Containerbrücken im Hamburger Hafen | dpa

ifo-Index sinkt weiter Lieferprobleme belasten Firmen immer stärker

Stand: 25.10.2021 13:20 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird schlechter, das Geschäftsklima trübt sich zum vierten Mal in Folge ein. Neben der Industrie leiden nun auch Dienstleister und der Einzelhandel zusehends unter Engpässen.

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Oktober den vierten Monat in Folge gefallen. Die Probleme greifen nun auch auf den Dienstleistungsbereich und den Einzelhandel über.

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer sank von 98,9 Punkten im September auf 97,9 im Oktober, wie das Münchner ifo-Institut heute zu seiner Umfrage unter 9000 Führungskräften mitteilte. "Lieferprobleme machen den Firmen zu schaffen", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie sinke.

Autohersteller weniger ausgelastet

Besonders deutlich werde das laut ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe in der Autobranche, der etwa Halbleiter fehlen. Hier sei die Kapazitätsauslastung von zuletzt 85,2 auf aktuell nur noch 78,2 Prozent gesunken.

Im Dienstleistungssektor verschlechterte sich das Geschäftsklima ebenfalls. Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage laut ifo-Umfrage etwas besser, sie blicken demnach aber "deutlich weniger optimistisch" auf die kommenden Monate.

"Nicht jedes Weihnachtsgeschenk lieferbar"

Im Handel sank der Index des ifo "deutlich". Die Händler seien merklich weniger zufrieden mit ihren laufenden Geschäften, ihr Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate nehme zu. Auch hier belasten die Lieferprobleme die Stimmung, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut erklärte.

"Es gibt Lieferprobleme im Einzelhandel, nicht jedes Weihnachtsgeschenk wird lieferbar sein", sagte Wohlrabe. "Der deutschen Wirtschaft steht ein ungemütlicher Herbst bevor."

Stagflation droht

"Die Unternehmen ahnen, dass die Politiker auf die stark ansteigenden Corona-Infektionen mit neuen Beschränkungen reagieren werden", kommentierte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Zumindest für Ende 2021 zeichne sich eine Stagflation ab - also eine Mischung aus stagnierender Konjunktur und steigender Inflation.

Im Bauhauptgewerbe dagegen verbesserte sich das Geschäftsklima erneut deutlich. Die Betriebe beurteilen die aktuelle Lage etwas besser, der Erwartungsindex legte zum sechsten Mal in Folge zu.

Preiserhöhungen in Sicht

Viele Unternehmen würden nun ihre Preise anheben, erwartet das ifo-Institut. In der Industrie etwa wolle rund jedes zweite Unternehmen an der Preisschraube drehen. "Das ist ein Rekordwert", sagte Wohlrabe. Auch mehr als jeder zweite Einzelhändler strebe Preiserhöhungen an.