Arbeitsplätze in leerer Industriehalle | picture alliance / imageBROKER

Fehlende Vorprodukte Mehr Industriearbeiter in Kurzarbeit

Stand: 04.11.2021 11:11 Uhr

Zwar sinkt die Gesamtzahl der Kurzarbeiter in Deutschland. Doch in der Industrie werden zunehmend Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Denn Lieferengpässe bremsen die Produktion - trotz vieler Aufträge.

Im Oktober ist die Zahl der Kurzarbeitenden in Deutschland weiter gesunken. Das ifo-Institut schätzt den Rückgang gegenüber September auf 76.000, sodass im vergangenen Monat noch 504.000 Menschen in Kurzarbeit waren. Gegen diesen Trend entwickelte sich die Lage in der Industrie. Dort stieg die Zahl der Kurzarbeiter laut ifo-Institut um 20.000 auf 226.000. Das entspricht 3,3 Prozent der Industrie-Beschäftigten. Die Wirtschaftsforscher stützen sich bei ihren Schätzungen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

"Der Engpass bei den Vorprodukten würgt die Produktion regelrecht ab", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Beim gegenwärtigen Auftragsbestand dürften eigentlich höchstens 10.000 Beschäftigte in der Industrie in Kurzarbeit sein." Doch allein bei den Autoherstellern und ihren Zulieferern stieg die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit von 27.000 auf 33.000, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen von 20.000 auf 31.000 und in der Chemiebranche von 15.000 auf 19.000.

"Paradoxe Situation"

In dieser Entwicklung der Industriebranchen zeigen sich die Auswirkungen der Lieferengpässe besonders deutlich. So fehlen beispielsweise Mikrochips, die in zahlreichen Produkten von Autos bis Haushaltsgeräten enthalten sind. "Die Situation wird wohl noch längere Zeit paradox bleiben", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Die Industrie hat eigentlich genügend Aufträge, um die Produktion auf Hochtouren laufen zu lassen, doch in Anbetracht fehlender Teile tröpfelt der Ausstoß lediglich vor sich hin."

Die deutsche Industrie verzeichnete im September 1,3 Prozent mehr neue Aufträge als im August, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Wegen der sinkenden Nachfrage aus dem Inland und der Euro-Zone blieb der Zuwachs nach dem unerwartet heftigen Auftragseinbruch im August allerdings hinter den Erwartungen zurück. Für die leicht gestiegene Zahl an Aufträgen im September sorgte vor allem Auslandsnachfrage mit einem Plus von 6,3 Prozent.

Wegen des Materialmangels könne die Industrie nicht von den gestiegenen Auslandsaufträgen profitieren und mehr produzieren, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Hinzu komme, dass die neue Corona-Welle in China wieder zu Schließungen von Fabriken führen dürfte, die für den Nachschub der deutschen Industrie wichtig seien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2021 um 13:00 Uhr.