht über das Großraum-Labor des Labor-Diagnostikunternehmens Bioscientia in Ingelheim am Rhein. | dpa

Bevorstehende Chemie-Tarifrunde Gewerkschaft will mehr als Inflationsausgleich

Stand: 23.11.2021 14:10 Uhr

Die Gewerkschaft IG BCE will bei der anstehenden Tarifrunde in der chemisch-pharmazeutischen Industrie ein deutliches Lohnplus für die Beschäftigten aushandeln. Den meisten Unternehmen der Branche gehe es seht gut.

Die Gewerkschaft IG BCE fordert vor der kommenden Tarifrunde deutlich höhere Löhne für die bundesweit 580.000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Das Ziel sei, die Kaufkraft der Beschäftigten nachhaltig zu steigern. Denn nach Ansicht der IG BCE nehmen die Beschäftigten in den Branchen Chemie und Pharma zurzeit vor allem zweierlei wahr: steigende Gewinne in ihren Betrieben - und rapide steigende Preise im Privatleben.

"Wir wollen einen Abschluss, der oberhalb der Inflationsrate liegt", sagte der Verhandlungsführer der Chemiegewerkschaft, Ralf Sikorski. Eine konkrete Prozentzahl nannte er noch nicht. Dafür sei es noch zu früh. "Wichtig ist, dass am Ende des Tages ordentlich was rumkommt." Neben höheren Löhnen fordert der Hauptvorstand der IG BCE auch höhere Schichtzulagen und klare tarifliche Vorgaben für mobiles Arbeiten.

Mindestzahl an Lehrstellen gefordert

Die Forderungsempfehlung sieht auch eine Erhöhung der Schichtzuschläge für die Beschäftigten in Nachtschichten auf einheitlich 25 Prozent vor. "Chemieindustrie ohne Schichtarbeiter ist wie Reifen ohne Luft. Sie sind es, die den Laden am Laufen halten", sagte Sikorski. Darüber hinaus solle eine Mindestzahl an Ausbildungsplätzen festgeschrieben werden, um dem Rückgang der Ausbildung entgegenzuwirken. Sikorski verwies auf den Fachkräftemangel in der Chemiebranche: "Wir waren ziemlich erschüttert über die Entwicklung der Ausbildungszahlen, insbesondere im Jahre 2021." Junge Menschen sollten während ihrer Ausbildung gefördert werden, gerade in mittleren und kleineren Betrieben.

Den meisten Betrieben in der Branchen Chemie und Pharma habe die Corona-Krise bisher offenbar kaum geschadet, es gehe den Unternehmen zum weit überwiegenden Teil hervorragend, erklärte Verhandlungsführer Sikorski. Einer Umfrage der Industriegewerkschaft zufolge gaben 78 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, ihrer Firma gehe es gut oder sogar glänzend.

Arbeitgeberseite reagiert ablehnend

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) lehnte die Forderungen ab. "Die IG BCE kann nicht einerseits Milliarden-Investitionen der Unternehmen einfordern und ihnen andererseits tief in die Tasche greifen", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller. Auch die aktuelle Preisentwicklung sei als Begründung für Entgeltzuwächse nicht geeignet. Diese sei Folge der wieder regulären Mehrwertsteuer sowie kurzfristiger Lieferengpässe. Es gebe beim Entgelt auch keinen Nachholbedarf in der Branche. Im Schnitt verdienen Tarif-Beschäftigte in Vollzeit rund 64.000 Euro jährlich.

Der endgültige Forderungskatalog der Gewerkschaft soll Ende Februar feststehen, im März beginnen dann die Tarifgespräche: am 2. März auf regionaler Ebene, am 21. März wechseln sie auf die Bundesebene. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben; die bestehenden Tarifverträge laufen am 31. März aus.

In der letzten Tarifrunde Ende 2019 hatten Arbeitgeber und IG BCE Einkommenserhöhungen im Gesamtvolumen von bis zu sechs Prozent vereinbart. Die Chemiebranche mit 1900 Betrieben ist Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.

Mit Informationen von Annette Deutskens, NDR.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. November 2021 um 12:35 Uhr.